Kinderarmut nimmt weltweit zu

Auch in Deutschland sind viele Kinder von Armut betroffen. [shutterstock/Slava Samusevich]

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Armut am heutigen Mittwoch hat die OECD eine Studie zur Entwicklung der Kinderarmut veröffentlicht. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

So kommt die Industrieländer-Organisation zu dem Ergebnis, dass Kinder fast überall überdurchschnittlich stark von Armut betroffen sind. Außerdem habe die Kinderarmut seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in 2/3 der OECD-Staaten zugenommen.

„Heute lebt in OECD-Ländern durchschnittlich fast jedes siebte Kind in relativer Armut, wobei Kinder oft einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind als andere Bevölkerungsgruppen. Besonders hoch sind die Raten in Chile, Israel, Spanien, der Türkei und den Vereinigten Staaten, wo mehr als jedes fünfte Kind in Einkommensarmut lebt. Das ist fast siebenmal so viel wie in Dänemark“, heißt es bei der OECD. Dänemark führt gemeinsam mit Finnland die Tabelle an. In den beiden nordeuropäischen Staaten liegt die Kinderarmutsrate bei deutlich unter fünf Prozent.

Besonders stark habe das Armutsrisiko bei Kindern zugenommen, die nur mit einem Elternteil leben. So galten 39 Prozent von ihnen im Jahr 2014 arm. 2007 waren es noch vier Prozentpunkte weniger. Kinder, die mit nur einem Elternteil leben, seien im OECD-Durchschnitt fast dreimal so häufig arm wie Kinder mit zwei Elternteilen. Armut betreffe aber auch Kinder, die mit beiden Eltern aufwachsen. So sei beispielsweise das Einkommen von Kindern in Zwei-Eltern-Familien im unteren Viertel der Einkommensverteilung in zehn Ländern gesunken, darunter Griechenland, Irland, Ungarn, Großbritannien und Spanien.

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Empfohlen wird daher in der Kurz-Studie ein „gezielter Fokus auf benachteiligte Kinder“. So könne die Kinderarmut deutlich verringert werden. Zudem solle die Erwerbstätigkeit beider Elternteile gefördert werden, etwa durch Anreize in den Steuer- und Sozialsystemen. Wichtig sei vielerorts auch eine Verbesserung der Kinderbetreuungsangebote.

Deutschland liegt im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern im Mittelfeld. Hierzulande sind 11,2 Prozent der Kinder von Armut betroffen – im Vergleich zu 8,1 Prozent der Gesamtgesellschaft. Dass die Zahlen eher niedrig erscheinen, hat jedoch auch mit der Armutsdefinition der Organisation zu tun. Demnach gilt als arm, wer über weniger als 50 Prozent des Medianeinkommens des jeweiligen Landes verfügt. In Europa liegt der übliche Grenzwert in der Armutsdefinition bei 60 Prozent. So liegt die deutsche Armutsquote laut der am Dienstag veröffentlichten EU-Statistik bei 19 Prozent – und damit knapp unter dem EU-Durchschnitt von 22,5 Prozent.

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