Bis Mitte des Jahrhunderts müssten 50% des weltweiten Stromverbrauchs mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen abgedeckt werden, um die folgenschwersten Auswirkungen des Klimawandels abwenden zu können, geht aus einem neuen Bericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervor.
Eines der Hauptelemente für die tatsächliche Einleitung einer Revolution in der Energietechnologie sei die Entwicklung eines guten Mixes erneuerbarer Energieträger bis zu ihrer vollständigen Marktintegration, erklärte Exekutivdirektor der IEA Nobuo Tanaka am 29. September 2008 in Berlin bei der Präsentation des Berichts, der eine Übersicht an Politikprogrammen zur Förderung erneuerbarer Energie in 35 Ländern, darunter die USA, Deutschland, Großbritannien und China, enthält.
Nur eine begrenzte Zahl von Ländern hätten wirkungsvolle Förderprogramme für erneuerbare Energien umgesetzt und es gebe noch viel Potenzial für Verbesserungen, meinte Tanaka.
Energieversorger, die Strom aus erneuerbaren Energien anbieten, haben der IEA zufolge in vielen Ländern Schwierigkeiten, Zugang zu den Stromnetzen zu erhalten. Auch gebe es nach wie vor verwaltungstechnische Hürden und viele Märkte seien schlecht aufgestellt. Auch fehlende Informationen und mangelhafte Bildung sowie eine geringe Akzeptanz in der Öffentlichkeit wurden als Hindernisse genannt.
Die Regierungen müssten dringend handeln, meinte Tanaka und verwies auf die Notwendigkeit, eine Integration auf dem Massenmarkt in einem berechenbaren, transparenten und stabilen politischen Rahmen zu vollziehen.
Der IEA-Studie zufolge sind die wirkungsvollsten Politikprogramme für erneuerbare Energien in Deutschland, Spanien, Dänemark und Portugal im Bereich der Windenergie und in China für seine Entwicklung kostengünstiger solarbetriebener Heizsysteme zu finden.
Großbritannien hinkt auf der Liste stark hinterher und belegt aufgrund seines teuren aber relativ wirkungslosen Programms für Ökostrom nur den 31. Platz. Das Land wurde von der Presse beschuldigt, zu versuchen, die ehrgeizigen EU-Pläne zur Förderung erneuerbarer Energien zu verwässern.
Die EU wird ihr eigenes politisches Rahmenprogramm für die Förderung erneuerbarer Energien voraussichtlich bis Ende des Jahres vollenden. Der Vorschlag zu erneuerbaren Energien wurde am 23. Januar 2008 zusammen mit einem breiter angelegten Energie- und Klimapaket vorgestellt. In dem Vorschlag wird angestrebt, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien auf 20% zu erhöhen. Individuelle Ziele für erneuerbare Energien wurden für die einzelnen EU-Mitgliedstaaten angesetzt (EURACTIV LinksDossier).
Ein gesondertes Projekt zur weiteren Liberalisierung des europäischen Energiemarktes, das im September 2007 vorgeschlagen wurde, ist in Teilen ebenfalls darauf ausgelegt, den Netzzugang zu verbessern und die Marktentwicklung der erneuerbaren Energien zu fördern (EURACTIV LinksDossier). Allerdings ist zu erwarten, dass das Parlament und der Rat sich über die Details des Plans nicht einig sein werden, insbesondere in Bezug auf die Frage, wie mit den ehemals staatlichen Energieriesen in Frankreich und Deutschland verfahren werden soll, denen vorgeworfen wird, den Energiemarkt zum Nachteil kleinerer Erzeuger zu beherrschen.
Die IEA hatte die EU kürzlich aufgefordert, ihre ehrgeizigen Pläne für die Liberalisierung des Energiemarkts voranzutreiben, unter anderem als Möglichkeit, erneuerbare Energien zu fördern. Die Pariser Agentur ruft die EU außerdem dazu auf, die finanzielle Unterstützung der Forschung im Bereich nicht-nuklearer, sauberer Technologien „deutlich“ zu erhöhen (EURACTIV 5. September 2008).

