Vytenis Andriukaitis: Neue Pflanzenzüchtungstechniken brauchen neue Rahmenbedingungen

Andriukaitis bestand darauf, dass Europa auf die Wissenschaft hören sollte, sonst "hat es keine Chance auf eine nachhaltige Landwirtschaft und den Erhalt der biologischen Vielfalt". [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

This article is part of our special report 2020: Die Digitalisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Die „neuen Pflanzenzüchtungstechniken“ brauchen eine neue EU-Gesetzgebung, die die neuesten fortschrittlichen Technologien berücksichtigt, sagt der EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis gegenüber EURACTIV.com. Er fügte hinzu, dass es zu viel Manipulation und „Angstmacherei“ in diesem Bereich gebe.

„Aus meiner Sicht brauchen wir einen neuen rechtlichen Rahmen für diese neuen Techniken“, sagte Andriukaitis und fügte hinzu, dass sie von der neuen Europäischen Kommission nach den EU-Wahlen im Mai geregelt werden sollten.

Neue Pflanzenzüchtungstechniken, die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden, ermöglichen die Entwicklung neuer Pflanzensorten durch Modifikation der DNA der Samen und Pflanzenzellen.

Im Juli 2018 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass Organismen, die durch Mutagenese oder Genom-Editierung aus der Pflanzenzucht gewonnen werden, genetisch veränderte Organismen (GVO) sind und grundsätzlich unter die GVO-Richtlinie fallen sollten.

Die Entscheidung war zwar ein Sieg für Umweltschützer, hat aber die Branche schockiert. Der EU-Agrarkommissar Phil Hogan erklärte anschließend gegenüber EURACTIV, dass er von dem Urteil „überrascht“ sei.

Umwelt-NGOs betonten, dass das Urteil verhindere, dass „versteckte GVO“ durch eine Hintertür in die EU gelangen könnten. Die EU-Mitgliedstaaten sind nach wie vor verwirrt über das Thema und die EU-Exekutive prüft nun die möglichen nächsten Schritte.

Andriukaitis sagte, dass der EuGH aufgefordert worden sei, ein Gesetz [Gentechnikgesetzgebung] auszuwerten, das vor 20 Jahren verabschiedet wurde und sich auf alte Techniken bezog, ohne den technologischen Fortschritt in diesem Bereich zu berücksichtigen.

„Wir untersuchen derzeit das Urteil und diskutieren mit den Mitgliedstaaten über dessen Umsetzung“, sagte er.

Andriukaitis fügte hinzu, dass eine umfassende öffentliche Debatte über das Thema notwendig sei, da es höchste Zeit sei, dass Europa neue Pflanzenzüchtungstechniken destigmatisiert.

Der EU-Kommissar wies auch das Argument zurück, dass multinationale Unternehmen hinter diesen Techniken stehen, und nannte das Beispiel einiger armer bangladeschischer Bauern, die diese Techniken nutzten und es geschafft haben, ihre Familien selbstständig und ohne den Einsatz von Pestiziden zu ernähren.

Er wies darauf hin, dass sich die öffentliche Meinung auf die Wissenschaft verlassen und nicht mehr von „speziellen Akteuren“ manipuliert werden sollte.

„Die Manipulation der öffentlichen Meinung ist ein sehr gefährliches Thema… Das Verständnis für solche Themen ist sehr gering, aber die Angstmacherei in der EU ist dennoch sehr verbreitet“, fügte der EU-Gesundheitskommissar hinzu.

Er kommentierte auch die GVO, die in Europa verboten sind.

„Bitte sagen Sie mir, wie viele Menschen sind an den Folgen von GVO gestorben? Haben Sie Statistiken? Wie viele Menschen starben, weil sie Fleisch essen, das mit gentechnisch verändertem Futter hergestellt wurde? Niemand und einige manipulieren trotzdem“, sagte der EU-Kommissar.

Andriukaitis bestand darauf, dass Europa auf die Wissenschaft hören sollte, sonst „hat es keine Chance auf eine nachhaltige Landwirtschaft und den Erhalt der biologischen Vielfalt“.

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