„Carbon Farming“ und der fehlende Zugang zum CO2-Markt

Für die Landwirtschaft gilt weiterhin ein "CO2-Markt-Tabu". [SHUTTERSTOCK]

Das Konzept der Kohlenstoffsenken – ein Eckpfeiler der sogenannten regenerativen Landwirtschaft – gewinnt als Maßnahme sowohl für den Klimaschutz als auch für die zukünftige Anpassung an den Klimawandel wieder an Bedeutung.

Aus Sicht der EU ist das Potenzial des „Carbon Farming“, CO2 Emissionen zu binden und gleichzeitig geschädigte landwirtschaftliche Böden zu regenerieren, mit Blick auf das Ziel Klimaneutralität bis 2050 positiv zu bewerten.

Um Klimaneutralität tatsächlich zu erreichen, hat die Kommission vorgeschlagen, das Ziel zur Emissionsreduzierung bis 2030 von 40 auf 55 Prozent zu erhöhen. Man werde die gesamte Gesetzgebung überarbeiten, um sie diesem Zweck anzupassen.

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Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, muss die Landwirtschaft reformiert werden. Rund 14 Millionen Tonnen Treibhausgase müssen dafür in Deutschland eingespart werden, wo die Landwirtschaft offiziell für 6,3 Prozent der Emissionen verantwortlich ist. Nun soll das EU-Klimaziel erhöht werden – welchen Anteil kann die Landwirtschaft leisten?

Nutzpflanzen sind natürliche Senken für Kohlendioxid, die jedes Jahr rund 51 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre „entfernen“ und im Oberboden speichern. Die landwirtschaftlich genutzten Böden in der EU enthalten rund 14 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Oberboden, was deutlich mehr ist als die 4,4 Milliarden Tonnen Treibhausgase, die jährlich von allen 27 EU-Ländern zusammen ausgestoßen werden.

Gleichzeitig bewirkt die Kohlenstoffbindung die Wiederherstellung der organischen Substanz in den Ackerböden. Sie ist somit ein wahres „regeneratives Geschenk“, das die Bodenfruchtbarkeit biologisch steigern kann. Als Verfahren wurde „Carbon Farming“ bereits in die Liste zur Erhaltung von „gutem landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“ (GLÖZ) im Öko-System aufgenommen.

Insbesondere sollen laut den GLÖZ2-Vorschriften kohlenstoffreiche Böden wie Feucht- und Torfgebiete, die zu den wirksamsten Kohlenstoffsenken zählen, geschützt werden. Gemäß dem GAP-Reformvorschlag sollen die GLÖZ2 auf alle förderfähigen landwirtschaftlichen Flächen angewendet werden. Allerdings müssen die Mitgliedstaaten entsprechende Torf- und Feuchtgebiete durch die Erstellung einer spezifischen Kartografie auf Parzellenebene genau bestimmen.

Darüber hinaus könnten Wiedervernässungstechniken zur Behebung früherer Degradation entwässerter Torfmoore, Paludikultur oder andere landwirtschaftliche Praktiken, die zur Kohlenstoffbindung in diesen Gebieten führen, durch zusätzliche GAP-Zahlungen im Rahmen der angedachten eco-schemes sowie durch Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung finanziell unterstützt werden.

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Der neue Vorstoß in Bezug auf Kohlenstoffsenken wird jedoch von einigen als Nebelkerze mit Blick auf die allgemeinen Ambitionen in den Klimazielen gesehen.

Umweltorganisationen haben den Plan der Kommission bereits kritisiert, die Kohlenstoffbindung im Boden in das Klimaziel einzubeziehen. Dies sei „ein buchhalterischer Trick“, um die Ziele für 2030 zu erreichen. „Sich bei der Erreichung der Klimaziele auf die Wälder zu verlassen, sendet das falsche Signal – nämlich, dass es in Ordnung ist, die Verschmutzung aufrechtzuerhalten, weil das Land sie schon irgendwie absorbieren wird,“ so Sam van den Plas, Policy Director bei der NGO Carbon Market Watch.

Das CO2-Markt-Tabu

Der Plan, mehr CO2 auf europäischem Ackerland und in den Wäldern zu speichern, sollte durch ein „robustes Zertifizierungssystem zur CO2-Entfernung“ verfolgt werden, heißt es in der jüngsten Aktualisierung des Klimagesetzes der Europäischen Kommission.

Laut den Plänen zur Anhebung des Emissionsreduktionsziels auf mindestens 55 Prozent bis 2030 würde jedoch der Landwirtschafts- und Landnutzungssektor weiterhin aus dem CO2-Markt des Blocks – dem Emissionshandelssystem ETS – ausgeschlossen bleiben.

Die EU-Landwirte konnten sich bisher nicht an den CO2-Märkten beteiligen, obwohl sie durch die Speicherung von CO2 in ihren Anbauflächen im ETS Gewinne erzielen könnten.

Die EU-Exekutive plant dennoch lediglich, bis Juni 2021 mehrere Rechtsakte zu überarbeiten, wie beispielsweise die Verordnung über Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) und die Verordnung über die Lastenverteilung (Effort Sharing).

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Um dieses Ziel zu …

Um das „CO2-Markt-Tabu“ für Landwirte zu überwinden, hat der Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments (COMAGRI) in seiner Stellungnahme zum Klimagesetz Vorschläge für ein System zur Kohlenstoffbindung im Boden aufgenommen, die durch die Einrichtung eines separaten Handelssystems für negative Emissionen unterstützt werden.

Die Bedeutung von Abscheidungen oder negativen Emissionen sei von größter Bedeutung – während gegenwärtig Abscheidungen und Emissionsminderungen auf den CO2-Märkten gleich behandelt würden. Dabei sollte eine Tonne CO2, die aus der Atmosphäre entfernt wird, einen anderen Preis erzielen als eine Tonne CO2, die nicht in die Atmosphäre ausgestoßen wird, so die EU-Parlamentarier.

„Aus politischer Sicht bin ich der Meinung, dass die Kommission die Möglichkeit prüfen sollte, ein separates Handelssystem für negative Emissionen einzurichten“, so Asger Christensen, der liberale Europaabgeordnete, der die Stellungnahme verfasst hat. „Das ist unserer Meinung nach eine wichtige Botschaft, weil dadurch erhebliche Finanzmittel für den Klimaschutz generiert werden und Klima, Umwelt und Artenvielfalt profitieren könnten.“

[Bearbeitet von Benjamin Fox]

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