Man müsse vor dem Hintergrund der Wasserknappheit alles neu überdenken, meinte der österreichische Mitte-Rechts-Europaabgeordnete Richard Seeber zu EURACTIV in einem Interview, in dem er seinen Bericht zu Wasserknappheit und Dürre kommentierte, der gestern (9. September 2008) vom Umweltausschuss des Parlaments einstimmig angenommen worden war.
Sowohl die Unternehmen als auch die Bürger müssten berücksichtigen, dass in weiten Teilen Europas bald eine Wasserknappheit herrschen werde, die eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung behindern werde, erklärte der Europaabgeordnete und betonte, dass Wasser eines der Hauptthemen auf der politischen Agenda und Bestandteil aller Politikprogramme werden sollte.
Die größere Belastung der europäischen Wasserversorgung, die sowohl durch Wasserverschwendung als auch durch den Klimawandel verstärkt wird, brachten die Kommission dazu, im letzten Juli die Einführung einer Preispolitik vorzuschlagen, mit der die Verbraucher – Bauern, Industrie und Haushalte mit eingeschlossen – dazu gebracht werden sollen, weniger von dem kostbaren Rohstoff zu verschwenden (siehe EURACTIV vom 18. Juli 2008, LinksDossier).
Zwar weist der Europaabgeordnete Vermutungen zurück, die Wasservorräte könnten eines Tages nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage zu decken, und damit eine ähnlich prekäre Situation eintreten, wie man sie bei der Ölversorgung vermutet (siehe EURACTIV vom 27. Mai 2008, LinksDossier). Dennoch betont Seeber, dass eine erhöhte Versorgung mit Wasser das eigentliche Problem der Knappheit nicht lösen werde.
Wasser sei erneuerbar, erklärt er und fügt hinzu, man könne Wasser beliebig oft wiederaufbereiten. Wenn man also über die entsprechenden Anlagen und Geräte verfüge, werde es keine Notstandsituation bei der Wasserversorgung geben. Allerdings warnt er, dass Wasser dennoch eine knappe Ressource sei. Deshalb fordert er die Mitgliedstaaten dazu auf, ihre Art des Wasserverbrauchs zu überdenken und entsprechende Preissysteme einzuführen.
Die Entscheidung, wie diese Ideen in die Praxis umgesetzt werden könnten, solle nichtsdestotrotz den einzelnen Mitgliedstaaten überlassen werden, meint Seeber. Man müsse jedes Land gesondert betrachten, da die verschiedenen Länder sehr unterschiedliche Traditionen besonders bei der Preisfindung hätten, so Seeber. Deshalb setze er sich stets für das Subsidiaritätsprinzip ein.
In der Tat zieht sich die Forderung, die Wasserpolitik weiterhin vorwiegend als nationale Angelegenheit zu betrachten, als roter Faden durch Seebers Bericht. Die Mitglieder des Ausschusses hätten ihn darin bekräftigt, dass die Wasserwirtschaftspolitik zweifelsohne ausschließlich im Zuständigkeitsbereich der einzelnen EU-Mitgliedstaaten bleiben sollte, erklärte er.
Trotzdem betont der Bericht auch die internationale Dimension der Wasserknappheit und der Dürreprobleme und ruft die EU-Länder dazu auf, gemeinsam gegen das steigende Dürrerisiko in einigen Regionen sowie die unverantwortliche Verschwendung von Wasservorkommen in einigen Wirtschaftszweigen und Ländern anzugehen.
Der Bericht schätzt die wirtschaftlichen Schäden durch Dürren in Europa in den letzten dreißig Jahren auf 100 Milliarden Euro und hebt hervor, dass ein Fünftel der EU-Bürger in Gebieten wohne, in denen es Wasserprobleme gebe. 40% des Wasserverbrauchs in der EU könnten eingespart werden und 20% des Wassers, das in der EU bereitgestellt werde, werde aufgrund von ineffizienter Nutzung verschwendet, wird in dem Bericht festgestellt, woraufhin Seeber erklärt, die Tendenz gehe dahin, das Wasser auf nicht nachhaltige Art zu nutzen.
Der Bericht des Europaabgeordneten fordert außerdem eine Ergänzung des EU-Systems für Energieeffizienzkennzeichnung um einen Hinweis auf den Wasserverbrauch. Die EU-Länder werden ersucht, Kampagnen für verstärktes Verbraucherbewusstsein zu organisieren, um die Menschen zum Wassersparen zu animieren.
Die Bedenklichkeit der Wasserknappheit wurde im letzten Sommer deutlich, als ein Großteil Europas von schweren Dürren heimgesucht wurde (EURACTIV 18. Juli 2007).
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