Bericht fordert EU-Vorgaben für Städteplanung [DE]

Viele Umweltprobleme werden durch das rasche Anwachsen städtischer Gebiete verursacht. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Europäischen Umweltagentur am 24. November 2006 veröffentlichter Bericht zur „Zersiedelung“.

Die Zersiedelung hat weitreichende negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bürger, die in und am Rand der Städte leben.

Die gestiegene Nutzung von Energie, Land und Boden sowie der größere Bedarf an besseren Verkehrsinfrastrukturen führen zu ernsthaften Umweltproblemen. Zersiedelte Städte tragen auch zu höheren Treibhausgasemissionen bei. 

Während die Mittelschicht und Familien aus den gehobenen Einkommensklassen bevorzugt Häuser in den grünen Vorstädten suchen, müssen viele ärmere Bürger in dichter besiedelten Wohnvierteln leben. Dies bringt größere Spaltungen bei der Entwicklung der Wohnviertel mit sich und verschärft zudem die wirtschaftlichen Unterschiede. Diese sozioökonomischen Auswirkungen wurden bei den Unruhen in französischen Städten im Jahr 2005 deutlich.  

Der Bericht kommt auch zu dem Schluss, dass die Kohäsions- und Strukturfonds der EU Hauptursachen für die in ganz Europa stattfindende Zersiedelung sind. „Den neuen Mitgliedstaaten sollten politische Leitlinien an die Hand gegeben werden, um umweltpolitische Irrtümer zu vermeiden, zu denen ein plötzlicher Geldregen führen kann“, fordert die Exekutivdirektorin der EUA, Prof. Jacqueline McGlade.

Auch wenn die EU in diesem Bereich über wenige bzw. gar keine Kompetenzen verfügt, ist die städtische Entwicklung schnell auf die politische Tagesordnung der EU gerückt. Die Rolle der Städte als Motor des Wirtschaftswachstums und der Nachhaltigkeit wird dabei einen der Schwerpunkte des bevorstehenden deutschen EU-Ratsvorsitzes bilden. Am 24. und 25. Mai 2007 wird in Leipzig ein informelles Ministertreffen zur territorialen Kohäsion und städtischen Entwicklung stattfinden. Anlässlich dieses Treffens wird die EU die Territoriale Agenda der EU annehmen.

Im Januar 2006 hatte die Kommission eine Strategie zur Verbesserung der Umwelt in den europäischen Städten  vorgelegt. Die Strategie gehört zu den sieben im sechsten Umweltprogramm vorgesehenen Strategien (siehe EURACTIV vom 16. Januar 2006). Die Kommission arbeitet momentan auch an einem Grünbuch über den Stadtverkehr, das im September 2007 vorgelegt werden soll.

In Europa leben 75% der Menschen in Städten. Damit ist Europa der Kontinent, auf dem die größte Urbanisierung stattgefunden hat . Die andauernde Ausdehnung der Städte in die umliegenden landwirtschaftlichen Gebiete („Zersiedelung“) - ohne eine durchdachte Planung und von den Marktkräften getrieben – wird zunehmend zu einer der  bislang „ignorierten“ Herausforderung für Europa. Zu diesem Schluss kommt ein von der Europäischen Umweltagentur (EUA) am 24. November 2006 veröffentlichter Bericht.

Der Bericht „Zersiedelung – Die ignorierte Herausforderung in Europa“ befasst sich mit den Ursachen, Beschleunigern und Auswirkungen dieses Phänomens und kommt zu dem Schluss, dass die EU eine europaweite Politik zur „Koordinierung und Kontrolle“ der Städteplanung benötigt.

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