Wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel [DE]

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Laut des zuletzt erschienenen Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimafragen (IPCC), einem von der UN gestützten Gremium, stimmt die Wissenschaft darin überein, dass es zu 90% sicher ist, dass die Menschen für die globale Erwärmung verantwortlich sind. Jedoch besteht weiterhin Unsicherheit bezüglich der Frage, wie viel die Temperatur steigen wird und welche Auswirkungen dies auf das komplexe Ökosystem der Erde haben wird. 

Hintergrund

Frühe Klimamodelle in den 1970er Jahren haben nur eine begrenzte Anzahl von Indikatoren in Betracht gezogen: Die Karbondioxid-Konzentration (CO2), die Wärme der Sonne (Strahlung) und Regen, jedoch nicht Wolken (für eine Einführung über die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Klimawandel, siehe BBC).

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse haben sich seit damals stark erweitert. Die Modelle beziehen eine höhere Anzahl an Indikatoren ein, wie die Erdoberfläche, die von Eis gedeckten Flächen (die die Strahlung der Sonne reflektieren), Wüsten (die ebenfalls die Sonnenstrahlen reflektieren), Wälder (die CO2 absorbieren), Meeresströmungen und weitere Indikatoren.

Die Berichte des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimawandel  (IPCC) beziehen sich auf mehrere Hundert Expertenberichte, die von Wissenschaftlern weltweit geprüft wurden, und werden als Referenz für die Klimawandelforschung gesehen. Sie zielen darauf ab, Entscheidungsträger über die Ursachen für den Klimawandel und seine möglichen Auswirkungen zu informieren und mögliche Lösungsansätze vorzulegen. Die Berichte haben die wissenschaftlichen Grundlagen für einige Staaten geliefert, um ehrgeizige Politiken einzuleiten, um die Erderwärmung zu reduzieren. Die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und das damit verbundene Kyoto-Protokoll gehen auf die Erkenntnisse des IPCC zurück.

Probleme

Die globale Erwärmung hat bereits viele Auswirkungen gehabt, wie steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher und Polkappen, einen Anstieg der Temperaturen und einen höheren Säuregrad der Meere. Auch die Gefahr von tropischen Wirbelstürmen ist gestiegen. 

Der erste IPCC-Bericht wurde 1990 vorgelegt – dieser war in seinen Formulierungen noch sehr zurückhaltend. Folgende IPCC-Berichte haben darauf abgezielt, Unsicherheiten zu klären und Voraussagen zu optimieren. 

Eine Zusammenfassung der Aussagen des vierten Sachstandberichts des IPCC wurde am 2. Februar 2007 beschlossen. In dem Dokument wird die Schlussfolgerung gezogen, dass der Großteil des zu verzeichnenden Temperaturanstiegs seit Mitte des 20. Jahrhunderts „mit sehr großer Wahrscheinlichkeit“ auf die zu verzeichnende Zunahme an menschlich verursachten Treibhausgasausstößen zurückzuführen ist.  Im UN-Fachjargon bedeutet die Aussage „mit sehr großer Wahrscheinlichkeit“, dass die Wahrscheinlichkeit bei über 90% liegt. Dies ist eine Verschärfung des Berichts aus dem Jahr 2001, in dem es heißt, es sei „wahrscheinlich“, dass Menschen für den Temperaturanstieg verantwortlich seien (dies entspricht etwa einer Wahrscheinlichkeit von 66%).

Weitere wichtige Erkenntnisse des vierten IPCC-Berichts (2007) sind:

  • Elf der Zwölf letzten Jahre gehören zu den wärmsten Jahren seit 1850
  • Die globale Durchschnittstemperatur ist in den letzten 100 Jahren um 0,74°C gestiegen und der Trend der letzten Jahre ist eine Verdopplung des Tempos des Anstiegs (0,13°C pro Jahrzehnt). 
  • Die globale Durchschnittstemperatur wird im laufe des Jahrhunderts vermutlich um 1,8 – 4,0°C steigen.
  • Der Meeresspiegel wird voraussichtlich um 28 bis 43 cm ansteigen.

Greenfacts hat eine detaillierte und strukturierte Zusammenfassung  des ersten Teils des IPCC-Berichts vorgelegt.

Positionen

Die EU hat auf der Grundlage des zweiten IPCC-Berichts (1995) verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen festgelegt, um die globale Erwärmung einzudämmen. Die EU-Umweltminister haben sich 1996 darauf geeinigt, dass „die durchschnittlichen globalen Temperaturen nicht über 2ºC über den vorindustriellen Stand hinaus steigen sollten“. 

Die Entscheidung gründete auf den Berechnungen des IPCC, die zu dem Schluss kamen, dass, um die Temperaturen unter dieser Grenze zu halten, die Konzentration der Treibhausgase in der Luft unter 400 ppmv CO2-Äquivalent bleiben müsste. Sollte dahingegen die Konzentration der Treibhausgase über 550 ppm steigen, würde das Ziel vermutlich nicht erreicht. Die IPCC-Berichte wurden mehrfach dafür kritisiert, dass sie politisch beeinflusst seien, da die Schlussfolgerungen einstimmig von den teilnehmenden Staaten angenommen werden müssen. Die Kritik warf den Berichten dabei sowohl vor „zu alarmierend“ als auch „zu konservativ“ zu sein.

Ein Bericht des House of Lords in Großbritannien aus dem Jahr 2005 kommt zu dem Ergebnis, dass es positive Aspekte von globaler Erwärmung gibt und dass diese in den IPCC-Berichten „runtergespielt“ worden seien.

Die bekannteste Debatte, bei der es um die Temperaturschwankungen in der nördlichen Hemisphäre in den vergangenen 1000 Jahren ging, die im dritten IPCC-Bericht aus dem Jahr 2001 vorgestellt wurden, ist unter dem Namen „Hockeyschläger“-Kontroverse in die Geschichte eingegangen. Die Rekonstruktion der Temperaturen zeigte, dass der seit 1950 zu verzeichnende Temperaturanstieg in der Geschichte einzigartig ist und die Graphik steil nach oben biegt, ähnlich des Griffs eines Hockeyschlägers. Die Hockeyschläger-Theorie wurde von vielen Wissenschaftlern und Politikern (vor allem aus den Reihen der US-Republikaner) angegriffen, die kritisierten, dass die Wissenschaftler, die die Daten zusammengetragen hatten, frühere Temperaturschwankungen bewusst runtergespielt hätten, um einen Beweis für den dramatischen Temperaturanstieg unserer Zeit zu erstellen. Der Streit wurde letztendlich durch die Einberufung eines Forums von Wissenschaftlern durch den US-Kongress beigelegt. Das Forum unterstützte in seinen Schlussfolgerungen die Hockeyschläger-Theorie. 

Das britische Ministerium für Umwelt, Ernährung und ländliche Angelegenheiten (DEFRA) hat im Februar 2005 ein internationales Symposium über „Avoiding dangerous climate change“ organisiert, das darauf abzielte, das wissenschaftliche Verständnis für diesen Bereich zu erhöhen. Das Symposium kam zu dem Schluss, dass eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration bei 450 ppmv CO2-Äquivalent mit „mittlerer Wahrscheinlichkeit“ (~50%) die Einhaltung des Ziels von 2°C bedeuten würde.

Die aufsehenerregendsten Theorien des Symposiums bezogen sich auf so genannte „Wendepunkte“ – Momente, in denen die globale Erwärmung etwas auslöst, das danach nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Am meisten Aufmerksamkeit wurde dem „Wendepunkt“ zuteil, der sich auf die mögliche Versiegung des Golfstroms (thermohaline Zirkulation) bezieht. Der Golfstrom ist für das Klima im nördlichen Teil Europas, das relativ mild ist obgleich Nordeuropa auf dem gleichen Breitengrad wie Kanada liegt, ausschlaggebend. 

Je nach Schutzmaßnahmen lagen die Schätzungen der Wahrscheinlichkeit, dass der Golfstrom versiegen würde, bei null bis 2-3 % in den nächsten 200 Jahren oder bei 30% Wahrscheinlichkeit bis 2100. Ein Wissenschaftler wies darauf hin, dass weitere Experimente und Observationsdaten notwendig seien, um deutlichere Antworten liefern zu können. 

Ein Bericht der Europäischen Umweltagentur, der im August 2004 vorgelegt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Temperaturen in Europa schneller steigen als der globale Durchschnitt und dass die Vorhersagen darauf hindeuten, dass die Temperatur im laufe dieses Jahrhunderts weitere 2,0 – 6,3°C steigen werden, wenn die Treibhausgaskonzentration weiter zunimmt.

Das US-amerikanische Erdölunternehmen ExxonMobil, das einst zu den größten Zweiflern am Klimawandel zählte, erkennt mittlerweile die Notwendigkeit von Maßnahmen an, um den von Menschen verursachten Klimawandel zu bewältigen. Es gebe ausreichend Erkenntnisse, um festzustellen, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der von Menschen verursachten Emissionen, notwendig seien, so Ken Cohen, Vize-Präsident für Public Affairs bei ExxonMobil in einem Interview mit EURACTIV.

Cohen betonte jedoch, dass Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels flexibel genug sein müssten, um angepasst zu werden, wenn Erkenntnisse aus der Forschung bereitstünden. Die Aussage, dass die CO2-Emissionen bei 550 ppm stabilisiert werden müssten, stamme eher aus der Politik als dass sie auf wissenschaftliche Erkenntnisse basiere, so Cohen. Es könnte sein, so Cohen weiter, dass man erkenne, dass 550 als Zielvorgabe nicht ehrgeizig genug sei, weil die Wissenschaft dies erkläre. Es sei wichtig, die Bemühungen der Wissenschaft zu unterstützen und die ökonomischen Implikationen der Politiken zu berücksichtigen.

Für Umweltorganisationen stehen die wissenschaftlichen Beweise dafür, dass die Menschen für den Klimawandel verantwortlich sind, außer Frage. Nachdem der IPCC im Februar 2007 seine Schlussfolgerungen im Rahmen des vierten Sachstandberichts vorgelegt hatte, folgerte WWF: „Die Wissenschaft ist eindeutig, Menschen verursachen den Klimawandel“. Der Bericht würde einen außerordentlichen wissenschaftlichen Konsens darüber enthalten, dass der Klimawandel bereits eine Tatsache sei und dass er durch menschlichen Aktivitäten verursacht sei, so James P. Leape, Generaldirektor von WWF International. 

Friends of the Earth betont, dass Wissenschaftler darauf hinweisen, dass der Klimawandel gefährlich sei und dass ein globaler Temperaturanstieg von über 2°C katastrophale Auswirkungen haben würde und das Leben und die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen gefährden würde. Die Hitzewelle 2003 habe 33.000 Todesfälle in Europa zur Folge gehabt und einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 13 Mrd. Euro verursacht. Die riesigen Waldbrände in den südlichen Teilen Europas hätten große Ökosysteme ausgelöscht und ernste Auswirkungen auf die Tourismusbranche gehabt, so Friends of the Earth. 

Zeitstrahl

  • 2007: Veröffentlichung des vierten IPCC-Klimaberichts.
  • 7.-18. Dez. 2009: Klimakonferenz in Kopenhagen nimmt die Kopenhagener Vereinbarung an (EURACTIV vom 19. Dezember 2009).
  • 20. Jan. 2010: IPCC entschuldigt sich für Fehler im vierten Klimabericht zur Rückgangsrate der Himalaya-Gletscher (EURACTIV vom 26. Januar 2010).

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