Die belgische EU-Ratspräsidentschaft will im April ein wissenschaftliches Symposium über die umstrittene Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln veranstalten. Ziel ist ein „Erfahrungsaustausch“, um die Debatte zwischen Befürwortern und Kritikern der Einführung auf EU-Ebene anzustoßen.
Laut dem Programm des Ratsvorsitzes geht es darum, eine erste Bilanz zu ziehen und „Erfahrungen mit dem freiwilligen System zur [Nährwertkennzeichnung] auf der Vorderseite einer Verpackung auszutauschen, das bereits in einigen EU-Staaten eingeführt wurde.“
Das Symposium ist für den 25. April geplant und „wird auf Expertenebene organisiert“, heißt es aus Ratspräsidentschaftskreisen gegenüber Euractiv.
Das 2017 in Frankreich eingeführte Nutri-Score-System ist ein farbcodiertes Kennzeichnungssystem, das auf einer Skala von A-grün (am gesündesten) bis E-rot (am ungesündesten) die Lebensmittel nach ihrem Nährwert einstuft. Die Bewertung erfolgt anhand einer Standardportion.
Ab Ende 2023 gilt ein neuer Bewertungsalgorithmus mit strengeren Parametern für Milch und Frühstückscerealien. Olivenöl und andere Fette pflanzlichen Ursprungs erhalten im Vergleich zum bisherigen Ranking mehr Punkte.
Im Aktionsplan zur EU-Lebensmittelstrategie „Farm to Fork“ kündigte die Europäische Kommission eine verbindliche Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln in der gesamten EU bis Ende 2022 an.
Laut einer Studie der Kommission aus dem Jahr 2020 sind Etiketten mit einer Farbcodierung in Kombination mit einem abgestuften Indikator wie dem Nutriscore am besten geeignet, um das EU-weite Modell voranzutreiben.
Doch wie andere Initiativen, die darauf abzielen, den „Übergang zu einer gesunden, nachhaltigen Ernährung zu erleichtern“, wie es im „Farm to Fork“-Aktionsplan heißt, wurde der Gesetzesvorschlag verschoben.
Kommissionsbeamte erklärten Ende 2022, dass mit der Verschiebung eine übermäßige Polarisierung der Debatte vermieden werden sollte, da das Dossier kurz vor den im Juni anstehenden EU-Wahlen im Europäischen Parlament diskutiert werden würde. Seitdem ist das Thema vom Tisch.
Der belgische Ratsvorsitz könnte das Thema wieder in den Mittelpunkt rücken.
Der Nutriscore ist ein sehr umstrittenes Thema. Denn das ursprünglich französische System ist nur eines der derzeit in Europa verwendeten Nährwertkennzeichnungssysteme. Weitere Beispiele sind das sogenannte „Schlüsselloch“ in den nordischen Ländern und das „Herzsymbol“ in Finnland.
Bei dem Nutriscore handelt es sich um eine fünfstufige, farbige Skala von A bis E, die den Nährwert von Produkten anzeigen soll. Lebensmittel, die mit einem A gekennzeichnet werden, gelten hierbei als gesund. Je weiter unten im Alphabet ein Produkt gereiht wird, desto ungesünder ist es.
Belgien gehört zu der internationalen Allianz, die sich zusammen mit fünf anderen Mitgliedstaaten und der Schweiz für die Einführung des Nutriscore-Systems einsetzt und versucht, das System mit den verschiedenen nationalen Ernährungsrichtlinien kompatibel zu machen.
Italien, der größte Kritiker des Nutriscores, setzt sich für ein alternatives System namens „Nutrinform Battery“ (Batterielabel) ein. Bei einer Debatte der Agrarminister im Jahr 2020 gewann Rom die Unterstützung von sechs anderen EU-Staaten.
Im November 2022 bekräftigte der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida bei seinem ersten Treffen mit seinen EU-Kollegen seine ablehnende Haltung gegenüber dem Nutri-Score.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]


