OECD warnt: Mittelkürzungen haben Folgen für Bildungsqualität [DE]

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Die EU-Länder müssten ihre Ausgaben aufstocken und damit beginnen, bessere Leistungen für ihr Geld zu verlangen, wenn sie der wachsenden Nachfrage nach höheren Abschlüssen und qualitativ hochwertigerer Bildung nachkommen wollten, meint die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Aus der diesjährigen Ausgabe des OECD-Berichts ‚Bildung auf einen Blick’ geht hervor, dass die Zahl der Studenten, die ein Hochschuldstudium beginnen, zwischen 1995 und 2006 um durchschnittlich 20% zugenommen hat. In Finnland und Polen hat sich diese Zahl in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. 

Obwohl auch der Gesamtbetrag der öffentlichen Gelder, die in die Bildung geflossen sind, in allen OECD-Ländern angestiegen sei, schafften es viele unter ihnen nicht, angemessen auf die rasch zunehmende Studentenzahl zu reagieren, so die Veröffentlichung. 

Dem Bericht zufolge sind die Ausgaben pro Student in Ungarn, den Niederlanden und Schweden während des letzten Jahrzehnts sogar gesunken. Seit 2000 nehmen sie außerdem in Belgien, Deutschland und Irland ab. In diesen Länder werden die Kosten zum größten Teil durch öffentliche Gelder finanziert. 

Die OECD-Studie zeigt, dass die Länder verschiedene Strategien anwenden, um der Herausforderung zu begegnen. Beispielsweise haben die nordeuropäischen Länder ein höheres Niveau öffentlicher Finanzierung akzeptiert und betrachten sie als eine Investition/waren die nordeuropäischen Länder bereit, die öffentlichen Gelder zu erhöhen und als Investition zu betrachten. Großbritannien hingegen hat einen Teil der finanziellen Belastung auf die Studenten übertragen.

Auf der anderen Seite hätten viele kontinentaleuropäische Länder weder den Umfang der öffentlichen Finanzierung ausreichend erhöht, noch die Einführung von Studiengebühren erlaubt, betont die Studie. Dies habe zu finanziellen Problemen für die Institutionen geführt und werde negative Auswirkungen auf die Qualität ihrer Programme haben, fügte sie hinzu. 

Dennoch solle die Erhöhung finanzieller Mittel nicht die einzige Maßnahme sein, um auf die steigende Nachfrage zu reagieren, meint der Generalsekretär der OECD Angel Gurría. Vielmehr müssten Politikentscheidungen und die allgemeine Verwaltung der Institutionen der Hochschulbildung verbessert werden. 

Investitionen in Bildung sollten effizienter gestaltet werden, sagte Gurría und forderte die Länder mit einer schlechten Kosten-Leistungs-Quote auf, andere Modelle in Betracht zu ziehen, durch die die Gelder bestmöglich genutzt werden können (EURACTIV vom 19. September 2007).

In Übereinstimmung mit diesen Erkenntnissen hat auch die Europäische Kommission die 27 EU-Mitgliedstaaten aufgefordert, den der Bildung zugute kommenden Teil des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen. Dadurch solle das Niveau der europäischen Hochschulbildung weltweit an der Spitze stehen und damit ein wichtiges Ziel der Lissabon-Strategie für Wachstum und Beschäftigung umgesetzt werden. Außerdem veröffentlicht die Kommission jährliche Umsetzungsberichte, die die EU-Länder heranziehen können, um die Effizienz ihrer Bildungspolitik zu bewerten. 

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