Es gibt neue Hinweise darauf, dass bis zu zwei Drittel der Projekte, die im Rahmen des Mechanismus für eine saubere Entwicklung (Clean-Development-Mechanismus; CDM) der Vereinten Nationen finanziert werden, nicht bei der Senkung von Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden sollten.
Es gebe mehr und mehr Beweise, dass der Mechanismus für eine saubere Entwicklung unter dem Vorwand der Förderung der nachhaltigen Entwicklung die Treibhausgasemissionen erhöhe, sagt die amerikanische NGO International Rivers, die weltweit CDM-Projekte beobachtet.
Die NGO sagt, dass die meisten CDM-Projekte nicht das Kriterium der ‚Komplementarität’ erfüllten, das beinhaltet, dass Projekte in den Entwicklungsländern gezielt entwickelt werden müssen, um Treibhausgasemissionen in Industrienationen auszugleichen, bevor sie finanzielle Unterstützung erhalten könnten.
Chemie-, Kohle- und Ölkonzerne und die Bauherren von Dämmen erhielten Millionen durch den CDM, in vielen Fällen für Projekte, die sie sowie durchgeführt hätten, sagt International Rivers.
Die Behauptung, dass viele Projekte nicht dem Kriterium der ‚Komplementarität’ gerecht würden, wird in einer Studie von April 2008 aufgegriffen, die von zwei Professoren der Universität Stanford verfasst wurde. Ein Großteil des gegenwärtigen CDM-Marktes reflektiere nicht die tatsächlichen Emissionssenkungen, und diese Entwicklung werde sich vermutlich verschlimmern, so die Studie.
Die Mitgliedstaaten und Unternehmen aus der EU können durch den CDM „Ausgleichsgutschriften“ für Treibhausgasemissionen erhalten. EU-Politiker diskutieren derzeit über den Umfang, in dem der Mechanismus im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) nach 2012 genutzt werden sollte. Unterdessen gibt es Bedenken, dass es das EU-ETS untergraben könnte, wenn man es energieintensiven Industriezweigen erlauben würde, eine große Zahl an CDM-Zertifikaten zu erwerben (EURACTIV vom 14. Juni 2007).
Inzwischen hat sich ein weltweiter „Kohlenstoffmarkt“ entwickelt, der mehr als 40 Milliarden Euro wert ist. Prognosen gehen von einem starken Wachstum aus, das auf der Erwartung gründet, dass der Mechanismus für saubere Entwicklung, das EU-Emissionshandelssystem und der künftige US-amerikanische Kohlenstoffmarkt zu einem Anstieg des Handels mit Emissionszertifikaten führen werden (EURACTIV vom 19. Februar 2008).
Michael Wara und David Victor, die Verfasser der Stanford-Studie, sagen, dass es möglich sei, die Probleme des CDM zu lösen, und zwar durch eine genauere regulative Überwachung und verbesserte Überprüfungssysteme.
Dieser Ansatz bedeute ebenfalls, dass der CDM-Markt sich verkleinern und die Verfügbarkeit von Emissionszertifikaten vermutlich noch weniger prognostizierbar sein werde, so die Schlussfolgerung der Studie.

