Bulgarien: Vereinfachtes Mehrwertsteuersystem zur Förderung der lokalen Erzeugung von Obst und Gemüse?

Die Mehrwertsteuer wird jedoch von den Händlern bezahlt. [Shutterstock]

Die bulgarische Regierung plant, die Produktion von lokalem Obst und Gemüse durch die Einführung eines neuen vereinfachten Mehrwertsteuersystems zu fördern, teilte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Chavdar Marinow lokalen Medien mit.

Bulgarien hat einen pauschalen Mehrwertsteuersatz von 20 Prozent, der von vielen als die „heilige Kuh“ der Wirtschaft und der Haushaltseinnahmen des Landes angesehen wird. Das Land hat jedoch mit der Konkurrenz der Nachbarländer zu kämpfen, die Obst und Gemüse zu niedrigeren Preisen als die einheimischen Produkte anbieten.

Marinow erklärte gegenüber Nova TV, dass die Idee darin bestehe, die Produzenten von der Mehrwertsteuer zu befreien, die nur von den Einzelhändlern bezahlt werden würde.

„Die Rechnung wird diese 20 Prozent nicht enthalten und die Bauern können das Geld wieder reinvestieren, zum Beispiel in Saatgut, Futtermittel. Das letzte Glied in der Kette wird die Mehrwertsteuer zahlen“, sagte Marinow und bezog sich auf die Einzelhändler.

Novinite.com berichtete, dass eine ähnliche Regelung in Bulgarien bereits erfolgreich für Getreideproduzenten angewendet wird. Marinow fügte hinzu, dass auch die Verarbeitungsunternehmen von der neuen Regelung profitieren würden und keine Mehrwertsteuer für den Rohstoff zahlen müssten.

Kurze Lebensmittelketten für Europas Norden

Die Entwicklung von kürzeren Lebensmittelversorgungsketten würde zur gerechteren Vergütung für Landwirte und qualitativ hochwertigeren lokalen Lebensmitteln führen, so die Befürworter.

Marinow erklärte, dass sich die bulgarischen Gemüseproduzenten in einer schwierigen Situation befinden, da sie nicht mit den Preisen für Obst und Gemüse konkurrieren können, die von Nachbarländern wie Griechenland exportiert werden.

Es ist üblich, dass griechisches Obst und Gemüse billiger ist als die bulgarischen Produkte, was die bulgarischen Verbraucher irritiert. In bulgarischen Supermärkten wird in der Regel die Herkunft von Obst und Gemüse angegeben, und es ist leicht zu erkennen, dass importierte Produkte billiger sind.

Für Marinow ist dies vor allem auf den fragmentierten Genossenschaftssektor in seinem Land im Vergleich zu den Nachbarländern zurückzuführen, aber auch auf die zu vielen „Zwischenhändler“ in der Lebensmittelkette, die den Endpreis der Produkte ansteigen lassen.

„Der Grad der Organisation der Landwirte in Bulgarien liegt unter sechs Prozent, und nach Angaben der EU liegt das kritische Minimum bei 20 Prozent. In Griechenland liegt die Zusammenarbeit bei über 60 Prozent“, hob er hervor.

Ein Sprecher der Europäischen Kommission, der von EURACTIV kontaktiert wurde, weigerte sich, sich zu diesem Thema zu äußern, da es sich bei der Initiative Sofias immer noch um einen Gesetzentwurf handele.

EU-Kommission startet Anhörung für mehr Fairness auf dem Lebensmittelmarkt

Die Kommission hat eine Anhörung für mehr Fairness in der EU-Lebensmittelkette gestartet. Bisher haben Kleinbauern Nachteile gegenüber Zwischenhändlern.

Die staatlichen Geschäfte

Die rumänische Regierung versuchte im Januar auch, den lokalen Obst- und Gemüsesektor zu unterstützen, indem sie das so genannte „Agribusiness House Unirea“ gründete, ein staatliches Unternehmen, das ein nationales Netzwerk von mehr als 60 Obst- und Gemüsehändlern aufbauen will.

Ziel war es, den Verbrauch lokaler Produkte zu erhöhen und deren Vertrieb im ganzen Land im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern zu erleichtern. Das Unternehmen konzentriert sich auf Kleinbauern und erhält öffentliche Mittel.

Emil Dumitru vom rumänischen Bauernverband kritisierte jedoch die Regierung für diesen Schritt und sagte, er stelle eine „Rückkehr zum Kommunismus“ dar und verstoße gegen den freien Marktgeist.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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