(K)eine Frage des Alters: 80-jähriger Spanier wird Erasmus-Student

Der 8ß-jährige Miguel Castillo studiert Geschichte an der Universität Valencia. [Manuel Bruque / EPA]

Er sticht heraus: der 80-jährige Miguel Castillo reist nächste Woche ins italienische Verona – als Erasmus-Student.

Kurz nach seiner Pensionierung erlitt der ehemalige Notar einen Herzinfarkt und musste sich einer vierfachen Bypass-Operation unterziehen. Seitdem blüht Castillo auf: Der dreifache Vater und sechsfache Großvater studiert an der Universität Valencia Geschichte.

„Kurz nach meiner Genesung sagte ich mir: ‚Ich möchte nicht nur Rentnerkram machen.‘ Geschichte hat mich immer interessiert, besonders neueste Geschichte,” erklärt der Rentner gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur Efe.

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Erasmus feiert seinen 30. Geburtstag. Für Bildungskommissar Tibor Navracsics ist das Austauschprogramm „eine der größten Errungenschaften der EU.”

Der Altersunterschied zu seinen Kommilitonen sei kein Problem; er fühle sich wie jeder andere Studierende auch: „Ich werde super behandelt, das Alter ist kein Thema.“ Auch aus diesem Grund ließ sich Castillo nicht zwei Mal bitten, als ein Professor ihm einen Erasmus-Austausch nach Verona nahelegte.

Es sei nicht sein erster Besuch in Italien, tatsächlich habe er bereits zwei Monate in Rom und Bologna verbracht, erzählt Castillo enthusiastisch. Auch in Verona sei er vor 42 Jahren mit seiner Ehefrau gewesen, um den griechischen Opernstar Maria Callas zu erleben.

„Ich würde Leuten in meinem Alter immer raten, nicht zu Hause zu bleiben, sondern sich der Welt zu öffnen. Wir haben der Welt viel zu bieten und können auch noch eine Menge lernen,“ so der betagte Student.

Castillo profitiert von Erasmus+, einem Teil des erfolgreichen Austauschprogramms der EU. Seit ihrem Start vor 30 Jahren haben fast 9 Millionen Menschen an den Erasmus-Programmen teilgenommen.

Aktuell gibt es aber Befürchtungen, Großbritannien könnte mit dem Brexit auch aus dem Austauschprogramm aussteigen. Westminster hat zwar angedeutet, sich weiterhin in Erasmus einbringen zu wollen, eine offizielle Haltung gibt es aber bisher nicht.

Brexit: Tritt Großbritannien auch aus dem Erasmus-Programm aus?

Sollte Großbritannien auch nicht mehr am Erasmus-Programm teilnehmen, könnte dies gerade für Wales „massive“ Auswirkungen haben, so ein ehemalige EU-Beamter.

Einer der Erfinder des Erasmus-Austausches, der Waliser Dr. Hywel Ceri Jones, hatte kürzlich gewarnt, dass die negativen Auswirkungen auf sein Heimatland „massiv“ wären, sollte die britische Regierung es ihren Bürgern nicht mehr ermöglichen, an Erasmus teilzunehmen.

Finanziell wird das Programm allerdings wohl nicht unter dem britischen EU-Austritt zu leiden haben: Haushaltskommissar Günther Oettinger hat bereits versprochen, Erasmus von jeglichen Kürzungen im kommenden mehrjährigen Finanzrahmen der Union auszunehmen.