Europaabgeordnete warnen: Entwaldung nicht auf Agenda der EU-Klimapolitik [DE]

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Entwaldung wird weithin als ein Hauptgrund für die globale Erwärmung gesehen, da der tropische Regenwald und andere Wälder CO2 aufnehmen und so die Auswirkungen der Emissionen auf das Klima vermindern. EU-Politiker tun sich jedoch bei der Aufstellung von Regeln zum Schutz der Wälder schwer. 

Es sei ein großer Fehler, das Thema Entwaldung im Rahmen des EU-Klimapakets nicht zu behandeln, sagte die schwedische liberale Europaabgeordnete Lena Ek gestern (10. September 2008) bei einem Treffen des Industrieausschusses des Parlaments.

Sie wurde von der irischen Europaabgeordneten der Christdemokraten Avril Doyle unterstützt, die für einen Vorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandelsystem der EU (ETS) verantwortlich ist, der vom Parlament diskutiert werden soll. Europa werde bei internationalen Verhandlungen nicht glaubwürdig auftreten können, wenn es über keinen politischen Rahmen für den Umgang mit dem Thema Entwaldung verfüge, sagte Doyle. Sie möchte, dass das Thema sowohl in das ETS der EU als auch in einen gesonderten Vorschlag zu gemeinsamen Bemühungen integriert wird. Dieser Vorschlag legt genau dar, welche Verpflichtungen die Mitgliedstaaten bei der Reduzierung von CO2-Emissionen auch in solchen Sektoren haben, die nicht vom ETS abgedeckt werden.  

Mechanismen zur Verhinderung der Entwaldung – die Vergabe von ETS- Zertifikaten an Grundbesitzer, wenn diese den darauf befindlichen Baumbestand intakt lassen – waren in den Vorschlägen der Kommission zum Thema Klima, die am 23. Januar 2008 vorgelegt wurden, nicht enthalten. Das lag in den Schwierigkeiten begründet, die mit einer genauen Messung der Emissionen, die durch diese Sektoren verursacht werden, zusammenhängen. 

Das Thema stünde ebenfalls nicht auf der Agenda von Beamten, die in der Generaldirektion Umwelt (GD Umwelt) der Kommission den Vorschlag für das ETS der EU ausarbeiteten, sagte Dr. Bernard Schlamadinger, ein Berater der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), der Weltbank und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), in einem Gespräch mit EURACTIV im November 2006 (EURACTIV vom 30. November 2006).

Der steigende Energiebedarf der EU kann zumindest teilweise als Begründung herangezogen werden, warum dieses Thema ganz offensichtlich übersehen wurde.

Die Forderung nach der vermehrten Nutzung von Biokraftstoffen im Verkehrsbereich und zur Aufheizung von Wohnungen bedeutet, dass Wälder und der Boden, auf dem sie stehen, einen höheren und direkteren wirtschaftlichen Wert haben, wenn sie für Energie-Zwecke verwendet werden, als wenn sie intakt gelassen würden. Die Kommission versuchte, das Thema in ihrem Forstaktionsplan aus dem Jahr 2006 unterzubringen (EURACTIV Links Dossier). Umweltaktivisten und Industriezweige, die Holz nicht nutzen, um Energie zu erzeugen, sind zunehmend besorgt, dass Europas großer Energiebedarf die Entwaldung weiter vorantreiben werde und dass der nicht-verbindliche Aktionsplan zu schwach sei, um dies zu verhindern.

Es ist denkbar, dass die Entwaldung trotz des Bewusstseins für den Klimawandel keine große Bedeutung für die europäischen Bürger hat. Eine neue Eurobarometer-Umfrage zu den „Einstellungen der europäischen Bürger zum Klimawandel“ betont die Besorgnis der Bürger in Bezug auf den Klimawandel, ohne jedoch auf das Thema Entwaldung einzugehen.

Auf internationaler Ebene sind die Teilnehmer der 160 Länder an den Gesprächen über ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls, das Ende 2012 auslaufen wird, mit ihren eigenen Schwierigkeiten beschäftigt, um einen angemessenen internationalen Rahmen für den Schutz des Waldes zu erarbeiten. Selbst Umweltaktivisten zögern davor, vorzuschlagen, Wälder als einen Teil des Kohlemarktes anzusehen, weil sie befürchten, dass eine solche Maßnahme nach hinten losgehen könnte (EURACTIV vom 22. August 2008). 

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