Häusling: Keine Grünen-Wende beim Thema Geneditierung

Unter anderem wird im Papier betont, die Gentechnik könne eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Nachhaltigkeit spielen. [SHUTTERSTOCK]

In einem Papier haben sich eine Gruppe deutscher Grünen-Bundestagsabgeordneter und eine EU-Parlamentarierin unerwartet für den Einsatz von Geneditierungstechnologien ausgesprochen. EURACTIV.com unterhielt sich daraufhin mit dem EU-Parlamentarier Martin Häusling, Landwirtschaftssprecher der Grünen/EFA im EU-Parlament, der betonte, dass sich für die Partei, die sich zuvor stets vehement gegen derartige Technologien ausgesprochen hatte, nichts geändert habe.

Das Papier, das am 10. Juni von einem Teil der deutschen Grünen veröffentlicht wurde, zeigt deren Unterstützung für Gentechnik. Unter anderem wird betont, diese könne eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Nachhaltigkeit spielen. Außerdem wird eine Überprüfung der EU-Regelungen zur Gentechnik gefordert.

Es ist wohl das erste Mal, dass eine derart von der bisherigen Partei-Linie abweichende Position aus den Reihen der Grünen kommt. Es wirft die Frage auf, ob sich das Blatt in der Partei gerade wendet.

Für Häusling ist die Sache klar: Er dementierte dies und betonte, es gebe keine neue „Dynamik für neue genetisch veränderte Organismen (GVO)“.

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Häusling räumte zwar ein, dass es Debatten gegeben habe und dass es „nur fair“ sei, diese Technologie aus verschiedenen Blickwinkeln zu bewerten. Doch die „große Mehrheit der Grünen in Deutschland – und Europa – ist zweifellos gegen die Deregulierung neuer GVO.“

Auch innerhalb der jungen Generation zeige nur eine Minderheit Interesse daran, fügte er hinzu und verwies auf den Bundessprecher der Grünen Jugend, der vergangene Woche in einem Webinar unterstrichen habe, dass es „im ureigensten Interesse der jungen Generation liegt, nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln, um die natürlichen Ressourcen intakt und vielfältig zu erhalten“.

Regulierung

Im besagten Papier wird ein „moderner“ Ansatz für die Regulierung der Gentechnik gefordert.

Häusling hält dagegen, die derzeitigen Regelungen seien angemessen. Er erklärt: „Der europäische Versuch, Risiken und Nutzen von Technologien, Stoffgruppen oder Produkten in einem transparenten Verfahren abzuwägen – was gesetzlich im Vorsorgeprinzip festgeschrieben ist – statt einfach nur die Interessen wirtschaftlich mächtiger Konzerne in den Vordergrund zu stellen, kann im globalen Vergleich aus ökologischer und sozialer Sicht als hoch innovativ und modern angesehen werden.“

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 Änderungen in den EU-Regeln notwendig

Außerdem erinnern die Bundestags- und EU-Parlamentsabgeordneten in ihrem Papier, dass die indirekte Mutagenese – eine Form der genetischen Veränderung des Erbguts einer Pflanze durch Einwirkung verschiedener physikalischer, chemischer und biologischer Wirkstoffe – in der EU erlaubt ist, und fragen, warum dies nicht auch für die gezielte Mutagenese gelten sollte.

Darauf angesprochen, antwortete Häusling, dass die indirekte Mutagenese zu Recht vom Verbot ausgenommen sei, weil sie „zum Zeitpunkt der Verordnung lange Zeit unter Beobachtung gestanden hatte und daher als sicherer galt, weil Zeit zur Feststellung schädlicher Wirkungen vorhanden war“.

Das Papier weist des Weiteren auf Widersprüchlichkeiten in Bezug auf sogenannte „rote“ Technologien hin, die für Gesundheitszwecke eingesetzt werden. So werde die Gentechnik zwar routinemäßig in der Medizin eingesetzt, in der Landwirtschaft sei sie jedoch weiterhin verboten.

Zur Kritik, dass die Haltung der EU in dieser Hinsicht inkonsistent sei, sagte Häusling, es sei kein Zeichen von Inkonsistenz, verschiedene Risiken angemessen zu regulieren.

Der Hauptunterschied zwischen „roten“ Technologien und gentechnisch veränderten Pflanzen, die auf dem Feld angebaut werden, bestehe darin, dass erstere Nutzung auf die Patienten beschränkt bleibt und somit nicht „in die Natur entweicht“, wie es auf den Feldern der Fall sein könnte.

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