EU-Politik zur Anpassung an den Klimawandel [DE]

Flood_rescue_house_1.jpg

Mit einem Grünbuch von Juni 2007 hat die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation über die notwendigen Maßnahmen ins Leben gerufen, um die Auswirkungen und Kosten zunehmender, mit dem Klimawandel in Verbindung stehender Katastrophen wie Überschwemmungen und Waldbrände zu mindern.

Hintergrund

Mehrere Jahre lang konzentrierte sich die Klimapolitik der EU auf Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, sowie darauf, internationale Partner zu überzeugen, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen (siehe EURACTIV LinksDossier über die Klimapolitik der EU.

Extreme Wettererscheinungen wie Hitzeperioden, Überschwemmungen und Waldbrände haben vermehrt die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit gelenkt, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um sich den Auswirkungen der Erderwärmung, die gegenwärtig bereits auftreten, anzupassen.

Aus diesem Grund hat die Kommission am 29. Juni 2007 ein Grünbuch „Anpassung an den Klimawandel in Europa - Optionen für Maßnahmen der EU“ angenommen, das verschiedene Möglichkeiten vorschlägt, um mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen. Des Weiteren hat sie mehrere Stakeholder-Debatten organisiert, um Beiträge aus der Industrie, von NGOs, Think Thanks, Wissenschaftlern und Organisationen der Zivilgesellschaft zu erhalten.

Das Grünbuch betrachtet die Auswirkungen des Klimawandels in verschiedenen europäischen Regionen und versucht, mögliche Anpassungsmaßnahmen, die auf europäischer Ebene notwendig sind, zu bestimmen. Die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten und Regionen wird dabei essentiell sein.

In ihrer Einleitung des Grünbuchs gibt die Kommission folgende Definition der Anpassung an den Klimawandel: „Anpassungsmaßnahmen dienen der Bewältigung der Folgen eines sich wandelnden Klimas (z.B. verstärkte Niederschläge, höhere Temperaturen, Wasserknappheit oder häufiger auftretende Stürme) bzw. der Vorwegnahme künftiger solcher Veränderungen. Anpassung zielt darauf ab, die Risiken und Schäden gegenwärtiger und künftiger negativer Auswirkungen kostenwirksam zu verringern oder potenzielle Vorteile zu nutzen. [...] Die Anpassung beinhaltet sowohl nationale als auch regionale Strategien sowie praktische Maßnahmen auf  Gemeinschaftsebene oder von Privatpersonen; sie kann vorgreifend oder reaktiv sein, und sie betrifft sowohl natürliche als auch Humansysteme. Die Gewährleistung der lebenslangen Nachhaltigkeit von Investitionen durch explizite Berücksichtigung des sich wandelnden Klimas wird oft als Klimasicherung bezeichnet.“

Probleme

Die Rolle der Mitgliedstaaten, Regionen und lokaler Behörden 

Das Grünbuch erkennt das Bedürfnis nach einem Regieren auf mehreren Ebenen („multilevel governance”) an, denn „die Schwere der Auswirkungen wird je nach der physikalischen Anfälligkeit, dem Stand der sozioökonomischen Entwicklung, den natürlichen und menschlichen Anpassungskapazitäten, den Gesundheitsdiensten und den Katastrophenschutzmechanismen von Region zu Region unterschiedlich sein“.

Vier vorrangige Möglichkeiten

Die Kommission bestimmt vier Prioritäten für einen flexiblen Vierfachansatz:

  • Frühzeitige Maßnahmen, um Anpassungsstrategien in Bereichen zu entwickeln, in denen das gegenwärtige Fachwissen ausreichend ist;
  • Einbeziehung der weltweiten Bedürfnisse im Rahmen des Anpassungsprozesses in die EU-Politik für Außenbeziehungen und Aufbau einer neuen Allianz mit Partnern aus der ganzen Welt;
  • Schließung von Wissenslücken hinsichtlich einer Anpassung durch Forschung und Informationsaustausch auf EU-Ebene;
  • Gründung eines europäischen Beratungsgremiums für die Anpassung an den Klimawandel, um abgestimmte Strategien und Maßnahmen zu analysieren.

Anpassungskosten

Es wird erwartet, dass die Kosten von preiswerten Maßnahmen, wie Bewusstseinsförderung und die Nutzung von trockenresistenten Pflanzen, zu teureren Maßnahmen, wie dem Bau neuer Deiche und Kraftwerke aufgrund von fehlerhaften Wasserkraftwerken, reichen.

Aufgrund eines Rohstoffmangels und der Unsicherheit der Prognosen, wie der Klimawandel sich entwickeln wird, vermutet die Kommission, dass Marktkräfte allein wahrscheinlich nicht zu einer erfolgreichen Anpassung führten.

Eine europäische Katastrophenschutztruppe?

Nach den Waldbränden in Südeuropa im Sommer 2007 hatten mehrere Politiker die Idee einer ständigen EU-weiten Katastrophenschutztruppe geäußert.

Positionen

Bei der Vorlage des Grünbuches im Juni 2007 unterstrich Umweltkommissar Stavros Dimas, dass Anpassung ‚kein Ersatz für Abschwächung’ sei, womit er auf das 20%-Reduktionsziel bis 2020 verwies, das von den EU-Staats- und Regierungschefs im März 2007 bestimmt wurde.

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) begrüßte den Fokus des Grünbuchs auf die sozialen Aspekte des Klimawandels. Sogar mit der positiven Annahme, dass die Erwärmung auf zwei Grad beschränkt würde, seien laut des Sekretariats der Organisation viele Arbeitsplätze in Europa bedroht, besonders in den ländlichen Gegenden des Südens oder in Gebirgsregionen. Die Auswirkungen würden in diesen Regionen stärker zu Tage treten, da man dort weniger alternative Beschäftigungsquellen vorfinde.  

In einer Informationsnotiz, die im Juli 2007 veröffentlicht worden war, bestimmten Klimaexperten des Tyndall Centre for Climate Change Research mehrere Hindernisse für die Anpassungspolitik.

 

Zeitstrahl

  • November 2007: Ende der Frist für die Antwort auf im Grünbuch dargelegte Fragen
  • 2008: Mitteilung über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit von Mensch und Tier
  • Ende 2008: Mitteilung über Anpassung an den Klimawandel

Weitere Informationen

Subscribe to our newsletters

Subscribe