14 Städte unterzeichnen Erklärung für umweltfreundliche Lebensmittelversorgung

Vertreter der C40-Gruppe von Städten, die diese Woche zum Thema Umweltschutz in Kopenhagen zusammenkommen. [Lieselotte abroe/ epa]

Vierzehn Städte haben heute angekündigt, in Zukunft besonders auf eine nachhaltige und gesunde Lebensmittelversorgung in ihren Städten achten zu wollen. Sie wollen auf diese Weise 60 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Lebensmittelbereich einsparen.

Auf dem C40-Klimatreffen in Kopenhagen hat heute am 10. Oktober eine Allianz von Städten eine Erklärung verabschiedet, sich für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung ihrer Bewohner einzusetzen. Seitens der EU wollen sich Barcelona, Kopenhagen, London, Milan, Paris und Stockholm in Zukunft dazu verpflichten, bei der öffentlichen Lebensmittelversorgung auf gesunde und umweltfreundliche Produkte zu achten, die einen möglichst geringen CO2-Abdruck haben, indem sie zum Beispiel lokal und regional produziert sind und Plastikverpackungen minimieren. Außerdem soll die Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50 Prozent im Vergleich zu 2015 reduziert werden.

Denn sollte sich an der derzeitigen Produktion und den Ernährungsgewohnheiten nichts ändern, könnten die Emissionen aus der Lebensmittelproduktion bis 2050 um 40 Prozent steigern. Das Ziel sei, „nachhaltiges, lokales und organisches Essen zur einfachen Alternative“ zu machen, so die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo.

23 Millionen Menschen erkranken jährlich durch belastete Lebensmittel in der EU

Trotz einer Kontrollnetze gelangen in der EU immer wieder mit Erregern belastete Lebensmittel in den Handel. Verbraucherschützer fordern daher mehr Transparenz der entdeckten Fälle und ein Umdenken, was als „ungesund“ gilt.

Stockholm kauft jedes Jahr 150.000 Tonnen Nahrungsmittel

Lebensmittel sind eine der größten Quellen von konsumbedingten Treibhausgasen in Städten. Da weltweit immer Menschen in die Stadt ziehen, spielen sie eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden geschätzt etwa 80 Prozent aller Lebensmittel in Städten konsumiert. Daher sei die Bürgermeister in der Verantwortung zu Handeln, so Stockholms Bürgermeisterin Anna König Jerlmyr: “In Stockholm servieren wir über 160.000 Schülern in Vorschulen und Schulen täglich Essen, außerdem kaufen wir jedes Jahr über 150 Millionen Tonnen Lebensmittel ein. Das gibt uns eine großartige Möglichkeit, mit gutem Beispiel voran zu gehen“.

Die Produktion, der Transport und die Lagerung von Nahrungsmitteln haben einen erheblichen Anteil an den weltweiten Klimaschäden. Das Landwirtschaftsministerium gibt an, das von den über neun Tonnen CO2, die jährlich auf eine Person in Deutschland entfallen, die Ernährung mit etwa 1,75 Tonnen zu Buche schlägt. Anfang dieses Jahres kam ein internationales Forscherteam sogar zu dem Schluss, dass allein Lebensmittel einen den CO2-Abdruck von neun Tonnen pro Person hinterlassen, wenn die Folgen der Landnutzung zu deren Abbau mit einbezogen werden. Dabei gibt es große Unterschiede bei Lebensmitteln. So entfallen auf ein Kilo frisches Gemüse in der Produktion etwa 130 Gramm CO2, bei einem Kilo ökologischem Rindfleisch sind es dagegen über 11.000 Gramm.

Bevölkerungszuwachs: Jedes Jahr ein "neues Deutschland"

Die Düngemittelindustrie hat betont, dass der Düngemitteleinsatz in ganz Europa optimiert und die Produktion verbessert werden müsse.

Um die CO2-Emissionen in ihren Städten zu senken, soll die öffentliche Lebensmittelversorgung nach dem Beschluss der 14 Bürgermeister also weniger tierische Produkte enthalten. Nicht mehr als 16 Kilogramm Fleisch und weniger als 90 Kilogramm Milchprodukte pro Kopf gelten demnach als jährliche Grenze für nachhaltige Ernährung.

Gleichzeitig muss die Lebensmittelversorgung weltweit bis 2050 um 70 Prozent gesteigert werden, um alle dann lebenden Menschen zu versorgen, gibt die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) an.

Neben ihrem Einfluss auf die Umwelt ist gesunde Ernährung einer der wichtigsten Gesundheitsfaktoren: 30 Prozent der globalen Krankheitslast und zwei Fünftel aller weltweiten Todesfälle gehen auf ungesunde Ernährung und fehlende Bewegung zurück.

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