Wissenschaftler: Annahmen des UN-Klimarats bedenklich [DE]

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Ein zu starker Fokus auf die Ziele und Zeitpläne sowie die Annahme, dass kohlenstoffarme Technologien spontan entstünden, behinderten die Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel, so eine Gruppe nordamerikanischer Wissenschaftler.

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) mache eine gewagte Annahme, wenn er sage, dass spontane Fortschritte bei technologischen Innovationen am meisten dazu beitragen würden, um künftig Emissionssenkungen zu erreichen. Stattdessen solle er sich auf die Bedingungen konzentrieren, die notwendig und ausreichend seien, damit diese Innovationen stattfinden könnten, sagte Tom Wigley, ein Wissenschaftler des National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado.

Wigley und zwei weitere Wissenschaftler – Roger Pielke Jr. von der University of Colorado und Christopher Green von der McGill University – sagen, dass der IPCC die Entwicklung der zur Senkung der weltweiten CO2-Emissionen notwendigen Technologien unterschätzt habe, um somit die möglicherweise katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Weiterhin sei die Annahme des IPCC, dass der Großteil der Herausforderung „Senkung der künftigen Emissionen“ ohne eine Klimapolitik von statten gehen werde, im besten Falle „optimistisch“ und im schlechtesten Falle „unerreichbar“. Sie sagen, dass die technologische Herausforderung, die mit einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen einhergehe, unterschätzt würde. 

Die Kritik der Wissenschaftler erschien in einem jüngst veröffentlichten Kommentar in der Zeitschrift Nature.

Die EU steht selbst vor einer Reihe von Herausforderungen, was die Förderung und die Finanzierung kohlenstoffarmer Technologien anbetrifft. Sie hat eine Mitteilung über die Finanzierung ihres Strategieplans für Energietechnologien (SET-Plan) bis Ende 2008 aufgeschoben.

Technologien für Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) stehen im Mittelpunkt der Diskussionen. In energiepolitischen Kreisen scheint man sich darüber einig, dass fossile Brennstoffe, und insbesondere Kohle, eine entscheidende Rolle im Energiemix Europas spielen werden.

Die Technologien sind jedoch sehr teuer und die öffentlichen Behörden scheuen davor zurück, die Vorkosten zu decken, die entstehen, um die Entwicklung der CCS anzuregen. Der Privatsektor sagt unterdessen, auch wenn er die Marktgrundlage für neue Technologien erweitern könne, sollte von großen Konzernen nicht erwartet werden, Vorlaufkosten zu decken. Er fordert größere Anreize durch öffentliche Gelder.

Wiglex stimmt dem zu und sagt, die Industrie sei zwar sehr gut darin, Technologien zu entwickeln. Wenn man sich aber die wichtigsten Innovationen des 20. Jahrhunderts anschaue, seien Anstöße und Neuerungen in fast allen Fällen durch Forschungsausgaben seitens der Regierungen entstanden. Sobald die Konzepte einmal eingeführt worden seien, komme die Industrie und mache sie zu Geld. Sie sei jedoch nicht gut darin, den Stein ins Rollen zu bringen.

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