“Spitzenqualität braucht ein Markenzeichen, und Europa fehlt ein starkes Europäisches Technologieinstitut, das die besten Köpfe und Unternehmen zusammenführt und die Ergebnisse in ganz Europa verbreitet”, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er bezeichnete die Einrichtung des ETI als eine sanfte Revolution für Universitäten.
„Wenn Europa wettbewerbsfähig bleiben soll, müssen wir die Bereiche Ausbildung, Forschung und Innovation enger miteinander verzahnen“, betonte Ján Figel’, EU-Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit.
Die beiden EP-Berichterstatter Jorgo Chatzimarkakis (für CIP, EU-Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation) und Jerzy Buzek (7. Rahmenprogramm) begrüßten die Vorschläge der Kommission, sehen bezüglich einiger Fragen jedoch noch Klärungsbedarf. Unter anderem sind sie der Ansicht, dass es den Wissensgemeinschaften überlassen bleiben sollte, bis wann sie konkrete Forschungsergebnisse liefern. Die Kommission sieht hierfür einen Zeitrahmen von 10 bis 15 Jahre vor. Die Parlamentarier hingegen vertreten die Auffassung, dass der EFR für langfristig angelegte Forschung zuständig sein soll, während das EIT sich auf angewandte Forschung, die relativ schnell Früchte trägt, konzentrieren sollte.
Der Vorsitzende des EP-Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie Giles Chichester hat gesagt: „Die Überprüfung der Lissabon-Agenda von Wim Kok hat darauf hingewiesen, dass ihre Schwachstelle zu viele Schwerpunkte und Zielsetzungen ist. Der Vorschlag zum EIT, der auf die Fersen des EFR-Konzepts im Rahmen von RP7 folgt und neben den facettenreichen Industrieinitiativen und hochrangigen Gruppen von Verheugen steht, deutet für mich an, dass die Kommission Gefahr läuft, das gleiche zu wiederholen“, sagte er. „Aber ein mildernder Faktor wäre, wenn der Vorschlag, das geplante Technologieinstitut in den Gebäuden des Europäischen Parlaments in Straßburg anzusiedeln, angenommen würde. Dann könnten wir Abgeordnete aufhören, uns dort zu treffen und das gesparte Geld könnte helfen, das Institut zu bezahlen!“ so Chichester weiter.
Einige andere EP-Abgeordnete betrachten die Ansiedelung des ETI in Straßburg ebenfalls als eine Lösung für den „Reisezirkus“ des Europäischen Parlaments, das jeden Monat von Brüssel nach Straßburg umzieht.
Die europäische Hochschulverband EUA befürwortet die Etablierung des ETI unter zwei Bedingungen: die Etablierung eines Europäischen Forschungsrats „muss oberste Priorität sei“ und ein ETI müsse mit „neuem Geld“ gebaut werden, und nicht mit Mitteln, die vom EFR abgezweigt würden.
Laut der Liga europäischer Forschungsuniversitäten (Leru) seien die Modelle für das ETI, die zur Debatte stünden, seien gegen Wettbewerb ausgerichtet, würden „nicht die angestrebten kurz- und mittelfristigen Vorteile bringen, sind eng gefasst, einfallslos und von zweifelhafter Tragfähigkeit“.
Die Universitätsgruppe Coimbra erklärt, dass “es zweifelhaft ist, ob die Gründung eines ETI, ob virtuell oder in physischer Form, von direktem Nutzen für die Entstehung einer wissensbasierten europäischen Wirtschaft und die Lissabon-Strategie ist“. Die gesetzten Ziele könnten durch den EFR besser erreicht werden.
Auch Eurochambres ist nicht “überzeugt von der Notwendigkeit eines ETI im herkömmlichen Sinne“. „Der einzige Mehrwert würde in der Bündelung von Wissen, Engagement und Einfluss von Forschern UND Unternehmen von Weltklasse bestehen“, so Eurochambres. Wenn das ETI tatsächlich aufgebaut würde, sollte der Schwerpunkt auf der „kommerziellen Nutzung von Forschung im Rahmen eines integrierten Ansatzes zu Lehrtätigkeiten, Forschung und Technologietransfer“ liegen.
Selbst der Forschungsbeirat der Kommission (EURAB) hat verlauten lassen, die Pläne zur Einrichtung eines High-Tech-Instituts amerikanischen Stils seien zu hochtrabend. Eine Forschungseinrichtung von Weltklasse könne nicht von oben geschaffen werden: „Ein erfolgreiches ETI kann nur aus bestehenden Forschungsgemeinschaften hervorgehen, unterstützt von Anreizen für Forschung und Innovation“.
EU-Forschungskommissar Janez Potocnik hat gesagt, er befürworte den Aufbau eines Netzwerks aus bestehenden Universitäten anstatt der Schaffung einer neuen Einrichtung.
Microsoft-Gründer Bill Gates hingegen unterstützt die Pläne des Kommissionspräsidenten.
Der französische Premier Dominique de Villepin setzt sich dafür ein, dass das ETI in der Nähe von Paris seinen Sitz erhält. Ungeachtet der EU-Entscheidung könnte Frankreich sein eigenes Technologieinstitut bauen.