Österreich will Lehrberufe in EU aufwerten

Das duale Studium existiert in dieser Form bisher nur in wenigen EU-Ländern. [Foto: Shutterstock]

Zwar sind Grenzschutz und Migrationspolitik ganz oben auf der Agenda der österreichischen Regierung während ihres EU-Ratsvorsitzes. Doch auch im Bildungswesen möchte die Alpenrepublik vorangehen.

Österreichs Wirtschafts- und Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck will sich während der EU-Ratspräsidentschaft dem Problem des Fachkräftemangels auf europäischer Ebene annehmen. Sie sieht die Notwendigkeit, für die Aufwertung der so genannten Lehrberufe zu sorgen, um so den Fachkräftemangel in vielen Unternehmen zu lindern. Dabei spielt das in Österreich, Südtirol, Deutschland und der Schweiz praktizierte Modell der dualen Ausbildung eine entscheidende Rolle. Bei diesem System erfolgt die Ausbildung an zwei Lernorten, nämlich einerseits im Betrieb und andererseits an der Berufsschule.

Die duale Berufsausbildung in Deutschland – Blaupause für Europa?

Eine langfristige Strategie zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa, könnte in der Adaption eines dualen Ausbildungssystems in anderen EU-Staaten liegen, das sich in Deutschland seit Jahren gut behauptet.

Meistertitel dem Bachelor gleichsetzen

Ein Grundproblem stellt dabei die Imageproblematik von Ausbildungen  dar. So gilt der Abschluss eines Abiturs noch immer höherwertig als jener einer Lehre. Schramböck sieht daher die Notwendigkeit, die Wertschätzung für Berufsausbildungen zu erhöhen. Dies soll unter anderem dadurch bewerkstelligt werden, dass der „Meistertitel“ mit jenem des „Ingenieur“ beziehungsweise „Bachelor“ gleichgesetzt wird. Damit wird zudem ein Sprungbrett geschaffen, um nach erfolgreicher Lehrausbildung auch an Universitäten weiterstudieren zu können. Die Gleichwertigkeit von Allgemein- und Berufsausbildung herzustellen, könnte so eine echte Chance bieten, für den nötigen Nachwuchs an Fachkräften zu sorgen.

Gerade die Ratspräsidentschaft bietet eine gute Basis, um dieses duale System auch anderen EU-Ländern näher zu bringen und so mittelfristig zu einem europäischen Standard im Bildungswesen zu machen. Dazu kommt, dass – nicht zuletzt eine Folge der Digitalisierung – laufend neue Berufe kreiert werden, die nach entsprechend qualifiziertem und ausgebildetem Personal verlangen. So werden in Österreich im Herbst dieses Jahres die derzeit bestehenden 200 Berufsbilder für Lehrberufe um 15 neue ergänzt. Die vom Wirtschafts- und Infrastrukturministerium geschaffene Digitalisierungsagentur soll dabei gerade der so wichtigen mittelständischen Wirtschaft bei der Bewältigung der neuen technischen Herausforderungen beratend beiseite stehen.

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