Führende Unternehmen der Internet- und Telekommunikationsbranche haben sich der Europäischen Kommission angeschlossen und kämpfen nun gemeinsam gegen Gefahren im Internet. Sie schaffen eine neue Internetseite, die den Lehrern dabei helfen soll, eine unangemessene Verwendung des Internets und von Mobiltelefonen seitens der Kinder zu entdecken.
Kinderpornographie und Belästigung („Sexual Grooming“) im Internet und über Mobiltelefone sind zu einem ernsten Problem geworden.
Mehr als zwei von drei europäischen Kindern im Alter zwischen zehn und elf Jahren haben nutzen das Internet regelmäßig, so die Kommission. Der Prozentsatz für Kinder zwischen zwölf und 13 liegt gar bei 85%. Mehr als die Hälfte besitzt ein Mobiltelefon und fast 20% geben an, dass sie mittels dieser neuen Technologien belästigt worden seien. Fast alle sagen, dass sie im Internet pornographische Bilder gesehen haben.
Bemüht, diese Entwicklungen aufzuhalten und um eine gesetzliche Regulierung zu vermeiden, die ihnen nachträglich sein könnte, errichteten die Internet- und Telekommunikationsunternehmen gestern (23. April 2008) eine neue Internetseite: www.teachtoday.eu. Die Webseite richtet sich hauptsächlich an Lehrer und soll deren Bewusstsein für Gefahren im Internet schärfen. Sie soll weiterhin die Lehrer dabei unterstützen, die neuen Technologien so gut wie möglich zu pädagogischen Zwecken zu nutzen.
Es sei zum ersten Mal der Fall, dass Schüler mehr wüssten als ihre Lehrer, sagte Viviane Reding, die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft. Sie sei sich über die „beschämende“ Situation bewusst, in der Ausbildern sich befänden, da sie manchmal Probleme mit den neuen Technologien hätten.
Gleichzeitig, so Reding weiter, sollten Lehrer angespornt werden, Computer so gut wie möglich zu nutzen, da es laut der jüngsten Statistiken der Kommission inzwischen an fast allen Schulen in Europa Internetverbindungen gebe.
Teachtoday.eu wird von einer Bandbreite von Unternehmen, unter ihnen Telecom Italia, Google, Telefonica, Microsoft, Vodafone und MySpace, unterstützt. Die Webseite soll ein einfaches Instrument sei, um die neuen Funktionen von Web 2.0, wie Blogs und Wikis, zu erklären. Sie will das Bewusstsein für einige der besorgniserregendsten Aspekte der neuen Technologien schärfen, wie Missbrauch personenbezogener Daten oder Belästigung im Internet.
Die Europäische Kommission begrüßte diese Bemühung seitens der Industrie und wies auf eine Reihe von neuen Initiativen hin, an denen sie gerate arbeite. Dieses Jahr wird vermutlich die zweite Ausgabe des EU-Programms „Mehr Sicherheit im Internet“ angenommen werden. Die neuen Projekte werden einen Etat von 55 Millionen Euro haben und von 2009 bis 2013 laufen.
Positionen
Die Kommissarin für die Informationsgesellschaft Viviane Reding sagte in einem Kommentar zur Initiative, Kinder wüssten mehr über neue Technologien als die Erwachsenen, sie wüssten aber nicht, wie man Gefahren aus dem Weg gehe. Sie hätten weniger Kontrolle über Informationen, die sie im Internet austauschten, als im richtigen Leben. Die Bilder, die sie in einem Sozialen Netzwerk hochluden, seien heute zwar schön, aber weniger hilfreich, wenn sie sich zehn Jahre später für eine Arbeitsstelle bewerben würden. Man müsse sie zum richtigen Umgang mit den neuen Medien befähigen.
Neue Technologien bedeuteten große Vorteile für Kinder und junge Menschen, es beständen jedoch wesentliche Bedenken über Online-Sicherheit, Belästigung im Internet und Datenschutz, fügte Marc Durando, der Direktor des Europäischen Schulnetzes, eine Vereinigung von 28 Bildungsministerien in Europa, hinzu. Die Lehrer wünschten sich das Know-How, um im Unterricht mit diesen Problemen umgehen zu können, und TeachToday wolle sie dabei unterstützen, die Technologie zu verstehen, fügte er hinzu.
Simon Hampton, der Leiter von European Public Policy and Government Relations bei Google, sagte, man habe sich dem Schutz von Kindern im Internet verpflichtet und werde versuchen, allen Nutzern Sicherheit im Internet zu gewährleisten. Man sei stolz, bei der Einführung der Internetseite TeachToday dabei zu sein, die Lehrer mit den nötigen Instrumenten ausstatte, um einen sicheren Umgang mit dem Internet zu fördern.
Der Vorsitzende von Microsoft Europa Jan Muehlfeit sagte, Microsoft unterstütze auch weiterhin öffentlich-private Partnerschaften wie TeachToday als Vorbilder für ganz Europa, da sie viele unterschiedliche Stakeholder zusammenbringen würden, um an Problemen zu arbeiten, die von großer Bedeutung für die Gesellschaft seien.
Stellvertretend für MySpace sagte Michael Angus, der Chefanwalt von Fox Interactive Media, dass sich Lehrer in einer einzigartigen Position befänden, um den Jugendlichen etwas über Online-Sicherheit beizubringen. Als verantwortungsvolles Unternehmen müsse man mit anderen zusammenarbeiten, um den Lehrern die Mittel zur Verfügung zu stellen, die sie dazu benötigten. MySpace sei stolz, ein Gründungsmitglied dieser Partnerschaft zu sein, um Internetsicherheit in die Schulen zu bringen.
Vittorio Colao, der Europa-Chef von Vodafone, sagte, man befinde sich gegenwärtig mitten in einer Kommunikationsrevolution. Obwohl der Gebrauch dieser neuen Technologie viele Vorteile mit sich bringen würde, habe sich zwischen den Generationen eine digitale Kluft herausgebildet. Vodafone sei der Ansicht, es sei entscheidend, dass die Industrie ihren Teil zur Beseitigung dieser Kluft beitrage – darum unterstütze man teachtoday.com
Hintergrund
Die Europäische Kommission hat bereits 1999 damit begonnen, Initiativen auf nationaler Ebene zu unterstützen, um das Internet für Kinder sicherer zu machen. 2005 wurde das
Programm „Mehr Sicherheit im Internet“ – im Wert von 45 Millionen Euro – ins Leben gerufen. Sein Ziel war es, illegale und gefährliche Inhalte zu bekämpfen, die über das Internet oder mithilfe von Mobiltelefonen verbreitet werden.
Brüssel kofinanziert ebenfalls das Netzwerk „Insafe“, um das Bewusstsein für Sicherheit im Internet überall in Europa zu schärfen und Aktivitäten zu koordinieren. Die EU-Mitgliedstaaten nehmen im Rahmen des jährlich stattfindenden „Tag der Internet-Sicherheit“ (Safer Internet Day) auch regelmäßig an Initiativen teil.
Um Kinder vor einer schädigenden Nutzung von Mobiltelefonen zu schützen, führte die Kommission 2006 eine öffentliche Konsultation durch, um die Notwendigkeit einer Rechtssetzung auf EU-Ebene zu prüfen, um einen derartigen Missbrauch zu verhindern. Dies hat die Industrie veranlasst, sich im Februar 2007 auf freiwilliger Ebene auf eine Reihe von Grundsätzen zu einigen, die ab 2008 angewendet werde sollen (EURACTIV vom 27. März 2007).
Die Internetseite TechToday ist ein Ergebnis dieser Übereinkunft.
Zeitstrahl
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2009: Neues Programm „Mehr Sicherheit im Internet“ für den Zeitraum 2009 bis 2013 beginnt.
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