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20/01/2017

Brexit: Britische Landwirte verhalten optimistisch

Landwirtschaft und Ernährung

Brexit: Britische Landwirte verhalten optimistisch

Brexit bedeutet für europäische Landwirte derzeit vor allem Eines: Unsicherheit.

[Zacchio/Shutterstock]

Der Brexit wird konkret: Im Frühjahr 2017 sollen die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der EU beginnen. Deren Ausgang ist ungewiss, die Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Wirtschaft groß.

Landwirte in Großbritannien sind unsicher, welche Folgen der Brexit für ihre Betriebe haben wird. Und auch für die EU-Landwirte ist unklar, unter welchen Bedingungen Großbritannien als Absatzmarkt für EU-Agrarprodukte erhalten bleibt und wie sich der Austritt Großbritanniens als Nettozahler auf den EU-Agrarhaushalt auswirkt. Doch die Landwirte Großbritanniens sind verhalten zuversichtlich, vom Brexit profitieren zu können. Dies zeigen die Ergebnisse des DLG-Trendmonitors Europe vom Herbst 2016.

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London plant den „harten“ Brexit: Den Austritt aus der EU inklusive des Binnenmarktes. Das heißt für beide Seiten, dass die Spielregeln des Waren- und Kapitalaustausches neu verhandelt werden müssen. Das führt aktuell zum Einbruch des Pfundes gegenüber dem Euro und dem US Dollar, gibt den Aktienmärkten auf der Insel aber Auftrieb. Insgesamt bleiben die Wirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung derzeit kaum abschätzbar.

Und auch für die Landwirte in Großbritannien bedeutet der Brexit derzeit vor allem Eines: Ungewissheit. Die Wirkungen des Brexit auf den Agrarhandel zwischen der EU und Großbritannien müssen neu ausgehandelt werden. Und dies vor dem Hintergrund, dass rund 40 Prozent der in Großbritannien konsumierten Lebensmittel importiert werden, zu einem großen Teil auch aus der EU. Offen ist auch die Zukunft der Direktzahlungen für Landwirte in Großbritannien. Zu erwarten sind sinkende Zahlungen und die Konzentration staatlicher Zahlungen auf Agrarregionen mit Standortnachteilen, deren Landschaftsbild etwa aus Gründen des Tourismus erhalten werden soll. Betriebe in benachteiligten Regionen hoffen demnach auf stabile Zahlungen, während sich andere Betriebe auf weniger Direktzahlungen einstellen müssen. Das bedeutet weiter forcierten Strukturwandel, denn größere Betriebe, die zu geringeren Kosten produzieren, können die sinkenden Direktzahlungen eher kompensieren als kleinere und mittlere Betriebe. Letztere müssen einzelbetrieblich wachsen oder durch Kooperationen die Kosten für Maschinen und Arbeitserledigung reduzieren, um im Markt zu bleiben.

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Weniger Vorgaben und mehr Entscheidungsfreiheit erwartet

Die Landwirte Großbritanniens verbinden jedoch nicht nur Nachteile mit dem Brexit. Die Betriebsleiter erwarten weniger Vorgaben aus der Politik und mehr Entscheidungsfreiheit. Der Wertverlust des Pfunds gegenüber dem Euro führt dazu, dass Agrarexporte aus Großbritannien deutlich wettbewerbsfähiger sind als vor dem Brexit-Votum. Und auch gegenüber Importen haben die Erzeugnisse aus Großbritannien wechselkursbedingt an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Dies führt bei den Landwirten zu der Hoffnung, künftig Marktanteile am britischen Markt für Agrarprodukte zurückzugewinnen. So liegt zum Beispiel der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch bei ca. 60 Prozent, und die neuen Rahmenbedingungen nähren die Hoffnung der Schweinehalter auf besser laufende Geschäfte. Zusätzlich sorgt die Senkung des Leitzinses durch die Bank von England für günstige Finanzierungsbedingungen für Investitionen.

In diesem Umfeld aus Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung und der Hoffnung auf Wettbewerbsvorteile beurteilen die Landwirte die Wirkungen des Brexit auf den eigenen Betrieb unterschiedlich: 20 Prozent der im Rahmen des DLG-Trendmonitors Europe befragten 350 britischen Landwirte erwarten positive Auswirkungen, während 22 Prozent von negativen Auswirkungen ausgehen. Bezüglich des künftigen Zuganges der britischen Landwirte zum EU-Markt sind 16 Prozent der Meinung, den Zugang zum EU-Markt zu verlieren. Die Exporte der EU-Länder nach Großbritannien dürften ebenfalls erschwert werden: 23 Prozent der in Deutschland befragten Landwirte erwarten Erschwernisse.