Bio boomt weiter, bleibt aber ein westliches Phänomen

Im Jahr 2017 wurde das Marktvolumen für Bio-Lebensmittel auf 90 Milliarden Euro geschätzt.

Der biologische Landbau und der Markt für Bio-Agrarprodukte boomt weltweit. Allerdings ist die Begeisterung vor allem auf Europa und die Vereinigten Staaten konzentriert. EURACTIVs Partner Ouest-France gibt einen Überblick.

Der Bio-Markt boomt und wird voraussichtlich bald weltweit rund 100 Milliarden Euro umfassen, erklärt Michel Reynaud, Vizepräsident von Ecocert, einer der weltweit größten Bio-Zertifizierungsstellen. Diese Einschätzung gab er vergangene Woche auf einer internationalen Konferenz über den ökologischen Landbau.

Im Jahr 2017 schätzte die internationale Vereinigung der Bio-Landbaubewegung Ifoam das Marktvolumen auf 90 Milliarden Euro – gegenüber rund 11 Milliarden Euro im Jahr 1999. Für 2018 werden noch höhere Werte erwartet.

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Somit wächst der Markt zwar stetig, ist aber weltweit immer noch verhältnismäßig klein. Zum Vergleich: Der gesamte Welternährungsmarkt wurde von der Beratungsfirma McKinsey bereits im Jahr 2015 auf rund fünf Billionen US-Dollar geschätzt.

Ein hauptsächlich westliches Phänomen

Der Bio-Markt ist im Wesentlichen westlich: Europa und die USA sind die Hauptabnehmer. In China ist die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln in den vergangenen fünf Jahren zwar gestiegen; der Bio-Markt ist im Reich der Mitte jedoch nach wie vor verschwindend klein.

Im Jahr 2017 wurden in den USA umgerechnet 40 Milliarden Euro für Bioprodukte ausgegeben; in der EU waren es 37 Milliarden. Deutschland ist auf dem europäischen Markt führend und liegt mit einem Marktvolumen von zehn Milliarden Euro vor Frankreich (7,8 Milliarden).

Gerade in Frankreich boomen Bio-Lebensmittel weiterhin: „Die Kluft zu Deutschland verringert sich von Tag zu Tag. Wir sind zuversichtlich, dass wir sie überholen können,“ glaubt beispielsweise Michel Reynaud von Ecocert.

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Bei der Produktion liegt die EU hingegen vor den USA: 2,9 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird ökologisch bewirtschaftet, verglichen mit nur 0,9 Prozent auf der anderen Seite des Atlantiks.

Reynaud begründet diesen Unterschied mit den in Europa bestehenden öffentlichen Beihilfen beim Wechsel auf die Bio-Produktion. Die US-Farmer seien hingegen ausschließlich auf private Programme angewiesen.

Auch der Unterschied in der Anzahl der Landwirte und der Betriebsgrößen sei beträchtlich: In der EU gebe es rund 400.000 Biobäuerinnen und -bauern, verglichen mit „einigen tausend“ in den USA.

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Der wahre Weltmeister im ökologischen Landbau ist jedoch Australien. Das Land stellt allein mehr als die Hälfte der globalen Bio-Lebensmittelfläche: 35,9 von 70 Millionen Hektar weltweit.

Zum Vergleich: Die Bio-Anbaufläche Frankreichs beträgt 29 Millionen Hektar.

Reynaud mahnt jedoch, mit solchen Zahlen vorsichtig zu sein: Australische Bio-Flächen seien im Wesentlichen natürliche Graslandschaften und daher fast zwangsläufig sehr groß.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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