Strukturveränderungen in Deutschland durch steigende Preise für landwirtschaftliche Nutzflächen

Die deutsche Landwirtschaft  ist nach wie vor von Familienbetrieben geprägt, insbesondere in den neuen Bundesländern.  Diese sehen sich mit einer schnell wachsenden Agrarindustrie konfrontiert – die nach immer leistungsfähigeren und wirtschaftlich effizienteren Produktionsmethoden strebt.

Was allen gemein ist: der Bedarf an fruchtbaren Boden. Wie überall in der Welt ist diese Ressource begrenzt, was auch in Deutschland zu spürbaren Konsequenzen führt: Der Preis für landwirtschaftliche Nutzflächen steigt.

Trotz einer stark gestiegenen Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse  nimmt die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft  kontinuierlich ab. Gründe dafür liegen unter anderem im Anstieg der Bodenpreise für landwirtschaftliche Nutzflächen.

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik verteuerten sich landwirtschaftliche Nutzflächen 2015 gegenüber dem Vorjahr um fast 1.500 € oder 8,2 % auf 19.578 €/ha.

Im Jahr 2013 bewirtschafteten in Deutschland 285 000 Betriebe eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von knapp 16,7 Millionen Hektar. Damit die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe gegenüber der Landwirtschaftszählung im Jahr 2010 um etwa 5 % zurückgegangen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb hingegen annähernd gleich. Daher stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von 56 Hektar auf 59 Hektar je Betrieb.

 Ursachen des starken Preisanstiegs landwirtschaftlicher Grundstücke:

  • Landwirtschaftliche Nutzflächen sind eine begrenzte Ressource, die durch Siedlungsbau, Verkehr und Naturschutz weiter eingeschränkt wird und einer zunehmenden Nachfrage gegenübersteht
  • Ungleiche staatliche Förderung von Bodengüte und Nutzungsstrukturen, wie z.B. die höheren EU-Direktzahlungen für Ackerland als für Grünland
  • Verstärktes Interesse kleinerer Betriebe durch Ankauf von Nutzflächen zu expandieren
  • Nicht-landwirtschaftliche Investoren engagieren sich verstärkt beim Ankauf vormals landwirtschaftlich genutzter Flächen

 Vor allem in den neuen Bundesländern macht  sich eine größere Preisdynamik bemerkbar. Auch, weil der Bodenpreis in diesen Regionen relativ niedrig zum übrigen Bundesgebiet.  Dort besteht die Besonderheit, dass der Immobiliendienstleister Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) im Auftrag des Bundes bis 2025 landwirtschaftlichen Flächen verkauft und das bisher deutlich über den durchschnittlichen Bodenpreis in Ostdeutschland.

Die erhöhten Investitionskosten für den Erwerb von landwirtschaftlichen Nutzflächen führen zu Strukturveränderungen in der deutschen Landwirtschaft.

Auswirkungen des Preisanstieges landwirtschaftlicher Nutzflächen:

  1. Hohe Bodenpreise erschweren den Flächenerwerb für expandierende Betriebe
  2. Verstärkter Anpassungsdruck auf die landwirtschaftliche Bodennutzung
  3. Weniger produktive Landwirte und Öko-Bauern werden zur Produktionsaufgabe gedrängt
  4. Hohe Bodenpreise bieten hohe Investionssicherheit und sind vor allem für Großbetriebe interessant

 

Haftungsausschluss: Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Quellen: BMEL, DIW, Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut

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