Die Kommission bereitet sich derzeit darauf vor, eine detaillierte Gesetzgebung für CO2-Emissionen von Fahrzeugen vorzulegen. Unterdessen macht sich Frankreich auf einen Streit mit Deutschland über diese Frage gefasst: Der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo kritisierte den deutschen Vorschlag eines Systems, nach dem schwerere Autos die Umwelt stärker verschmutzen dürften als andere.
Der französische Umweltminister sagte der Financial Times am 14. November 2007, aufgrund des Prinzips ‚ Der Verschmutzer zahlt’ sollten diejenigen, mit der größten Umweltverschmutzung bei der Senkung der Emissionen den größten Fortschritt erzielen. Er fügte hinzu, nichts rechtfertige die Idee, einem Käufer eines größeren Fahrzeuges ein größeres Recht auf Verschmutzung einzuräumen.
Deutsche Hersteller hatten sich für ein System eingesetzt, in dem die europäische Automobilindustrie verschiedene Begrenzungswerte, entsprechend dem Gewicht der Fahrzeuge, die sie herstellen, erhalten würde. Dies würde es schwereren Autos, wie Geländewagen und Luxuslimousinen, erlauben, das Ziel von 130g CO2/km, das von der Kommission bestimmt worden war, zu übertreten.
In der Regel stellen die deutschen Automobilhersteller größere, leistungsfähigere Fahrzeuge her, wohingegen die Hersteller in Frankreich und Italien auf kleinere, kraftstoffeffizientere Modelle spezialisiert sind.
Ein Bericht der Umwelt-NGO Verkehr & Umwelt (T&E) vom 15. November 2007 hat gezeigt, dass Frankreichs Autohersteller, einschließlich Peugeot, Citroen und Renault, durchschnittlich viel niedrigere CO2-Emissionen zu verzeichnen hätten, als dies bei deutschen, wie Volkswagen, DaimlerChrysler und BMW der Fall ist (144 g/km gegenüber 173 g/km). Weiterhin hätten erstere ihre Emissionen zwischen 2005 und 2006 erfolgreich um 1,9% gesenkt, während deutsche Hersteller ihre Emissionen um 0,6% erhöht hätten. Dies stehe im Widerspruch mit den ehrgeizigen Klimazielen Europas.
Borloo sagte, der deutsche Vorschlag würde den Markt für kleinere Fahrzeuge einschränken und die Herstellung von schwereren Autos begünstigen, anstatt innovative Technologien zu fördern, die darauf abzielten, schwerere Fahrzeuge leichter zu machen.
T&E fügte hinzu, es gebe eine ‚enge Verbindung’ zwischen dem Gewicht eines Autos und dessen Kraftstoffverbrauch sowie CO2-Emissionen. Für jeden Prozentpunkt, der beim Gewicht eines Fahrzeugs eingespart würde, würden dessen Emissionen um 0,8% gemindert werden.
CO2-Standards auf Grundlage des Gewichts zu bestimmen, sei vollkommen kontraproduktiv, da es Gewichtminderungen mit strengeren Standards strafe, so der Leiter von T&E, Jos Dings.
Die Europäische Automobil-Konstrukteursvereinigung (ACEA) verteidigte Anfang 2007 einen gewichtsbezogenen Ansatz als den wahrscheinlich ‚besten Parameter’ zur Etablierung der Obergrenze innerhalb der Branche, um die Vielfalt für Kunden zu erhalten (EURACTIV vom 30. August 2007). Verschiedene Marken versorgten verschiedene Marktsegmente, so die Vereinigung.
Während sie sich weigerte, ein mögliches Zerwürfnis zwischen französischen und deutschen Autoherstellern zu kommentieren, sagte Sigrid de Vries vom ACEA, es sei ‚lächerlich’, zu sagen, dass Autohersteller nicht darauf hinarbeiteten, ihre CO2-Emissionen zu senken. Weiterhin warf sie den strengen europäischen Vorschriften zur Fahrzeugsicherheit vor, Schuld am erhöhten Gewicht der Fahrzeuge zu haben.
Die Automobilindustrie besteht auch darauf, dass es anderer Maßnahmen bedürfe, wenn die EU die Kürzung der CO2-Emissionen Ernst nehmen wolle. Zu diesen zählten Maßnahmen zur Änderung des Verbraucherverhaltens und der Nachfrage, die immer noch beträchtlich zu größeren und schwereren Autos tendiere.
De Vries sagte, die ACEA sei ‚sehr enttäuscht’, dass es den Finanzministern am 13. November 2007 nicht gelungen war, sich auf einen Vorschlag der portugiesischen Ratspräsidentschaft zu einigen, der die Autosteuer stärker mit CO2-Emissionen in Verbindung setze. Die Mitgliedstaaten hatten sich einer stärkeren EU-Zusammenarbeit bei Steuerangelegenheiten widersetzt (EURACTIV vom 13. März 2007).

