Autohersteller hätten ihren CO2-Ausstoß im letzten Jahr nur um 1,7% verringert und lägen damit weit unter der von der EU angestrebten Verringerung von 17%. Zu diesem Schluss kommt die Umweltorganisation T&E in einem heute (26. August) veröffentlichten Bericht.
Der deutsche Autohersteller BMW allein habe mit einer Emissionsminderung von 7,3% bei seinem Fahrzeugbestand im letzten Jahr den größten Schritt nach vorne gemacht. Die durchschnittlichen Emissionswerte des japanischen Herstellers Honda seien hingegen sogar um 1,1% gestiegen.
Insgesamt haben die französischen und italienischen Autohersteller bei der Erreichung des EU-Ziels von 130g CO2 pro Kilometer bis 2012 die Nase vorn. Diesen Grenzwert hatte die Europäische Kommission im letzten Dezember aufgestellt. Bei einer durchschnittlichen Verringerung um weniger als 2% im letzten Jahr werden Japan, die USA und Deutschland allerdings bald aufschließen können.
T&E zufolge bewiesen die Fortschritte von BMW, dass es möglich sei, den CO2-Ausstoß auf das geforderte Maß zu senken, wenn mit Vorschriften und Bußgeldern gedroht werde. BMW habe – die geplante Gesetzgebung im Rücken – gezeigt, dass selbst die Hersteller leistungsstarker Autos ihren CO2-Ausstoß deutlich verringern könnten, meint T&E-Vorstand Jos Dings. Deshalb lehnt er die Forderungen der Industrie nach einer längeren Umstellungsphase zur Bewältigung der Kosten für neue Technologien ab. Stattdessen ruft er die EU dazu auf, den Druck auf die Hersteller mit anspruchsvollen Langzeitzielen für die Minderung von CO2-Emissionen aufrechtzuerhalten.
Die Umweltorganisation zeigt sich verärgert darüber, dass die EU ihr vor 14 Jahren aufgestelltes Ziel, die CO2-Emissionen von Autos auf durschnittlich 120g/km zu senken, abschwächen will. Sie kritisiert außerdem die Regierungen dafür, dass diese dem Druck ihrer Industrien nachgeben.
Im Juni hatten die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Sarkozy ein Abkommen unter sich abgeschlossen, das Autoherstellern eine „beträchtliche“ Umstellungsphase ermöglichen würde sowie ihnen eine Abmilderung der Bußgelder für Abweichung von bis zu acht Gramm (EURACTIV 10/06/08) in Aussicht stellt.
Die deutschen Autohersteller würden verlangen, dass die CO2-Ziele in den ersten Jahren nur für die saubersten Autos gälten. Das sei also würde man für Nichtraucher ein Rauchverbot fordern, beschwert sich Dings.
Er hoffe, dass das Europäische Parlament den Entwurf der Verordnung verschärfe, wenn der parlamentarische Umweltausschuss am 8. und 9. September über die Vorlagen abstimme. Ein vorläufiger Bericht des Europaabgeordneten Guido Sacconi, der den Text im Parlament durchbringen soll, würde allerdings den so genannten integrierten Ansatz der Kommission unterstützen. Dieser Ansatz sieht vor, dass Autohersteller den durchschnittlichen CO2-Ausstoß ihrer Autoflotte nur auf 130g/km verringern müssen und eine weitere Senkung durch ergänzende Maßnahmen wie die Verwendung von Biokraftstoff oder kraftstoffsparende Reifen erreichen können. Allerdings würde bei diesem Ansatz auch das Ziel aufgestellt, eine Verminderung der Emissionen auf 95g/km bis 2020 zu erreichen.
Die Autohersteller argumentieren hingegen, sie hätten bereits große Fortschritte gemacht. Die effizienteren Autos, die sie hergestellt hätten, würden aber keinen Absatz finden, da die Verbraucher größere, bequemere, sicherere und schnellere Modelle vorzögen, die einen höheren CO2-Ausstoß hätten als die kleineren Modelle.
Das scheint vor allem auf Schweden zuzutreffen. Die Zahlen von T&E belegen die Vorliebe der Schweden für ihre Heimat-Marken Volvo und Saab, die einen sehr hohen Verbrauch haben. Der CO2-Ausstoß der 2007 verkauften Neuwagen liegt mit beachtlichen 180g/km weit über dem EU-Durchschnitt von 158g/km.

