Albanische Imker sträuben sich gegen Anpassung an EU-Recht

Mitglieder der Familie Isufi, einer Imkerfamilie im nördlichen Dorf Dukagjin, Albanien, überprüfen am Donnerstag, den 08. Januar 2004, sorgfältig eine Bienenwabe im Bienenstock ihrer Familie. Die Imkerei ist die Hauptbeschäftigung der Familie Isufi, die mehr als 23 Mitglieder zählt. Sie verwenden Kräutermedizin, um die Bienen vor Infektionen und Ausschlägen zu schützen. Der Gewinn aus der Bienenzucht, einschließlich Honig, Bienenpollen und Gelée Royale, bringt der Familie einen Gewinn von etwa 2.000 Euro pro Jahr. [EPA/ARMANDO BABANI]

Albaniens Imkereisektor soll reguliert werden. Die Regierung hat einen endgültigen Gesetzentwurf vorgelegt, um sich ans EU-Recht anzupassen, doch bei vielen Imker:innen stößt der Vorschlag auf Gegenwind.

Derzeit ist die Bienenzucht nicht gesetzlich geregelt, sodass es den Imker:innen freisteht, so viele Bienenstöcke zu halten, wie sie wollen. Der neue Gesetzesentwurf des Landwirtschaftsministeriums soll nun jedoch den Schutz der Bienen zu verbessern, deren Existenz nicht nur in Albanien, sondern weltweit zunehmend bedroht ist.

„Der Gesetzesentwurf zielt darauf ab, die Bienenzucht als eine Tätigkeit von essenziellem, nationalem Interesse anzuerkennen, die für die Erhaltung der natürlichen Umwelt, des Ökosystems und der Landwirtschaft im Allgemeinen nützlich ist und darauf ausgerichtet ist, die Bestäubung und die biologische Vielfalt der Bienenarten zu gewährleisten, mit besonderem Bezug auf den Schutz der Bienenart apis mellifera carnica und der typischen einheimischen Bienenpopulationen“, so das Ministerium.

Das Gesetz soll insbesondere Regeln für die Erzeugung, Registrierung, den Transport, die Vermehrung, Etikettierung, Verarbeitung und Lagerung von Imkereiprodukten, einschließlich Honig, Gelée Royale und Propolis, einer Art Bienenharz, festlegen.

Jede Person oder jedes Unternehmen, das auch nur einen Bienenstock betreibt, muss diesen bis zum 30. April eines jeden Jahres bei den Behörden anmelden. Darüber hinaus wird der Standort der Bienenstöcke festgelegt, der mehr als 10 Meter von der Straße und fünf Meter von öffentlichen oder privaten Grundstücksgrenzen entfernt sein muss.

Die Bienenstöcke können entweder stationär oder mobil aufgestellt werden, aber alle Imker:innen, die ihre Bienenstöcke umstellen wollen, müssen dies den Behörden sechs Tage vor dem geplanten Termin mitteilen.

Bienenzüchter:innen müssen eine tierärztliche Bescheinigung vorlegen, aus der hervorgeht, dass die Bienen gesund sind und die erforderlichen medizinischen Maßnahmen vor dem Umzug durchgeführt wurden. Die Behörden werden dann entscheiden, ob der Umzug des Bienenstocks stattfinden kann oder nicht.

Der Entwurf sieht vor, dass europäische Bienen wie apis mellifera und lokale Unterarten wie apis mellifera carnica oder apis mellifera ligustica gezüchtet werden sollten.

Außerdem sollten alle Imker:innen über Grundkenntnisse in diesem Sektor verfügen und alle im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen zum Schutz der Bienen und der Verbraucher:innen ergreifen.

In weiteren Artikeln des Gesetzesvorschlags wird unter anderem erläutert, was passieren kann, wenn Bienenzüchter:innen das Gesetz missachten oder ihre Tätigkeit nicht bei der Regierung anmelden. Darüber hinaus enthält das Gesetz Anweisungen zur Lagerung und Kennzeichnung von Honigprodukten.

Darüber hinaus hat die Regierung mehrere Bestimmungen zur Förderung des Wirtschaftszweigs vorgesehen. Albanien ist aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen und der Flora für seinen hervorragenden Honig bekannt.

Die Regierung hat sich verpflichtet, die Entwicklung albanischer Produkte zu fördern und zu schützen, Forschungsprogramme einzurichten, Anreize für junge Menschen zu schaffen, die Imkerei als Beruf zu ergreifen, und Imker:innen in ländlichen Gebieten zu unterstützen.

Ein örtlicher Bienenzüchter erklärte gegenüber EURACTIVs Partnermedium Exit, er stehe dem Gesetzesentwurf mit gemischten Gefühlen gegenüber.

„Es ist gut, dass es in der Branche eine gewisse Regulierung geben soll, vor allem wenn wir Produkte an einen größeren Markt verkaufen wollen. Ich mache mir nur Sorgen um diejenigen, die die finanziellen Anforderungen der Vorschriften nicht erfüllen können“, erklärte er.

Ein anderer, der seine Bienenstöcke in der Nähe der griechischen Grenze stehen hat, sagte, die Regierung habe versucht, einen Wirtschaftszweig zu regulieren, der nicht so einfach zu handhaben sei.

„Wir werden den Preis erhöhen und die Menge reduzieren müssen, da wir mehr verkaufen müssen, um die Kosten zu decken. Für mich ist es besser, informell zu arbeiten, die Kund:innen bei Laune zu halten und ein qualitativ hochwertigeres Produkt anzubieten, bis eine solidere finanzielle Grundlage vorhanden ist“, sagte er.

Er fügte hinzu, es brauche Unterstützung seitens der Regierung, um kleine Produzent:innen in den ländlichen Dörfern im Einklang mit den ehrgeizigen Plänen zu bringen.

„Diese älteren Bienenzüchter:innen, die ihren Honig in Plastikflaschen an der Straße verkaufen, könnten ihre einzige Einnahmequelle verlieren. Sie können es sich nicht leisten zu investieren und Risiken einzugehen – wir befinden uns gerade mitten in einer schweren Krise“, sagte er.

Im Jahr 2020 verzeichnete Albanien die beste Honigernte aller Zeiten. Imker:innen in der Region Morava berichteten gegenüber den Medien, dass sie in den letzten 50 Jahren noch nie eine solche Ernte erzielt hätten.

Im Gebiet von Morava werden jedes Jahr Dutzende Tonnen Honig produziert, unter anderem von Weißklee, Kastanien, wildem Thymian und Raps.

Während mehrere Unternehmen Honig in industriellem Maßstab für den heimischen Verbrauch herstellen, wird der größte Teil informell produziert. Honig wird von Familienmitgliedern, Bekannten, von Freund:innen und von Straßenverkäufer:innen gekauft. Üblicherweise wird er in wiederverwendeten Gläsern oder Plastikflaschen angeboten, die früher Pepsi oder Wasser enthielten.

Diese Mentalität wird nur schwer zu ändern sein, weshalb finanzielle Unterstützung und Investitionen seitens der Regierung für die Erzeuger:innen entscheidend sein werden.

Die Behörden haben auch erklärt, dass das Gesetz im Einklang mit dem Recht der Europäischen Union stehe. Es wird erwartet, dass der Entwurf in den kommenden Wochen verabschiedet wird, allerdings müssten weitere Verordnungen folgen. Bis zur vollständigen Umsetzung ist eine zweijährige Schonfrist vorgesehen.

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