Biokraftstoffe: ‚bescheidener‘ Einfluss auf Landwirtschaft [DE]

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Trotz Bedenken der Öffentlichkeit über die Auswirkungen der Biokraftstoffherstellung auf Landnutzung und Getreidepreise hat die Kommission erklärt, dass ein Anteil von 10% an Biokraftstoffen im Verkehr bis 2020 nur einen begrenzten Druck auf die landwirtschaftlichen Märkte ausüben werde.

Das Erreichen der 10%-Zielvorgabe für Biokraftstoffe im Verkehr bis 2020 würde die Landverfügbarkeit in der EU nicht übermäßig ausweiten, laut einer Folgenabschätzung, die von der Generaldirektion für Landwirtschaft durchgeführt und am 24. Juli 2007 veröffentlicht wurde.

Die Abschätzung erwartet, dass 15% des kultivierungsfähigen Lands für die Biokraftstoffproduktion bis 2020 gebraucht würden. Diese Zahl wird von der Kommission als „relativ bescheiden“ bewertet. Ein großer Teil der gesteigerten Biokraftstoffproduktion würde auf stillgelegten Flächen stattfinden, die unter der Gemeinsamen Agrarpolitik geschützt wird, um die exzessive Agrarproduktion zu verhindern.

Während die Kommission in ihrer Überprüfung darauf hinweist, dass die Verwendung von stillgelegten Flächen nicht zu einer Zunahme des Pestizid- oder Düngemitteleinsatzes führen werden, entgegnen Umweltgruppen, dass dies der Natur schaden werde.

Der WWF unterstützt das 10%-Ziel für Biokraftstoffe beispielsweise, aber unter der Bedingung, dass es mit Maßnahmen zur Energieeffizienz und einem EU-weiten Zertifizierungssystem zu Nachhaltigkeit gekoppelt werde, das die Reservierung stillgelegter Flächen zum Naturschutz und für die Flora und Fauna einschließe.

Hinsichtlich der Kosten erwartet die Kommission eine langfristige Steigerung von drei bis sechs Prozent der Getreidepreise, verglichen mit den Preisniveaus von 2006. Änderungen bei den Viehfutterpreisen erschienen relativ bescheiden bis neutral, weil die Nebenprodukte aus der Biodiesel- und Bioethanolproduktion für die Viehfütterung verwendet werden könnten, so die Kommission.

Die Schlussfolgerungen der Kommission zu Landnutzung und Preisen hängen aber zu einem größeren Maße von der Verfügbarkeit der Biokraftstoffe der zweiten Generation auf industriellem Niveau ab, weil diese die Anforderungen zur Landnutzung ebenso wie die Abhängigkeit der EU von Biokraftstoff-Importen senken würde.

Ohne Biokraftstoffe der zweiten Generation würden Kosten, Importe und Landnutzung jedoch beträchtlich sinken, so die Kommission.

Die Abschätzung weist auch darauf hin, dass ein Verlassen auf die Biokraftstoffe der ersten Generation allein nicht ausreichen werde, um das 10%-Ziel lediglich über die Kraftstoffproduktion zu erreichen. Sie nennt 2014  als den Zeitpunkt, zu dem die Technologie der zweiten Generation wahrscheinlich erhältlich sein werde.

In diesem Zusammenhang veröffentlichte die NGO Eurobserv’ER ihr jährliches „Biofuel Barometer’ für 2007, das von einer Steigerung des EU-Biokraftstoffverbrauchs um 80% seit 2005 berichtet. Besonders Deutschland verzeichnete eine beträchtliche Zunahme des Verbrauchs von rohen Pflanzenölen, die als völlig gleichwertiger Kraftstoff betrachtet werden.

CEPI, der Europäische Verband der Papierindustrie, äußerte seine Sorge darüber, dass die Folgeabschätzung sich nur auf die Landnutzung von Biokraftstoffen konzentriert habe. Dies könne zu Komplikationen führen, da viel 'desselben Landes zur Produktion von Biomasse zur Heizung oder Stromproduktion verwendet werden müsse, wenn das Gesamtziel (zu erneuerbaren Energien) erreicht werden' solle, so der Verband.

Die Schlussfolgerungen des Rates vom 8. und 9. März 2007 haben die Zielvorgabe, bis 2020 im Verkehr 10% Biokraftstoffe zu nutzen, festgelegt, womit sie den Empfehlungen der Kommission nachkamen.

Ein Ziel von 5,75% an Biokraftstoffen bis 2010 wurde 2003 festleget, aber die Kommission entschied, die Zielvorgabe angesichts der wachsenden Sorge über steigende Ölpreise, Energiesicherheit und Klimawandel anzuheben.

Eine wichtige Bedingung zur Einhaltung des Ziels für 2020 ist die Entwicklung von Biokraftstoffen der so genannten „zweiten Generation“, durch fortgeschrittene technologische Prozesse die aus den Strünken und hölzernen Teilen von Pflanzen gewonnen werden. Momentan werden die meisten Biokraftstoffe der „ersten Generation“ aus pflanzlichen Ölen, tierischen Fetten, Pflanzenzucker und Stärke gewonnen. In vielen Fällen benötigen Kraftstoffe der ersten Generation beträchtliche Landflächen und sind weniger effizient als die Prozesse der zweiten Generation, die bisher nicht auf industriellem Niveau existieren.

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