IEA: Neues sauberes Energieabkommen gefordert [DE]

Nobuo_Tanaka_02.jpg

Nobuo Tanaka, der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur, rief die Regierungen weltweit dazu auf sicherzustellen, dass Projekte die wirtschaftliche Anreize schaffen auch darauf abzielen sollten, Technologien mit niedrigem CO2-Verbrauch zu fördern. Er sprach mit EURACTIV in einem exklusiven Interview vor Beginn des Europäischen Wirtschaftsgipfels, der heute (26. März 2009) in Brüssel eröffnet wird. 

In einer Zeit, wo die Finanzkrise die Finanzierung von Energieprojekten erschwert, rief Tanaka Regierungen weltweit dazu auf, nicht die Energie –und Klimakrise zu vergessen, wenn sie sich über wirtschaftliche Rettungspläne beraten würden.

Tanaka sprach vor dem G20- Gipfeltreffen in London am 2. April 2009, indem er Regierungen weltweit dazu aufrief, dass die Rettungspläne auch niedrige CO2-Technologien beinhalten sollten. In diesem Zusammenhang rief er zu einem „New Deal“ für saubere Energie auf. 

Tanaka wird auf dem diesjährigen Europäischen Wirtschaftsgipfel  sprechen der am 26. bis 27. März 2009 in der belgischen Hauptstadt stattfinden wird.

Seine Kommentare wiederholen Forderungen von Sozialisten und der Europäischen Kommission, die dazu aufgerufen haben, dass die wirtschaftlichen Rettungspläne auch den Wandel zu einer Wirtschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß beinhalten sollten. In den Vereinigten Staaten rief Präsident Barack Obama während seines Wahlkampfes dazu auf, mehr als fünf Millionen so genannte „grüne Arbeitsplätze“ (Green Collar Jobs) zu schaffen. 

Risiko von Unterinvestitionen

Tanaka befürchtet, dass die Welt vor einer großen Gefahr der Unterinvestitionen in saubere Energien stehe und stattdessen wieder zu schmutzigeren Ressourcen zurückkehren könnte. Reduzierter Zugang zu Kapitalanleihen mache kapitalintensive Projekte wie Nukleartechnologien oder erneuerbare Energien schwieriger zu finanzieren, so der IEA-Chef. Er warnte außerdem davor, dass niedrige Energiepreise fossile Brennstoffe wieder wettbewerbsfähiger machen würden.

Die derzeitige Kreditknappheit in Zusammenhang mit niedrigen Energiepreisen, könne Investitionen in Kohle- und Gasprojekte ermutigen. Dies würde Emissionen in einem Maße verstärken, die man sonst nicht gesehen hätte, so Tanaka.

Eine der größten Gefahren sei, dass die Welt sich auf einen Pfad begeben würde, der wieder zu schmutzigen Energien führen würde und dies auf längere Sicht, da diese Projekte generell eine sehr lange Lebensdauer hätten, indem er darauf hinwies, dass durchschnittliche Kraftwerke gewöhnlich für 60 Jahre gebaut würden. Investitionen, die heute getätigt würden, könnten die Menschheit noch viele Jahre lang verfolgen.

Der IEA-Chef sagte, er glaube die finanziellen Ressourcen weltweit seien ausreichend, um die benötigen 26 Billionen US-Dollar, die bis 2030 investiert werden müssten um die Nachfrage zu decken, aufzubringen seien. Obwohl viel Kapital aus dem Privatsektor kommen würde, werden auch immer viele öffentliche Gelder benötigt. Insbesondere in Projekten die Energie- und Umweltsicherheit zum Vorsatz hätten. 

Tanaka sagte weiterhin, dass er zuversichtlich sei, der Energiesektor könne die benötigten Investitionen aufbringen, da es in der Vergangenheit auch immer möglich gewesen sei.

Trotzdem warnte er, dass dies in der Zukunft nur möglich sei, wenn Finanzierungsmechanismen existieren würden. Kapitalerträge seien hoch und Investitionskonditionen seinen ansprechend.

Die heutige Krise sei anders, als die der Siebziger. Zurzeit sei ein zeitweiliger Überschuss von Erdöl auf dem Mark, aber man solle nicht selbstgefällig sein. Investitionen müssten durch die derzeitige Krise nachhaltig wirken, um erneute Wachstumsnachfragen in der Zukunft vorzugreifen. 

Entwicklungsländer sollten ihren Beitrag erhöhen

Tanaka warnte auch vor Unsicherheiten in den Entwicklungsländern. Nach Schätzungen der IEA müssten hier mehr als die Hälfte aller globalen Energieinvestitionen getätigt werden, um die wachsende Nachfrage zu decken. 

Die Unsicherheit ob Entwicklungsländer in der Lage seien dieses Level von Investitionen zu meistern sei ernorm, insbesondere für Afrika und Indien.

In den Entwicklungsländern, so Tanaka, müsse Energiegewinnung weit über die derzeitigen Kapazitäten steigen, sollten die Vorsätze für wirtschaftliches Wachstum sowie umweltpolitische und sozialpolitische Entwicklungsziele erreicht werden. 

Er erwähnte ebenfalls, dass viele Energieprojekte in Entwicklungsländern Staatseigentum wären. Investitionen müssen daher von den Regierungen in Form von multilateralen Darlehen fließen. 

Außerdem würde das größte Wachstum des Energiebedarfs in den kommenden Jahrzehnten in Ländern geschehen, die nicht Mitglied in der IEA seien, wie zum Beispiel China. Er sagte, dass die Industrienationen enger mit den Entwicklungsländern zusammen arbeiten sollten und das Thema Energiesicherheit ansprechen müssten.

Auf die Frage, ob der IEA überlegen würde China einzuladen, sagte Tanaka, dass aufgrund von Chinas wachsender Rolle die Behörde sehr daran interessiert sei, die Arbeit fortzusetzen und weitere Kooperationen einzugehen, wenn die Bedingungen es zulassen würden.

Die erste dieser Bedingungen sei es, dass China selber Mitglied der IEA werden wolle, so Tanaka.

Für das komplette Interview, klicken Sie bitte hier

Subscribe to our newsletters

Subscribe