68 Länder verpflichten sich zu Kohlenstoffbindung und Bodenschutz

“Gesunde Böden sind ein Schlüsselfaktor, um den globalen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen”, heißt es in dem Abschlusskommuniqué, das die Minister:innen verabschiedeten. [BMEL/Photothek]

Bei der Berliner Weltagrarministerkonferenz haben sich am Freitag (28. Januar) die Delegationen von 68 Ländern darauf geeinigt, durch den Schutz landwirtschaftlicher Böden zu Klima- und Artenschutz beizutragen. 

“Gesunde Böden sind ein Schlüsselfaktor, um den globalen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen”, heißt es in dem Abschlusskommuniqué, das die Minister:innen verabschiedeten.

Insbesondere für eine ausreichende und hochwertige Lebensmittelproduktion, Klimaschutz- und Anpassung sowie für den Artenschutz seien landwirtschaftliche Böden entscheidend, so das Papier. Alle Sektoren müssten zu einer nachhaltigen Landnutzung beitragen, heißt es weiter.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte zu der internationalen Konferenz geladen, die den Abschluss des einwöchigen Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) bildete. Dabei handelt es sich um ein multilaterales Format, das jährlich von Deutschland zum Austausch über die internationale Agrar- und Ernährungspolitik organisiert wird.

Neben knapp 70 Minister:innen nahmen an der Konferenz auch Vertreter:innen internationaler Organisationen wie des Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teil.

“Eine enge internationale Zusammenarbeit zwischen den Agrarminister:innen ist mein großer Wunsch, denn wir stehen weltweit vor enormen Herausforderungen”, sagte Özdemir zur Eröffnung der Konferenz und betonte dabei vor allem die Klimakrise.

Diese habe weltweit zu Wetterextremen geführt – zuletzt in Ostafrika, das wegen Trockenheit aktuell mit der schlimmsten Hungersnot seit 35 Jahren konfrontiert sei, fügte er hinzu.

Kohlenstoffspeicherung im Boden

Konkret einigten sich die Minister:innen unter anderem darauf, Bodenbelastungen zu verringern und die weitere Degradation von Böden zu vermeiden. Dazu wollen die Länder agrarökologische und andere Ansätze unterstützen und Informationssysteme verbessern. Auch eine “nachhaltigen Weidehaltung” habe eine positive Wirkung heißt es in dem Kommuniqué.

Die Delegationen betonten außerdem die Klimaschutzwirkung gesunder Böden. So wollen die Länder die Humusschicht in Böden erhalten und aufbauen, um CO2 aus der Atmosphäre im Boden zu binden – eine Praxis, die auch als Carbon Farming bezeichnet wird.

Mit seinem Fokus auf Bodengesundheit und Kohlenstoffsenken stimmt das Kommuniqué mit zentralen Prioritäten Deutschlands und der EU für die kommenden Jahre überein.

Erstes EU-weites Gesetz zur Bodengesundheit: Böden erhalten den gleichen Rechtsstatus wie Luft und Wasser

Die Bodenstrategie der Europäischen Union hat Pläne für ein Bodengesundheitsgesetz bis 2023 skizziert, um den Boden auf die gleiche rechtliche Grundlage wie Luft und Wasser zu stellen

Die Europäische Kommission hatte kürzlich eine Bodenstrategie vorgelegt, die einen übergreifenden politischen Rahmen für den Schutz landwirtschaftlich genutzter Böden bieten soll. Bis 2023 will die EU ein Gesetz auf den Weg bringen, mit dem Boden erstmals den gleichen Rechts- und Schutzstatus wie Luft und Wasser erhalten soll.

In einem Papier zu nachhaltigen Kohlenstoffkreisläufen, das im Dezember veröffentlicht wurde, stellt die Kommission außerdem die Einführung eines Systems für die Zertifizierung und Entlohnung von Kohlenstoffsenken in der Landwirtschaft in Aussicht.

Aufseiten der Mitgliedstaaten hat der französische Agrarminister das Thema einer der Prioritäten für seine Präsidentschaft im Agrarrat gemacht und treibt das Thema dort voran. Auch Özdemir hat das Potenzial des Carbon Farming seit seinem Amtsantritt immer wieder betont.

Internationaler Handel

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski, der ebenfalls an der Konferenz teilnahm, zeigte sich erfreut über die Ergebnisse und betonte die Bedeutung von multilateraler Zusammenarbeit und internationalem Handel für die globale Ernährung.

“Wir müssen uns weiterhin für ein regelbasiertes, multilaterales Handelssystem weltweit einsetzen”, rief er die teilnehmenden Staaten auf. Vor allem die Welthandelsorganisation (WTO) spiele dabei eine besondere Rolle.

EU-Länder drücken beim Carbon Farming aufs Gas

Die Mitgliedstaaten der EU wollen Gespräche über Kohlenstoffbindung in der Landwirtschaft unter der französischen EU-Ratspräsidentschaft stärker vorantreiben. Ein Legislativvorschlag der Kommission wird bis Ende des Jahres erwartet.

Auf EU-Ebene wird die Rolle internationaler Märkte derzeit vor allem in Bezug auf die Frage diskutiert, wie die Union ihre Nachhaltigkeitsziele im Landwirtschafts- und Ernährungsbereich umsetzen kann, ohne dabei die Abwanderung der Produktion in Länder mit niedrigeren Standards zu riskieren.

So will Frankreich während seiner Ratspräsidentschaft einen Schwerpunkt auf sogenannte “Spiegelklauseln” legen, mit denen europäische Rechtsnormen auch auf importierte Lebensmittel übertragen werden sollen.

Gleichzeitig könnten internationale Abkommen wie das am Freitag beschlossene Kommuniqué dazu beitragen, die Ansprüche an die landwirtschaftliche Produktion über Ländergrenzen hinweg zu anzupassen.

“Wir müssen jetzt handeln – und zwar im globalen Schulterschluss”, betonte Özdemir. Obwohl es kein Patentrezept gebe, dass für alle Länder passend sei, sei Bodenschutz ein „globales Anliegen“, so der Minister.

Konkrete Zielvorgaben oder die Verpflichtung zur Umsetzung bestimmter Maßnahmen enthält das verabschiedete Papier allerdings nicht.

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