Agrarministerin Klöckner will Einsatz von Glyphosat einschränken

Agrar- und Ernährungsministerin Julia Klöckner möchte statt einer Zuckersteuer eher eine "bessere Ernährungsbildung von der Kita an". [Foto: epa]

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) möchte das Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Zukunft in privaten Gärten, Parks und Sportanlagen und in der Nähe von Gewässern verbieten, teilte sie gestern in Berlin mit. Nur Sachkundige Landwirte sollten es verwenden dürfen.

Für diese Maßnahmen will die Ministerin nun einen Verordnungsentwurf in die Ressortabstimmung bringen. In der Landwirtschaft, wo der Großteil des in Deutschland eingesetzten Glyphosats verwendet wird, solle der Einsatz „massiv“ eingeschränkt werden, sagte Klöckner.

Für Landwirte möglich sein soll die Anwendung nur, wenn auf den landwirtschaftlichen Flächen genügend „Saumstrukturen“ – wie beispielsweise Hecken – vorhanden sind. Ausnahmen könne es nur geben, wenn etwa aufgrund von Erosionsgefahr ein Glyphosateinsatz „absolut notwendig“ sei oder „wenn die Ernte komplett in Gefahr wäre“, betonte Klöckner. Dann müssten Bauern einen Glyphosat-Einsatz allerdings drei Tage vorher bei den örtlichen Behörden anmelden.

Zum angestrebten Glyphosat-Verbot in Haus- und Kleingärten sagte Klöckner: „Für Glyphosat braucht es Fachkenntnisse.“ Nur „Profis“, wie beispielsweise Berufsgärtner, dürften Glyphosat in Privatgärten anwenden – „aber nur dort und nur dann, wenn es erwiesenermaßen notwendig ist“.

Klöckner stellt Glyphosat-Verbot in Frage

In der Koalition bahnt sich ein neuer Streit über die Zulassung des Unkrautgiftes Glyphosat an.

Klöckner bekräftigte, sie wolle die Anwendung von Glyphosat wie im Koalitionsvertrag von Union und SPD vorgesehen, so schnell wie möglich im Einklang mit EU-Recht beenden. Dafür solle auch die verstärkte Forschung an Alternativen Glyphosat „überflüssig“ machen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach mit Blick auf die Vorschläge Klöckners von einem „ersten Schritt“. Damit könne der Glyphosat-Ausstieg endlich losgehen, nötig seien aber weitere Schritte. Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff dürften „spätestens zum Ende der Legislaturperiode keine Rolle mehr spielen“.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) äußerte sich differenzierter: Eine Reduktionsstrategie sei „grundsätzlich sinnvoll“, erklärte Verbandspräsident Joachim Rukwied. „Aber ein vollständiger Ausstieg würde unsere Möglichkeiten im umweltschonenden Anbau drastisch einschränken.“ Für die Landwirte sei eine „fundierte wissenschaftliche Bewertung“ der Maßstab für eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, fügte Rukwied hinzu. „Es gibt bislang keine evidente Studie, die einen Ausstieg rechtfertigen würde.“

Alternativen zu Glyphosat in fünf Jahren? – "Schwierig, aber nicht unmöglich"

Das EU-Parlament hat gestern beschlossen, die Nutzung des Herbizids Glyphosat ab 2023 EU-weit zu verbieten.

Die EU-Kommission hatte im November mit Zustimmung des damaligen Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) die Zulassung von Glyphosat um fünf Jahre verlängert. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner erklärte am Dienstag, entscheidend in der Landwirtschaft sei die konkrete Umsetzung: Die Bedingungen müssten so formuliert sein, „dass die Ausnahmen nicht am Ende doch wieder zur Regel werden“. Wenn es jetzt tatsächlich ernsthafte Maßnahmen zur Reduktion von Glyphosat geben sollte, wäre dies „ein großer Erfolg“.

Das in den 70er Jahren vom US-Konzern Monsanto entwickelte Glyphosat ist eines der weltweit meistverkauften Herbizide. Kritiker warnen vor einem möglichen Krebsrisiko. Sie verweisen auf einen Bericht der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), nach dem Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ ist. Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen hingegen zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen ausgeht.

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