IEA: Bisher keine Verlagerung von CO2-Quellen in der EU [DE]

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Bisher gebe es keine Anzeichen dafür, dass das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) Unternehmen zur Verlagerung ihres Standortes in Länder außerhalb Europas gebracht habe, sagt die Internationale Energieagentur (IEA) in einem Bericht, mit dem die lautstark geäußerten Bedenken einiger Wirtschaftszweige wie der Zement- und Stahlbranche entkräftet werden sollen.

Bei der Untersuchung der Anfälligkeit der Schwerindustrie für außereuropäische Konkurrenz kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass die erste Phase des EU-ETS, von 2005 bis 2007, keine großen Auswirkungen auf die untersuchten Industriezweige gehabt habe. Analysen der Stahl-, Zement-, Aluminium- und Raffinerieindustrie hätten keine unmittelbar ersichtlichen Veränderungen bei den Handelsflüssen und den Produktionsmustern offenbart. 

Viele Industriezweige sagen, dass das EU-ETS, das ab dem Jahr 2013 strengere Kriterien zur Emissionsreduktion anwenden wird, die Herstellungskosten deutlich in die Höhe treiben werde. Steigende Kosten würden dann dazu führen, dass die Hersteller von energieintensiven Gütern in der EU ihre Produktion und Emissionsquellen in Drittländer auslagern müssten, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Die Ergebnisse des Papers versuchen die Bedenken einiger Sektoren bezüglich des Verlustes eines Teils ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch die „Entmystifizierung“ der Ängste vor ungleichmäßig verteilten Verpflichtungen bei der Reduzierung von Emissionen zu zerstreuen. 

Trotzdem warnt IEA-Analystin Julia Reinaud, die Autorin des Berichts, davor, dass die zukünftige Ausgestaltung des EU-ETS diese Ergebnisse für einige Unternehmen der Schwerindustrie verändern könnte, da Europa für die Zeit nach 2012 ehrgeizigere Ziele zur Reduzierung von Emissionen geplant habe. 

Zusätzlich zur Auslagerung ihrer Produktion in Drittländer, in denen die Produktion und die Verursachung von Emissionen billiger sind, könnten europäische Unternehmen versuchen, CO2-intensive, halbfertige Produkte aus Regionen ohne CO2-Beschränkungen zu importieren. Langfristig könnte das System dazu führen, dass Investitionen und damit die Produktionskapazitäten reduziert werden. Dadurch könnten Unternehmen umso mehr gezwungen werden ihre Produktion und Emissionsquellen in Drittländer auszulagern, betont Reinaud. 

Der Bericht stellt fest, dass die großzügige Vergabe kostenloser Emissionsrechte sowie der allgemeine Anstieg relevanter Produktpreise den Umstand erklären könnten, dass keine deutlichen Auswirkungen in der EU bemerkbar sind. Er warnt außerdem davor, die Vorhersagen zur Produktionsauslagerung einiger Sektoren seien „ungenau und sehr unsicher“. Für andere Sektoren gebe es überhaupt keine Vorhersagen. 

Trotzdem sagt der Bericht, die Befürchtungen, die Emissionen könnten weltweit aufgrund der Produktionsauslagerungen infolge der Einführung von Emissionsbeschränkungen in einem Land oder einer Region ansteigen, seien übertrieben. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Auslagerung von Produktion und Emissionsquellen die Bemühungen zur Reduzierung von Emissionen in einem Wirtschaftszweig vollständig zunichte machen könnte, meint Reinaud.

Der Bericht überprüft außerdem mögliche Maßnahmen zur Minderung der Produktionsauslagerung und kommt zum Schluss, dass die Politik spezifischen Sektoren oder Untersektoren angepasst werden müsse, da diese unterschiedliche Maßnahmen erforderten. Die Handelsintensität sowie die Möglichkeit, steigende Kosten auf die Verbraucher umzulegen, seien bei der Risikobewertung wichtig. Allerdings sei die Unterscheidung von Auswirkungen der Klimapolitik und von anderen Faktoren wie dem Wirtschaftswachstum weiterhin die größte Herausforderung, schließt der Bericht.

Bei der aktuellen Überarbeitung des EU-ETS wird vorgeschlagen, Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 2005 um 21% zu senken und das System auf neue Sektoren auszuweiten. Das wird von einigen Industriesektoren vehement abgelehnt. Sie argumentieren, dass sie sich ohne Schutzmaßnahmen gezwungen sehen könnten, ihre Produktion in Länder auszulagern, in denen die Umweltvorschriften weniger streng sind (siehe EURACTIV LinksDossier).

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