Bio-Weine hinterlassen allmählich ihre Spuren in der französischen Weinindustrie

Für 41 Prozent der Franzosen sind die ökologischen Bedingungen, unter denen Wein hergestellt wurde, Grund genug, eine Flasche zu kaufen. Noch wichtiger sind die Preise, die die Verbraucher für eine Flasche Bio-Wein zu zahlen bereit sind – nämlich 8,70 Euro. [Lukasz Szwa/Shutterstock]

This article is part of our special report Europäischer Wein und die Umweltfrage.

Während die Franzosen weniger Wein konsumieren, trinken sie jedoch mehr Bio-Wein. Die Kosten für die Umstellung auf „Bio“ erweisen sich jedoch als ein erhebliches Risiko für die Winzer. EURACTIV Frankreich berichtet.

In Frankreich verzeichnete der Weinkonsum in den letzten Jahren einen Rückgang um jährlich vier Prozent. Das geht aus dem französischen Landwirtschaftsbüro Franceagrimer hervor.

Der Bio-Weinmarkt entwickelt sich dagegen gut, da der Konsum von Weinen mit Bio-Label ein stetiges Wachstum zeigt. Laut einer Studie des britischen Instituts IWSR wird bis 2022 ein jährliches Umsatzwachstum von mindestens 14 Prozent bei Bio-Weinen erwartet.

Dieser dynamische Konsum scheint auf dem wachsenden Misstrauen der Franzosen gegenüber synthetischen Pestiziden zu beruhen, die durch die Anforderungen des ökologischen Landbaus verboten sind.

In Frankreich entscheiden sich immer mehr Winzer für die Umstellung auf den ökologischen Landbau. Im Jahr 2018 erstrecken sich die ökologischen Weinberge auf 94.000 Hektar in Frankreich, was einer Flächenerweiterung von 12 Prozent entspricht. Der Umsatz des Sektors beläuft sich auf 1 Milliarde Euro, wie Agence Bio und der nationale interprofessionelle Verband für Bioweine, France Vin Bio, berichten.

Und der Trend dürfte sich fortsetzen, da sich die öffentliche Debatte zunehmend auf das Thema Pestizideinsatz konzentriert. Seit mehreren Monaten äußern Teile der französischen Bevölkerung Bedenken hinsichtlich der so genannten „pestizidfreien Zonen“. Die Regierung hat daher kürzlich eine Konsultation zu diesem Thema eingeleitet.

„Es besteht gesellschaftlicher Druck, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, insbesondere wenn die Gemeinden einen Umkreis von 150 Metern ohne Pestizide festlegen wollen“, erklärte Vincent Mercier, ein Bio-Winzer in der Côte de Bourg und Mitglied des Büros von France Vin Bio.

Pestizid-Herausforderung lässt französischem Weinbau kaum eine Wahl

Wein, der nationale Stolz Frankreichs, stellt eine große Herausforderung für das Land dar. Obwohl der Weinbau vor allem wegen der Fungizide viel Pestizide benötigt, hat der Sektor weiterhin viele Schwierigkeiten, seine Anbautechniken zu ändern. EURACTIV Frankreich berichtet.

8,70 Euro pro Flasche

Ökologische Weinberge, insbesondere mit weniger angesehenen Rebsorten, verzeichnen Fortschritte, während die etablierten Weinberge von ihren Lorbeeren leben.

So hat beispielsweise die Weinindustrie in der Auvergne den Übergang zum Bio-Wein vorangetrieben. In der Côtes d’Auvergne, die sich über eine Fläche von 800 Hektar erstreckt, ist die Hälfte der unabhängigen Winzer im biologischen Anbau tätig.

Andererseits bleibt der Umstieg auf den ökologischen Weinbau für die sehr bekannte Champagnerregion mit einem Anteil von knapp fünf Prozent sehr gering.

Für 41 Prozent der Franzosen sind die ökologischen Bedingungen, unter denen Wein hergestellt wurde, Grund genug, eine Flasche zu kaufen. Noch wichtiger sind die Preise, die die Verbraucher für eine Flasche Bio-Wein zu zahlen bereit sind – nämlich 8,70 Euro. Damit sind sie fast zwei Euro teurer als Weinflaschen, die mit konventionellen landwirtschaftlichen Mitteln hergestellt werden.

Kunden sollten jedoch darauf achten, zwischen Kaufabsichten und Handlungen zu unterscheiden. „Diese stimmen nicht immer überein, da die Erhöhung der Kaufkraft der Franzosen nicht so schnell zu erfolgen scheint“, versicherte Vincent Mercier.

Die Umstellung auf den ökologischen Landbau ist jedoch nicht jedermanns Sache. Die Anforderungen an die Einstufung als ökologischer Landbau berücksichtigen nicht alle Kriterien für die Erhaltung der Umwelt. So werden beispielsweise die Kohlenstoffemissionen nicht berücksichtigt.

Der Verzicht auf eine synthetische Behandlung stellt auch für die Winzer ein erhebliches Risiko dar. „Das Risiko im ökologischen Landbau einzugehen, bedeutet, die konventionelle Behandlung ganz aufzugeben, was zu einem vollständigen Verlust der Ernte führen könnte. Es ist verständlich, die Möglichkeit einer solchen Behandlungsmethode beizubehalten“, räumte Mercier ein.

Und auch die in der ökologischen Landwirtschaft erlaubten Einsatzstoffe wie Kupfer und Schwefel werden zunehmend kritisiert.

Andere umweltfreundlichere Methoden dürften auch die Winzer interessieren. Die Kennzeichnung von Weinen als biodynamisch oder natürlich ist jedoch mit noch strengeren Anforderungen verbunden.

[Bearbeitet von Britta Weppner]

Dieses Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission kann nicht für eine weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben haftbar gemacht werden.

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