Finanzierung von CO2-Abscheidung: EU nähert sich Einigung [DE]

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Das Europäische Parlament nähert sich einer Lösung, um neu entstehende Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2-Emissionen stark verschmutzender Kohlekraftwerke zu finanzieren. Ein Abkommen könnte die führende Rolle der EU im Kampf gegen die globale Erwärmung stärken. 

Chris Davies, der für das Projekt im Parlament verantwortliche britische Europaabgeordnete und Berichterstatter, schlägt vor, 10 Milliarden Euro an Zuschüssen, die im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems enthalten sind, für die Finanzierung der Großprojekte zu verwenden.

Die Zuschüsse würden den Reserven für neue Marktteilnehmer aus dem EU-ETS entnommen, einem besonderen Fonds an Emissionsrechten, die für neue Anlagen, die dem System zugeführt werden sollen, vorgesehen sind.

Die Rede sei von Subventionen im Wert von etwa 10 Milliarden Euro, erklärte Davies am Montag (22. September 2008) bei einer Konferenz, bei der die Unternehmensberatung McKinsey eine neue Studie zu den Kostenvorteilen von CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) vorstellte. Die Emissionsrechte würden kohlebefeuerten Kraftwerken mit einer Leistung von über 300 Megawatt zur Verfügung gestellt, meinte er.

Über den Vorschlag, der Änderungen des Artikels 32 des Entwurfs der Richtlinie betrifft, wird am 7. Oktober im Umweltausschuss abgestimmt.

Einer der Vorteile des Systems sei, dass die Obergrenze für CO2-Emissionen, die vorher für die 27 EU-Mitgliedstaaten festgelegt wurde, nicht überschritten werde, erklärte Davies. Damit sei sichergestellt, dass die Grenzwerte eingehalten würden.

Er wies aber darauf hin, dass die bewilligten Mittel nur dann zur Verfügung gestellt würden, wenn das CO2 tatsächlich untertage eingelagert werde. Mit den Geldern solle nicht nur die Technologie unterstützt, sondern für eine tatsächliche Vermeidung von CO2-Emissionen aufgewendet werden, meinte Davies und betonte, es werde keinen EU-Blankoscheck für Vorauszahlungen geben.

Diese Verteilung der Zuschüsse werde wahrscheinlich durch die Europäische Investitionsbank abgewickelt, so Davies. So solle gewährleistet werden, dass die Investitionen aus dem privaten Sektor ordnungsgemäß getätigt würden und dass niemand das System zur Erwirtschaftung unverhoffter Gewinne ausnutze.

Kommission für staatliche Mittel für CCS

Auf der McKinsey-Konferenz erklärte Andris Piebalgs, EU-Energiekommissar, dass die Anschubfinanzierung für bestimmte CCS-Demonstrationsprojekte von den Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt werden solle, da die Europäische Union über kein zusätzliches Budget verfüge, dass sie zu diesem Zwecke beisteuern könnte. Er deutete an, dass die Kommission der Verwendung staatlicher Beihilfen für die Finanzierung von CCS-Kraftwerken durch die Mitgliedstaaten gegenüber aufgeschlossen sei.

2007 hatte sich die EU dazu verpflichtet, bis zu 12 großflächige Demonstrationskraftwerke zu errichten, die zur Produktion von Elektrizität aus Kohle oder Erdgas die CCS-Technologie einsetzen. Seitdem haben sich die Debatten um die Finanzierung der Technologie gedreht, da die Technologie sich noch im Entwicklungsprozess befindet und extrem kostspielig ist.

Unterstützung des Parlaments erwartet, viel Widerstand im Rat

Die Blicke richten sich nun auf das Parlament, dessen Umweltausschuss voraussichtlich am 7. Oktober 2008 über das Vorhaben abstimmen wird. Die Debatte im Europäischen Parlament habe sich von der ursprünglich vorherrschenden Skepsis gelöst, meinte Davies und fügte hinzu, dass er sehr zuversichtlich sei, dass im Ausschuss eine Mehrheit für den Vorschlag zustande kommen werde. Auch die Generaldirektion Umwelt der Kommission, die den Vorschlägen anfangs skeptisch gegenüber gestanden habe, freunde sich nun mit dem Gedanken an, fügte er hinzu.

Allerdings, erklärte Davies, gebe es im Rat derzeit viel Widerstand gegen den Vorschlag. Er hoffe jedoch, dass sich die Meinungen später noch annäherten. Er glaube, sie schauten eher auf das Emissionshandelssystem als auf die Finanzierung der CCS, erklärte Davies.

Großbritannien und die Niederlande unterstützten den Vorschlag, meinte Davies zu EURACTIV. Er hoffe, dass Italien, Spanien und Tschechien ihn ebenfalls unterstützen würden. Deutschland scheine noch unentschlossen zu sein, das hänge davon ab, mit wem er spreche.

Der EU-Kommissar für Energie Andris Piebalgs gab an, er unterstütze den vom Europaabgeordneten Chris Davies vorgebrachten Vorschlag. Er glaube, dass es ein sehr interessanter Vorschlag sei, sagte er und fügte hinzu, dass es noch offen sei, ob der EU-Ministerrat den Vorschlag annehmen werde oder nicht.

Philippe Geiger vom französischen Umweltministerium, der als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft sprach, äußerte sich zurückhaltender. Im Gespräch mit EURACTIV sagte er, einige Mitgliedstaaten würden sich fragen, warum die EU einen speziellen Fördermechanismus für eine bestimmte Technologie und nicht für eine andere, wie die für erneuerbare Energien, verwenden sollte. Das Thema der Finanzierung der CCS sei nur ein Aspekt des Gesetzespakets zu Klimawandel und Energie, das derzeit vom EU-Ministerrat geprüft werde, sagte er. Die Priorität sei, das Paket als Ganzes durchzubringen. 

CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) ist ein Verfahren, bei dem das Treibhausgas aus dem Gasgemisch, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger in Kraftwerken entsteht, abgeschieden und verdichtet wird, bevor es in geologische Formationen oder unter dem Meeresboden gespeichert wird (siehe EURACTIV LinksDossier). 

Die Kommission unterstützt CCS als wichtigen Bestandteil ihrer Bemühungen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Deshalb legte sie am 23. Januar 2008 eine Mitteilung über einen Rechtsrahmen für die Speicherung von CO2 als Teil ihres Energie- und Klimapakets vor (EURACTIV vom 28. Januar 2008). Im März 2007 hatten die Mitgliedstaaten darüber hinaus gefordert, dass bis 2015 10 bis 12 CCS-Demonstrationskraftwerke errichtet und in Betrieb genommen werden sollen.

Die Technologie ist jedoch kostenintensiv und senkt die durchschnittliche Arbeitsleistung von Kraftwerken um bis zu 20%. Weder die Mitgliedstaaten, noch die Kommission oder der private Sektor haben sich bisher um größere Beträge zur Finanzierung bemüht, mit denen die Entwicklung der Demonstrationskraftwerke angekurbelt werden könnte.

  • 7. Oktober 2008: Abstimmung im Umweltausschuss des Parlaments

  • November-Dezember 2008: Erste Lesung im Parlamentsplenum

  • Dezember 2008: Politische Einigung im EU-Ministerrat über das gesamte Paket zu Klimawandel und Energie, CCS eingeschlossen, erwartet

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