Europaabgeordnete haben den nationalen Regierungen praktisch den Krieg erklärt, indem sie ihre Forderungen nach strikteren Emissionsreduktionszielen für Europas zügig wachsenden Flugsektor aufrechterhalten, obwohl die Minister auf eine industriefreundlichere Herangehensweise bestehen.
Der Bericht fand in einer zweiten Lesung am 27. Mai 2008 die Unterstützung der Mitglieder des Umweltsausschusses des Parlaments. Er fordert, dass es Fluggesellschaften, die in Europa operieren, nicht genehmigt werden sollte, nach 2012 weiterhin die gleiche Menge an Treibhausgasen auszustoßen wie in dem Zeitraum von 2004 bis 2006. Dies war vom Rat bereits im vergangenen April vorgeschlagen worden. Stattdessen fordert der Bericht eine Senkung um zehn Prozent bis 2011. Weiter Senkungen würden dann in sukzessive ab 2013 eingeführt, um bis 2020 eine Senkung der Emissionen um 20% – im Vergleich zu 1990 – zu erreichen.
Im Gegensatz zu einem Kompromiss, den die europäischen Minister erzielt hatten, bestanden die Europaabgeordneten darauf, dass mindestens 25% der verfügbaren CO2-Zertifikate versteigert – und nicht kostenlos verteilt – werden (EURACTIV vom 14. November 2007). So soll sichergestellt werden, dass Fluggesellschaften keine unerwarteten Gewinne erzielen, indem sie nicht vorhandene Kosten an ihre Passagiere weiterleiten. Der Anteil an gehandelten Zertifikaten würde dann bis 2013 – wenn das überarbeitete Emissionshandelssystem der EU (EU-ETS) in Kraft tritt, das auch industrielle Aktivitäten umfasst – erhöht werden.
Weitere Punkte des Berichts umfassen:
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Eine „Effizienz-Klausel“, die beinhaltet, dass Fluggesellschaften Emissionszertifikate von anderen Branchen oder Projekten aus Entwicklungsländern erst dann erwerben können, wenn sie zunächst bestimmte Effizienzstandards erfüllen
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Die Zweckbindung von Gewinnen, die aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten erzielt wurden. Die Europaabgeordneten haben entschieden, dass die zusätzlichen Gelder in die Forschung über die Verbesserung der Effizienz in der Luftfahrtbranche investiert werden müssen, aber auch für umweltfreundliche Verkehrsmöglichkeiten wie Bus und Bahn, um so die Last der Bürger zu verringern. Auch der technischen Unterstützung sollten Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Entwicklungsländern zu helfen, den Klimawandel zu bewältigen und sich an ihn anzupassen. Die nationalen Regierungen jedoch sind stark gegen einen solchen Vorschlag, da sie behaupten, sie sollten frei entscheiden können, wofür sie die Gelder verwendeten
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Die Anwendung eines „Multiplikators“: Die Kosten aller CO2-Zertifikate, die von Fluggesellschaften erworben werden, sollen mit zwei multipliziert werden, bis die Kommission eine Gesetzgebung entwickelt, um sich mit den zusätzlichen Auswirkungen auf das Klima auseinanderzusetzen, die durch den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) durch Flugzeuge verursacht wird
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Eine Klausel, die es den Mitgliedstaaten ermöglicht, ergänzende Maßnahmen wie Steuern aufrechtzuerhalten oder einzuführen, um die Auswirkungen des Sektors auf den Klimawandel anzugehen
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Ausnahmen für humanitäre, militärische und Notfallflüge. Privat- und Geschäftsflugzeuge dagegen, auch jene, die von Mitgliedern der Monarchie oder der Regierung genutzt werden, würden unter das System fallen
Der deutsche Europaabgeordnete Peter Liese (EVP-ED), der für das Dossier zuständig ist, sagte, er würde versuchen, in den kommenden Wochen eine Einigung mit dem Rat zu erzielen.

