Keine Rückkehr zum „Rohrstaberl“ aber mehr Augenmerk auf Leistung

Die neue österreichische Bundesregierung beschert der EU gleich Arbeit. Dabei geht es um die Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder. [shutterstock]

In Österreichs Schulen sollen die Zügel wieder strenger angezogen werden. Das lässt sich dem dem Bildungspapier der künftigen ÖVP-FPÖ-Regierung entnehmen.

Aus Filmen der Nachkriegszeit kennt man noch diese Schulszenen: Wenn ein Schüler nicht gehorcht, verpasst ihm der Lehrer einen Schlag mit dem „Rohrstaberl“ über die Hand. Nun, eine Rückkehr zu diesen Methoden wird es auch bei einer ÖVP-FPÖ-Regierung nicht geben. Allerdings will man einige Maßnahmen setzen, die von Schülern und Lehrern mehr Leistung und Einsatz verlangen. Auch will man der Nivellierung, die in den letzten Jahren am Pflichtschulsektor unter anderem als Folge der hohen Zahl von Migrationskindern Platz genommen hat, entgegenwirken.

Tatsächlich hat Österreich, wie der PISA-Test zeigt, im Bildungsbereich Nachholbedarf. Zwar liegen die österreichischen Schülerinnen und Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern im OECD-Durchschnitt, in Mathematik sogar darüber. Dafür lässt allerdings die so wichtige Lesekompetenz zu wünschen übrig. Fast jeder Dritte gehört zur Gruppe der „Risikoschüler“.

Forcierung des Deutschunterrichts

Ein Schwerpunkt, den die nächste Regierung umsetzen will, betrifft daher die Schaffung eigener Vorbereitungsklassen für Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen sowie den Erhalt der Sonderschule. Auch im Sommer sowie an Nachmittagen soll es für diese Gruppe verpflichtenden Unterricht geben. Eingeführt wird auch eine so genannte Bildungspflicht. Das heißt, gewisse Standards (Lesen, Schreiben, Rechnen, Soziale und kreative Kompetenz) müssen erfüllt sein, bevor man die Schule nach neun Schulstufen abschließen kann. Werden die Erfordernisse nicht erbracht, muss die Bildungslaufbahn bis maximal zum 18. Lebensjahr fortgesetzt werden.

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In dem Programm sind auch eine Reihe weiterer Vorhaben enthalten, die sowohl darauf abzielen, den Leistungsgedanken zu fördern, als auch Wert auf gewisse traditionelle Wissensvermittlungen legen. So soll am Ende der dritten Klasse ein standardisierter, verbindlicher „Talente-Check“ stehen. Zu Beginn der siebenten Schulstufe ist wiederum ein „Chancen-Pass“ vorgesehen. Dieser soll dazu dienen, die richtige Wahl des weiteren Bildungsweges zu unterstützen. Erhalten bleiben soll der Religionsunterricht. Für jene, die ihn nicht besuchen, ist ein verpflichtender Ethik-Unterricht geplant.

Rückkehr zur Notengebung

Eine Abkehr gibt es auch vom Trend, Noten abzuschaffen, der vor allem von den Sozialdemokratien in den letzten Jahren gefordert und forciert wurde. Das neue Motto lautet Rückkehr zur „Notenwahrheit“. Demnach wird es wieder ab der ersten Klasse Noten geben, und zwar von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht genügend). Verbale Benotungen sind nur noch zusätzlich möglich.

Nicht nur die Schüler müssen unter Schwarz-Blau damit rechnen, dass ein strengerer Maßstab angelegt wird. Auch von den Lehrkräften will man mehr verlangen. Sie sollen sich künftig verpflichtend fortbilden müssen, und zwar „grundsätzlich“ nicht während der Schulzeit.