„Wir sind glücklich darüber, dass eine andere Studie die enormen Vorteile, die REACH bringen würde, bestätigt“, sagte Barbara Helfferich, Sprecherin des Umweltkommissars in einem Gespräch mit EURACTIV. Sie fügte hinzu, dass dies den umfassenden Umweltverträglichkeitsbericht von 2003 bestätigen würde. Sie gab aber auch zu bedenken, dass keine Studie ein komplettes Bild geben könne. „Der Grundpfeiler ist aber immer noch der "umfassende Umweltverträglichkeitsbericht der Kommission“.
Der Europäische Rat der Chemischen Industrie (CEFIC) sagte, er begrüße das Ziel der Studie die positiven Auswirkungen von REACH zu untersuchen, „da es wichtig ist, ein vollständiges Bild der möglichen Auswirkungen von REACH zu haben […] bevor rechtskräftige Entscheidungen getroffen werden“.
Dennoch verweist CEFIC auch auf die Unsicherheiten der Studie. Sie betonen, „die Berechnungen basieren auf veralteten Daten, welche nicht unmittelbar zur Prognose zukünftiger Auswirkungen verwendet werden können. Zum Beispiel seien der „ständige Fortschritt der Umwelttechnologien“ und die Auswirkungen gesetzlicher Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene nicht berücksichtigt worden.
„Daher sind die Ergebnisse […] äußerst fraglich“, bemängelte CEFIC. Es heißt weiter: „Die gegenwärtige Debatte über REACH geht über den Vergleich von Kosten und Nutzen weit hinaus; was jetzt gebraucht wird, sind durchführbare Lösungen zu den erkannten Problemen“.
Umweltaktivisten von Greenpeace behaupten, dass die kombinierten Kosteneinsparungen dieser Studie zeigen, dass REACH „ zusätzliche ökologische Vorteile im Wert von bis zu € 95 Mrd. über die nächsten 25 Jahre bringen könnte“. Diese Summe, so Greenpeace, müsse noch zu den erwarteten € 50 Mrd. Kosteneinsparungen in Gesundheit über die nächsten 30 Jahre hinzugerechnet werden.
Nadia Haiama von Greenpeace Europa sagte, die Vorteile wären noch größer, wenn eine obligatorische Substitution gefährlicher Chemikalien in den Vorschlag aufgenommen werden würde und wenn die Produzenten dazu verpflichtet werden würden, vollständige Sicherheitsinformationen zu ihren Produkten anzugeben.
In einem Briefing Paper betont WWF, dass die Umweltvorteile, die in der Studie auf 50 Milliarden Euro geschätzt werden, zu den 50 Milliarden Euro (über 30 Jahre), die bereits von der Kommission identifiziert wurden, hinzugerechnet werden müssten.
Seit die erste Version des REACH-Vorschlages im Oktober 2003 eingereicht worden ist, wurden Industrieexperten sowie Umweltschützer und Gewerkschaften gegen einander ausgespielt. Dieser „Streit“ wurde im letzten April mit der Veröffentlichung einer weiteren Studie von KPMG für den Europäischen Rat der Chemischen Industrie (CEFIC) und der Union der Industrie und Arbeitgeberverbände Europas (UNICE), offiziell beendet (EURACTIV, 27 April 2005).
Zur Überraschung der NGOs – welche diese Vorgehensweise kritisiert hatten – bestätigte die Studie von KPMG den umfassenden Umweltverträglichkeitsbericht der Kommission von 2003, welcher Zeitgleich mit dem REACH-Vorschlag veröffentliche wurde.
Günter Verheugen, Unternehmens und Industrie Kommissar und Umweltkommissar Dimas sagten, dass die Studie nichts Neues zur Debatte hinzufüge, da sie die meisten Ergebnisse der Kommission bestätige. Erste Annahmen der Kommission schätzten die Kosten von REACH auf € 2,3 Mrd. über die ersten 11 Jahre oder 0.05 % des jährlichen Umsatzes dieses Sektors.