Das Europäische Parlament hat sich gestern (21. Oktober 2008) darauf geeinigt, das Budget für das EU-Vorzeigeprogramm zur akademischen Mobilität, das zum Ziel hat, hochqualifizierte Studenten und Professoren aus Ländern außerhalb der EU anzuwerben, auf das Vierfache zu erhöhen.
2004 wurde der Startschuss für das Erasmus Mundus-Programm gegeben, das sich an Länder außerhalb der EU richtet. Das neue Programm kann sich auf 20 Jahre Erfahrung mit dem Erasmus-Programm stützen und soll Europa auf diese Weise zu einer führenden Position bei den internationalen Universitäten verhelfen (EURACTIV vom 28. September 2004).
Die Ergebnisse des Pilotprojekts (2004-2008) haben die Europaabgeordneten davon überzeugt, das Budget des Projektes für die nächsten fünf Jahre (2009-2013) von 230 Millionen Euro auf 950 Millionen Euro zu vervierfachen.
In seiner ersten Ausführung wurden im Rahmen des Erasmus Mundus-Programms finanzielle Mittel an 103 internationale Master- und Doktorandenprogramme sowie an Studenten teilnehmender Drittstaaten vergeben. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden 4. 424 Stipendien an Studenten aus Ländern außerhalb der EU vergeben.
Die Gründung von Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen außerhalb der EU-Grenzen diente ebenfalls dazu, das Hochschulwesen der EU auf dem internationalen Markt bekannter zu machen. Von den 323 Universitäten, die an dem ersten Erasmus Mundus-Programm teilnahmen, stammten 58 aus Drittstaaten.
In der zweiten Ausgabe des Programms soll versucht werden, mehr Studenten und Universitäten weltweit einzubinden, um die intellektuelle und wissenschaftliche Elite aus Drittstaaten dazu zu ermuntern, mit und in Europa zu arbeiten und die EU in die Lage zu versetzen, Kontakte mit diesen Ländern zu knüpfen und Synergien im Forschungsbereich zu fördern. Außerdem werden europäische Studenten dank des größeren Budgets in der Lage sein, sich um Stipendien zu bewerben und so an gesponserten/geförderten Graduiertenprogrammen teilzunehmen.
Die parlamentarische Berichterstatterin für das Programm Marielle de Sarnez (ALDE, Frankreich) hob die Bedeutung der Initiative besonders in der aktuellen schwierigen Zeit hervor. Das Programm verleihe Europa in den Augen der restlichen Welt ein positives Image, sagte sie.
In diesem Zusammenhang haben die Europaabgeordneten die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, ihre Visumvergabeverfahren zu vereinfachen und es für qualifizierte Studenten und Wissenschaftler einfacher zu machen, an gemeinsamen Programmen in Bildungseinrichtungen in der EU teilzunehmen.
Mit Blick auf finanziell unterstützte Projekte bestanden die Mitglieder des Parlaments darauf, dass die Kurse in wenigstens zwei EU-Sprachen angeboten werden sollten. Die Sprachenvielfalt gehört in der Tat zu den Prioritäten der Hochschulpolitik der EU.
Die Abstimmung fand vier Tage vor der Veröffentlichung der “Study in Europe”-Internetseite (www.study-in-europe.org) statt, die von der Kommission gefördert wird. Das Portal stellt Informationen über das Hochschulwesen in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und der Türkei zur Verfügung. Staatsangehörige von Drittstaaten, die überlegen, in Europa zu studieren, finden dort Erklärungen zu Zulassungsvoraussetzungen, Informationen zur Finanzierung und eine Beschreibung des Hochschulumfelds ebenso wie Informationen über den Bologna-Prozess.

