EUA-Direktorin: Umweltvorschriften nicht Schuld an Lissabon-Fehlschlag [DE]

Eine bessere Umsetzung von Umweltvorschriften – und nicht weniger Vorschriften – sei erforderlich, um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den drei Dimensionen der Lissabon-Strategie herzustellen, so EUA-Direktorin Jacqueline McGlade in einem exklusiven EURACTIV-Interview.

In vielen Regierungen und Unternehmen gebe es ein „tief verwurzeltes Vorurteil“, dass Umweltvorschriften „der Grund dafür sind, dass [die EU] nicht wettbewerbsfähig“ sei. In einem exklusiven EURACTIV-Interview bemüht sich die Direktorin der Europäischen Umweltagentur (EUA) Jacqueline McGlade darum, diese Vorstellung zu widerlegen. 

„Dies ist eine falsche Auffassung dessen, was Vorschriften tun“. 

McGlade ist der Überzeugung, dass das Gegenteil zutrifft. „Wenn man auf die letzten Jahrzehnte zurückblickt, wird man feststellen, dass Umweltvorschriften zu einer größeren Ressourceneffizienz und einem höheren Innovationsniveau [von Unternehmen] beigetragen haben“, so McGlade.

McGlade widersprach außerdem einer Analogie von Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Dieser hatte die Wirtschaft Europas mit einem kranken Kind verglichen, dessen man sich nun im Rahmen der Lissabon-Agenda vorrangig annehmen müsse (siehe EURACTIV, 3 Feb. 2005).

„Hätte ich drei Unternehmen und einem von ihnen ginge es nicht gut, würde ich mich wahrscheinlich auf die beiden anderen konzentrieren“, sagte McGlade unter Verweis auf die zwei anderen Dimensionen der Lissabon-Strategie (nachhaltige Entwicklung und sozialer Zusammenhalt). 

„Man sollte die Wirtschaft nicht als krank bezeichnen, sondern nur sagen, dass sie vielleicht disziplinierter und stabiler sein sollte“, fügte sie hinzu. 

In Bezug auf den Klimawandel und die Debatte über die CO2-Reduktionsziele nach 2012 sagte sie, dass die Strategie der EU, die größten Emissionsverursacher für den Klimaschutz zu gewinnen, richtig sei. Sie fügte jedoch hinzu, dass die EU ebenfalls „Ordnung im eigenen Haus“ schaffen sollte, bevor sie andere Länder wie China und Indien kritisiere.

„Wir müssen als verantwortungsbewusst betrachtet werden und uns um unsere eigene Ressourcengrundlage kümmern“, wolle die EU andere Länder auf ihre Seite bringen. 

MacGlade stellte auch die weit verbreitete Auffassung infrage, dass die EU in Sachen nachhaltige Entwicklung eine Vorreiterrolle innehabe, nur weil sie den Klimaschutz vorantreibe. Die Göteborg-Strategie beinhalte „weitaus schwierigere Zielen bezüglich einer ganzen Reihe von Ressourcen, es geht nicht nur Treibhausgasemissionen“. Und sie fügte hinzu, dass China in Sachen nachhaltige Entwicklung „viel weiter sei als viele europäische Länder“. 

Letztendlich „muss erkannt werden, dass Europa einige Entscheidungen treffen muss“. Unter Verweis auf die Intensivierung der Flächennutzung in Europa – ob in Bezug auf die Landwirtschaft, Städteentwicklung oder Verkehrsinfrastruktur – sagte McGlade, dass nicht alle Hoffnungen, die an die Lissabon-Agenda geknüpft würden, gleichzeitig erfüllt werden könnten. 

„Es ist wie eine Bombe, die darauf wartet hochzugehen“, warnte sie und fragte, „können wir mit oder ohne den anderen [Politiken] leben?“

Das vollständige Interview (auf Englisch) können Sie hier lesen.

  • Europäische Umweltagentur (EUA):Website

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