Von Armenien lernen: Digital-Schule in Paris eröffnet

Tumo ist ein kostenloses Schulangebot für Kinder zwischen 12 und 18 Jahren, die die digitale Technologie entdecken wollen. [Tumo]

Mit Hilfe von EU-Mitteln wurde in Paris eine Schule für digitale Bildung mit dem Namen „Tumo“ gegründet. Das aus Armenien stammende Konzept ermöglicht es Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren, sich selbständig und eigenverantwortlich mit dem Digitalsektor zu befassen. EURACTIV Frankreich berichtet.

An der beleuchteten Wand des Forum des Images im Pariser Stadtviertel Les Halles schaffen sich bewegende menschenähnliche Projektionen eine surreale Atmosphäre. Im Inneren des Gebäudes: Ein Lern-Treffpunkt für junge Pariserinnen und Pariser, die nach der Schule zwei Stunden pro Woche hierherkommen, um Programmieren und digitales Zeichnen zu üben.

Die Einrichtung ist für bis zu 4.000 junge Lernende ausgelegt. Bis jetzt hat sie bereits 800 Menschen zusammengebracht.

In einem großen „Klassenzimmer“, das mit seinen bequemen Sofas und gedimmten Lampen eher einem Salon ähnelt, arbeiten die Schüler an ihren Tablets. Sie nehmen an Selbstlernkursen teil, bei denen jeder in seinem eigenen Tempo an verschiedenen Themen arbeitet: Video, Kino, Musik, Zeichnung und Animation – unter anderem.

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Eine Schule ohne Noten

Auf dem Bildschirm von Maxime Osty blättern Logos vorbei. Er bringt sich mit Hilfe des Tutorials gerade bei, wie man sie reproduzieren kann. „Ich bin hierher gekommen, weil ich herausfinden wollte, wie Programmieren funktioniert. Ich wollte wissen, ob es mir gefällt, ob es etwas für mich ist oder nicht,“ erklärt der Sechzehnjährige.

Neben ihm befasst sich die zwölfjährige Tidiane Ménega mit Musik: „Hier kann ich etwas über elektronische Musik lernen. Ich beschäftige mich mit Beatboxing – und ich habe sogar schon meinen eigenen YouTube-Kanal gestartet.“ Sie erklärt weiter: „Wenn man einmal nicht weiter weiß, dann kann man die anderen oder die Koordinatoren fragen.“

David Martinez ist einer dieser Koordinatoren, wobei er sich lieber als „Coach“ bezeichnet. „Wir sind hier zur Unterstützung, wir ermutigen die Schüler, weiterzumachen. Im Laufe des Programms können sie sich auf acht verschiedene Bereiche spezialisieren. Bisher haben wir festgestellt, dass die Jugendlichen sich vor allem auf die Bereiche Videospiel und Kino konzentrieren,“ erzählt er.

Seine Beziehung zu den Kindern sei sehr viel unkomplizierter, als bei Lehrern, glaubt Martinez. Schließlich gebe es keine Benotung. Ziel sei es nicht, gewisse Qualifikationsbescheiningungen oder Zeugnisse zu vergeben, sondern die Entwicklung der Kinder in den Vordergrund zu stellen.

Von den 4.000 verfügbaren Plätzen sind 35 Prozent für Kinder reserviert, die in sozialen Brennpunkten leben. Damit soll die Schul-Initiative auch eine wichtige soziale Dimension aufweisen.

Eine Million Euro für Innovationen

„Tumo wurde vor drei Jahren zur innovativsten Schule der Welt gewählt. In dieser Schule geht es darum, Stolpern und Scheitern zu schätzen und daraus zu lernen. Es ist einfach wunderbar, die Freude auf den Gesichtern der Kinder zu sehen,“ so Claude Farge, Generaldirektor des Forum des Images, bei der Eröffnung der Schule am 16. Oktober.

Bei seiner Eröffnungsrede wurde Farge von der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und Carlos Moedas, EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation,
unterstützt.

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Die für die Finanzierung der Einrichtung verwendeten Mittel stammen aus EU-Fördermitteln. Die Stadt Paris hatte im November 2017 den Wettbewerb „Europäische Hauptstadt der Innovation“ gewonnen und dafür einen Scheck über eine Million Euro erhalten. Mit dem Preis wurde das „Engagement der Stadt für die lokale Entwicklung von Innovationen zum Nutzen von Wirtschaft und Bürgern“ gewürdigt.

Mit „Station F“, dem größten Start-up-Campus der Welt, und der Bereitstellung von fünf Prozent des Haushalts für Bürgerprojekte hatte die französische Hauptstadt eine Reihe von überzeugenden Argumenten aufzubieten.

„Ich habe damals Anne Hidalgo gefragt: Was werden Sie mit diesem Geld machen? Sie antwortete, dass sie in Eriwan etwas ‚ganz Besonderes‘ gesehen habe. Das war ein erstaunlicher Zufall, denn ich kannte [die Tumo-Schule] ebenfalls,“ erinnert sich Moedas.

Die Pariser Bürgermeisterin hatte das armenische Projekt 2016 besucht.

In Tumo sieht sie „eine Schule, die das Leben der Schüler prägen wird. Nur wenige Initiativen sind wirklich ausschließlich für Jugendliche gedacht. Dies war die Gelegenheit, das zu ändern.“

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