Agrarsubventionen – Liste deutscher Empfänger 2016

Mehr als die Hälfte der deutschen Top 151 Agrarhilfe-Empfänger kommen aus der Privatwirtschaft. [BX_Orange]

Wohin fließen die beträchtlichen Summen der europäischen Agrarsubventionen? Vor kurzem hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die Datenbank der deutschen Empfänger von EU-Agrarfonds veröffentlicht. Das Ergebnis für 2016: im Ganzen weniger Mittel, aber die öffentliche Hand bleibt weiterhin Top-Empfänger.

Die Transparenz-Initiative der EU verpflichtet jeden Mitgliedstaat jährlich die Empfänger von Agrarhilfen des Vorjahres zu veröffentlichen.In Deutschland ist das die Aufgabe der Bundesanstalt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Nach der jüngsten Aktualisierung flossen 2016 Subventionen in Höhe von 6,4 Milliarden Euro an 331.000 Begünstigte der deutschen Landwirtschaft.

Möchte man einen detaillierten Blick auf die Datenbank des Bundesministeriums werfen, trifft man auf ein altes Problem: Weder kann man eine vollständige Liste der Empfänger herunterladen oder überhaupt einsehen, noch sind Suchergebnisse mit mehr als 1.500 Treffern erhältlich. 

Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Verteilung des EU-Agrarfonds. Auch, wenn die Aufbereitung der Daten nicht unbedingt das Verständnis für die Zusammenhänge EU-Agrarsubventionen fördert, eines wird klar: Der mit Abstand größte Subventionsgewinner ist Deutschlands größte Molkerei, die DMK, deren Produkte unter den Marken wie Milram oder Humana herstellt werden. Überhaupt konnten sich 2016 Betriebe der Milcherzeugung, Agrarhändler und der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Husum über die üppigsten Subventionen freuen.

Die Top-Empfänger

EURACTIV hat die TOP-Empfänger der EU-Agrarhilfen 2016  aufgelistet. Von den 151 Begünstigten mit Zuwendungen ab einer Million Euro gehört neben der DMK Deutsches Milchkontor GmbH (Gesamtsubvention 21.640.341,94 Euro) als Privatunternehmen und dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Husum (Gesamtsubvention 16.968.105,98 Euro) als öffentliche Institution, vor allem die privatwirtschaftliche Milcherzeugung zu den TOP-Begünstigten. Von der Agrahilfe der TOP-150 in Höhe von 338.642.298,23 Euro erhielt die Privatwirtschaft (217.108.384,94 Euro) fast doppelt so viel wie die TOP 151 der Behörden von Land und Kommunen.

Planmäßige Absenkung der Agrarhilfen bis 2020

Der Haushaltsplan der EU stellt für Subventionen der europäischen Agrarwirtschaft zwei Fonds zur Verfügung: für die 1. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) den Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL) und für die 2. Säule den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Während aus dem EGFL Direktzahlungen an Landwirte fließen und Maßnahmen zur “Regulierung oder Unterstützung der Agrarmärkte” finanziert werden sollen, will die Kommission mit dem ELER die Entwicklung des ländlichen Raums fördern. ELER-Mittel  fließen allerdings nur, wenn sie mit weiteren nationalen Mitteln von Bund, Ländern und Kommunen kofinanziert werden.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) stellt seit über 50 Jahren einen beträchtlichen Anteil – fast 40 Prozent – des gesamten EU-Budgets. Standen 2014 für beide Säulen noch 54,450 Milliarden Euro zur Verfügung, so sind es in 2016 nur noch 52 787 Milliarden Euro. Geplant ist die Reduzierung der GAP-Subventionen bis 2020 auf 49 031 Milliarden Euro. Dieser Betrag könnte sich allerdings nach dem Brexit weiter reduzieren. Laut EU- Agrarkommissar Phil Hogan kostet der Austritt der Briten den GAP-Fonds ungefähr drei Millionen Euro pro Jahr. Eine weitere Kürzung der Subventionen bei der nächsten Reform der EU-Agrarpolitik scheint also mehr als möglich.

Weitere Informationen