Bier und Pommes: Auswirkungen des Klimawandels bedrohen Belgiens Nationalstolz

Neuer Bericht: Zwei der bekanntesten Produkte Belgiens, Bier und Pommes Frites, werden von den Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen sein. [Shutterstock/CapturePB]

Zwei der bekanntesten Produkte Belgiens, Bier und Pommes Frites, werden von den Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen sein, warnte ein neuer Bericht, der von der Nationalen Klimakommission in Auftrag gegeben wurde.

Der Studie zufolge werden Veränderungen in Belgien vor allem durch Hitzewellen, Überschwemmungen und Dürren zu spüren sein – wärmere, trockenere Sommer und mildere, feuchtere Winter werden zur neuen Normalität.

„In den letzten Jahren hat Belgien anhaltend milde Winter, wiederkehrende Dürreperioden und eine Serie von heißen Sommern erlebt, die in den beispiellosen Temperaturextremen gipfelten, die im Sommer 2019 verzeichnet wurden“, heißt es in dem Bericht, der vor den diesjährigen Rekordtemperaturen im Sommer verfasst wurde.

Verglichen mit der Basisperiode 1981-2014 wird die Anzahl der Hitzewellentage pro Jahr im Zeitraum 2041-2074 voraussichtlich von etwa einen auf fast 27 Hitzewellentage pro Jahr ansteigen.

Die Gesamtkosten, die vor allem durch extreme Hitze, Dürre und Überschwemmungen verursacht werden, könnten sich der Studie zufolge auf bis zu 9,5 Milliarden Euro belaufen. Gleichzeitig könnten die Gewinne, die durch mildere Winter und geringeren Energieverbrauch verursacht werden, etwa drei Milliarden pro Jahr erreichen.

„Menschen, die aufgrund eines schlechten Gesundheitszustands, eines niedrigen Einkommens oder unzureichender Wohnverhältnisse – oft in dicht besiedelten städtischen Gebieten – bereits sehr anfällig sind, dürften auch am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein“, warnt die Studie. Denn die Kosten für Lebensmittel oder Energie könnten die Auswirkungen auf Haushalte mit niedrigem Einkommen noch verstärken.

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Pommes Frites und Bier bedroht

Obwohl eine Vielzahl von Wirtschaftssektoren wie Energie, Fischerei, Tourismus, Verkehr und Landwirtschaft stark betroffen sein werden, betont der Bericht, dass letztere erheblich darunter leiden könnten.

Die Belgier essen zu Hause jährlich 38 Kilogramm frische Kartoffeln und sechs bis sieben Kilogramm verarbeitete Kartoffeln, so der Nationale Verband der belgischen Frittenhersteller. Belgien ist ebenfalls einer der weltweit größten Exporteure von vorgekochten und tiefgefrorenen Kartoffelprodukten und exportiert in 150 Länder.

Dem Bericht zufolge führte eine Kombination aus Dürre und Hitzewelle im Jahr 2018 zu einem Verlust von 31 Prozent der Kartoffelernte in Flandern, die den größten Teil der Produktion des Landes ausmacht, sowie von 13 Prozent der Zuckerrüben und zehn Prozent des Getreides.

Im selben Jahr führte die Dürre zu einem Preisanstieg von 23 Prozent bei gefrorenen Kartoffeln.

Mit steigenden Temperaturen wird auch eine größere Wassermenge für die Verarbeitung und Lagerung der Produkte benötigt.

Die belgische Industrie hat bereits mit den Vorbereitungen für die Umstellung auf Kartoffelsorten begonnen, die widerstandsfähiger gegen Hitze- und Wasserstress sind.

Für die Kartoffelindustrie ist dies ein weiterer Schlag, nachdem Restaurants, Bars und viele der 5.000 Frittenstände in Belgien geschlossen bleiben mussten während des COVID-19-Lockdown. Dies veranlasste den Berufsverband der nationalen Kartoffelindustrie, die breite Bevölkerung aufzufordern, mehr Pommes Frites zu verzehen, um so Ihren Beitrag zu leisten.

Bierproduzenten hingegen werden mit einem Mangel an Zutaten wie Wasser, Gerste und Hopfen zu kämpfen haben.

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Da Gerste für belgisches Bier größtenteils importiert wird, wird das Angebot davon abhängen, wie sich der Klimawandel auf die Erzeugerregionen auswirkt, und Schätzungen zufolge könnte Belgien als Importland einen Verlust von „mehreren zehn Prozent“ hinnehmen müssen, so der Bericht. Die Bierproduktion könnte um zehn bis 40 Prozent zurückgehen, heißt es weiter.

Darüber hinaus könnte die Herstellung traditioneller „Lambic“-Biere wie Géuze und Kriek langsam aus dem Sortiment verschwinden, da der Brauprozess entscheidend von der Umgebungstemperatur abhängt, so der Bericht.

„Die traditionelle Herstellung von Lambic-Bier war seit der Antike, bis ins frühe zwanzigste Jahrhundert hinein, die einzigartige Art zu brauen. Der Verlust der wenigen traditionellen Lambic-Brauer, die heute in Belgien aufgrund des Klimawandels übrig geblieben sind, hat vielleicht nur ein geringes wirtschaftliches Gewicht, würde aber dem einzigartigen Biererbe und der Tradition Belgiens sicherlich einen Schlag versetzen“, heißt es darin.

Gleichzeitig könnten die Ernteerträge bis 2050 in Jahren mit ungünstigen Witterungsbedingungen um bis zu 35 Prozent im Vergleich zu den jüngsten Zahlen für die beobachteten Mindestwerte zurückgehen, insbesondere bei Kartoffeln und Mais.

Für die Geflügel-, Rinder- und Schweineproduktion wurden Produktionsverluste von bis zu zwei bis fünf Prozent als wahrscheinlich erachtet.

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