Ändert Italiens Regierung die Haltung zu Glyphosat?

Das Thema Gloyphosat bleibt in der EU umkämpft. [garycycles8/Flickr]

Die italienische Regierung ist weiterhin gegen eine erneute Zulassung des Pestizids Glyphosat. Anscheinend kann sich Rom aber inzwischen eine fünfjährige Verlängerung vorstellen, erklärten Quellen gegenüber EURACTIV.com.

„Die momentane Situation ist, dass sie [die italienische Regierung] derzeit über eine Anpassungsperiode nachdenken,” sagte eine regierungsnahe Quelle gegenüber EURACTIV am Rande des Global Food Forum in Treviso vergangenen Freitag.

Italiens Landwirtschaftsminister Maurizio Martina hat sich bisher öffentlich deutlich gegen eine verlängerte Zulassung des Pestizids ausgesprochen. Allerdings wolle die Regierung in Rom dadurch vermeiden, dass das kontroverse und in den Medien sehr präsente Thema Glyphosat von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung vor den anstehenden Wahlen 2018 politisch ausgeschlachtet werden kann, heißt es.

Während die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) grünes Licht für eine erneute Zulassung von Glyphosat gegeben haben, verweisen Kritiker auf Studien der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), die das Mittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat.

Am kommenden Mittwoch trifft sich der ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel der Europäischen Kommission, um eine mögliche Zulassungsverlängerung zu besprechen. Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat allerdings bereits angedeutet, dass eine Entscheidung noch bis Ende des Jahres auf sich warten lassen könnte.

Andriukaitis hatte kürzlich die EU-Mitgliedstaaten kritisiert: Sie würden sich bei dem Thema hinter der Kommission verstecken. Wenn unter den EU-Staaten keine qualifizierte Mehrheit für eine Verlängerung erreicht werde, werde die Chemikalie zum Ende dieses Jahres verboten, machte er deutlich.

Landwirtschaftsvertreter haben sich aus diesem Grund bereits an die Kommission gewendet und mit rechtlichen Schritten gedroht.

"Alternativlos": EU-Landwirte kämpfen für Glyphosat-Verlängerung

Europäische Landwirte wollen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung. Es gebe keine Alternative auf dem Markt und ein Verbot würde die Fixkosten erhöhen.

De Castro: Verkürzte Zulassung

Der italienische MEP Paolo De Castro (S&D-Fraktion) forderte, in diesem Fall müsse man der Wissenschaft vertrauen und „ideologische Ansätze“ vermeiden. Dennoch machte auch er gegenüber EURACTIV deutlich, dass er gegen die von der Kommission vorgeschlagene zehnjährige Zulassungsverlängerung ist.

„Wir müssen unseren EU-Agenturen vertrauen, aber wir sollten uns auf eine verkürzte Zulassung von beispielsweise fünf Jahren einigen. Ich verstehe Maurizio Martina, der Mehrheiten mit einer eher verbraucherorientierten Haltung erreichen will, aber ich sitze im Europäischen Parlament. Deswegen haben wir nicht den gleichen Standpunkt,” so De Castro.

Inzwischen hat sich auch der EU-Parlamentsausschuss für Umwelt, öffentliche Gesundheit und Sicherheit zum Thema Glyphosat geäußert und vergangene Woche gefordert, die Kommission solle „die notwendigen Schritte unternehmen, um die Zulassung der Substanz Glyphosat in der Europäischen Union bis spätestens 15. Dezember 2020 auslaufen zu lassen.”

Derweil fürchten die Landwirte, ein Verbot von Glyphosat könnte sich negativ auf die Fixkosten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Massimiliano Giansanti, Vorsitzender der italienischen Landwirtschaftsorganisation Confagricoltura, unterstrich, die zuständigen EU-Behörden hätten bereits den Beweis erbracht, dass Glyphosat sicher ist.

„Unsere Landwirte müssen auf globaler Ebene konkurrieren. Außerhalb der EU sind die Regeln bereits heute lascher – und unsere Bauern leiden darunter.“ Die EU müsse „für ausgeglichene Verhältnisse sorgen, die Wettbewerbsfähigkeit in der realen Wirtschaftswelt erhöhen und ihre Entscheidungen auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen fällen,“ so Giansanti weiter.

Glyphosat : Efsa-Bericht zum Teil Kopie von Monsanto-Papier

Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit hat laut einem Bericht wohl teilweise die Argumentation des Herstellers Monsanto übernommen – darunter die wichtigsten Kapitel.

Ein „verheerender Präzedenzfall“?

Für Graeme Taylor, Sprecher der European Crop Protection Association, würde ein Verbot von Glyphosat einen „verheerenden Präzedenzfall“ darstellen: „Wenn das sicherste Mittel, das es jemals auf dem Markt gab, nicht weiter zugelassen werden kann, was bedeutet dies dann für andere Mittel – und was bedeutet es für das Geschäft der Landwirte,“ fragte er. Seiner Ansicht nach gebe es keinen adäquaten Ersatz für Glyphosat.

Sowohl die EFSA, ECHA und auch die Weltgesundheitsorganisation hätten klar gesagt, dass Glyphosat sicher ist, so Taylor weiter. In Brüssel werde eine Zulassungsverlängerung aber nicht mehr rein wissenschaftlich behandelt: „Es ist eine emotionale und politische Debatte geworden.“