Spanische Studie trägt zu Pestizid-Streit bei [DE]

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Das Pestizid-Paket der EU steht kurz vor seiner Annahme. Unterdessen hat einen neue Forschungsstudie gezeigt, dass Spanier von mindestens einer Art Pestizid, Fungizid (Pilzvernichtungsmittel) oder Insektizid (Insektenvernichtungsmittel) betroffen sind, die auf internationaler Ebene als wahrscheinlich gesundheitsschädigend klassifiziert wurde.

Die spanische Studie wurde von der Universität in Granada durchgeführt. Sie untersuchte den Grad der Verschmutzung bestimmter langlebiger organischer Schadstoffe anhand einer Auswahl Erwachsener (387 Einzelpersonen). Ziel der Studie war es, Bestimmungsfaktoren auszumachen, die mit diesen Graden in Zusammenhang stehen. Sowohl Menschen aus städtischen als auch aus halbländlichen Gebieten waren Teil der Stichprobe.

Die Ergebnisse wurden Ende 2007 veröffentlicht. Sie haben gezeigt, dass 100% der Spanier mindestens eine Art einer gefährlichen Chemikalie in ihrem Körper tragen. Weiterhin fanden die Forscher heraus, dass mehr möglicherweise schädliche Stoffe bei Frauen als bei Männern, sowie bei älteren als bei jüngeren Menschen zu finden sind. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass die Ernährung ein wichtiger Faktor für die Konzentration solcher Stoffe ist.

Eine höhere Konzentration bei Frauen und bei älteren Menschen sei vermutlich auf eine hohe Lebensdauer dieser Substanzen in der Umwelt zurückzuführen. Dies führe, so Juan Pedro Arrebola Moreno, zu einer Biomagnifikation (die Anreicherung von Schadstoffen aus der Umwelt in Lebewesen über die Nahrung) in der Nahrungskette und schließlich zu einer Bioakkumulation (Anreicherung einer Substanz in einem Organismus durch Aufnahme aus dem umgebenden Medium oder über die Nahrung). 

Die Forscher entnahmen dem Fettgewebe eines jeden Freiwilligen eine Probe. Den Teilnehmern wurden Fragen bezüglich ihres Wohnortes, ihres Lebensstils, ihrer Ernährungsgewohnheiten und ihrer körperlichen Aktivitäten gestellt. Zu den sechs geprüften Stoffen zählten Bestandteile, die während eines industriellen Verfahrens auftreten können, wie beispielsweise Polychlorierte Biphenyle (PCB; giftige chemische Chlorverbindungen), Insektizide und Fungizide. Letztere werden zur Bekämpfung von Pilzen bei Pflanzen verwendet.

Die Stoffe, die über Nahrung, Wasser und Luft in den Körper gelangen können, können sich im Fettgewebe des Menschen anreichern. Hierüber gelangen sie in den Organismus. Sie können möglicherweise beachtliche negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben, wie beispielsweise Krebs und eine Schädigung des Reproduktions- und Immunsystems begünstigen. 

Hinsichtlich der Bedeutung der Ernährung als ein Faktor für die Konzentration dieser Chemikalien im Körper geht die Studie davon aus, dass die Aufnahme einiger Nahrungsmittel, insbesondere jene tierischen Ursprungs und mit hohem Fettgehalt, zu einer größeren Anreicherung dieser Giftstoffe im menschlichen Organismus führe.

Laut Catherine Ganzlehen vom Europäischen Umweltbüro (EUB) kontrollierten die bestehenden Gesetze den Verkauf und die Beseitigung von Pestiziden, jedoch nicht deren Verwendung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Sie sagt, dies führe dazu, dass fünf Prozent der Lebensmittel Pestizidrückstände enthielten, die über den festgelegten Begrenzungen lägen. Wasserversorger verwiesen auf starke Verschmutzungen von Flüssen in Tiefebenen. Es gebe keinerlei Anzeichen eines Rückgangs.

Die European Crop Protection Association (ECPA), der Vertreter der Pflanzenschutzindustrie, bedauert die Tatsache, dass der Einfluss von Pestiziden auf die Verfügbarkeit frischer Lebensmittel in Europa nicht von allen verstanden würde. Wesentliche Änderungen der Gesetzgebung könnten dazu führen, dass Landwirte ihre Mittel verlören, die sich benötigten, um frische Lebensmittel anzubauen, die die Grundlage einer gesunden Ernährung darstellten.

Die Kommission hat im Juli 2006 vorgeschlagen, die Verwendung von Pestiziden und die entsprechenden Genehmigungsregelungen in Europa zu straffen. Grund hierfür sind  zunehmende Bedenken hinsichtlich gesundheitlicher und ökologische Einflüsse dieser Pflanzenschutzmittel.

NGOs aus Umwelt und Gesundheit begrüßen die Initiative. Dem gegenüber haben Landwirte und Pestizidhersteller ihren Bedenken Ausdruck verliehen, dass diese Maßnahmen zu mehr Bürokratie führten und unschädliche Substanzen vom Markt nähmen.

In einer ersten Lesung zum Dossier im Oktober 2007 hat das Parlament für eine Erweiterung der Liste der Stoffe gestimmt, deren Verwendung während der Pestizidherstellung in der EU verboten ist (siehe EURACTIV vom 24. Oktober 2007). Im Dezember 2007 haben die 27 EU-Agrarminister nach ihrem Treffen erklärt, sie hätten eine Einigung zur Frage erzielt (EURACTIV vom 19. Dezember 2007).

Presseberichte über das Ergebnis des Agrarrats waren jedoch widersprüchlich. Der vollständige Text der Ratseinigung wird erst im Januar 2008 veröffentlicht werden – nachdem ein gemeinsamer Standpunkt zum Abschluss gebracht und in eine zweite Lesung ins Parlament übermittelt wurde.

  • Januar 2008: Die politische Einigung des Rats über das Pestizid-Paket wird veröffentlicht werden.
  • Frühjahr 2008: Zweite Lesung im Parlament.

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