EU-Haushalt: Deutlich mehr Mittel für Erasmus+

Mehr als nur Austausch: Einige EU-Abgeordnete und -Beamte sehen Erasmus+ gar als potenziell "treibende Kraft in der Bildung für nachhaltige Entwicklung". [Pfeiffer/Shutterstock]

Mit der Einigung zwischen Parlament und Rat am vergangenen Freitag wird der für das Programm Erasmus+ bereitgestellte Betrag im neuen langfristigen EU-Haushalt auf 26 Milliarden Euro aufgestockt. Das ist fast doppelt so viel wie im vorherigen Zeitraum 2014-2020.

„Erasmus+ ist eine EU-Erfolgsgeschichte, die wir hiermit fortschreiben,“ freut sich Sabine Verheyen, deutsche Europaabgeordnete (EVP) und Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung (CULT) des EU-Parlaments, der für die Verhandlungen über das Dossier mit dem Rat zuständig ist.

Das Parlament habe sich in den Verhandlungen „durchgesetzt“ und eine Aufstockung des ursprünglich geplanten Betrags um weitere 2,2 Milliarden Euro erreicht, zeigte sie sich zufrieden. Das neue Erasmus+-Budget liegt damit um rund 80 Prozent höher als in der aktuellen, zum Jahresende auslaufenden Budgetperiode (14,7 Milliarden für den Zeitraum 2014-2020).

EU-Gipfel schnürt Finanzpaket von 1,8 Billionen Euro

Die EU-Staats- und RegierungschefInnen haben sich am Donnerstag (10. Dezember) auf den zwischen Deutschland, Ungarn und Polen erzielten Kompromiss zur Freigabe des EU-Finanzpakets in Höhe von insgesamt 1,8 Billionen Euro einigen können.

Neben den höheren Mitteln gibt es beim Bildungsaustauschprogramm nun auch neue Schwerpunkte: Insbesondere soll Erasmus+ in Zukunft inklusiver und grüner werden, so die liberale Europaabgeordnete Laurence Farreng aus Frankreich, die ebenfalls im CULT-Ausschuss sitzt. „Wir haben darauf bestanden, dass jede und jeder in der Lage sein sollte, [ins Ausland] zu gehen, unabhängig von der jeweiligen sozialen Situation, wo er oder sie lebt oder ob gegebenenfalls eine Behinderung vorliegt,“ erklärte Farreng im Gespräch mit EURACTIV Frankreich.

Die Abgeordnete zeigte sich ebenfalls „sehr zufrieden“ mit einem „Programm, das auf die aktuelle Zeit und die Zukunft der jungen, aber auch der weniger jungen Menschen zugeschnitten ist“.

Tatsächlich wird der Kreis der Personen, die sich für einen europäischen oder im weiteren Sinne internationalen Austausch bewerben können, nun auch auf Schülerinnen und Schüler, Kindergartenpersonal und Betreuer in Sportvereinen erweitert. Erwachsene, die in das Berufsleben zurückkehren, haben ebenfalls Anspruch auf Mobilität im Rahmen des EU-Vorzeigeprogramms.

„Wir haben den Zugang zu Erasmus+ für diejenigen verbessert, die bisher schlechte bis keine Teilnahmemöglichkeiten hatten. Erasmus+ ist schon lange weit mehr als nur der europäische Austausch von Studierenden, Auszubildenden und Jugendlichen,“ erläutert auch MEP Verheyen.

Ziel: Ein EU-weiter „Bildungsraum“

Wie „ein veritables Sesam öffne dich“ werde das deutlich aufgestockte Budget den Zugang zu allen Bildungsbereichen erleichtern, ist die Direktorin der Erasmus+ Agentur in Frankreich, Laure Coudret-Laut, überzeugt.

Angestrebt werde eine weitere Europäisierung der Bildungseinrichtungen, mit dem Ziel, langfristig einen „Europäischen Bildungsraum“ zu schaffen. Dies ist offenbar eine Vision, die vom Parlament, dem Rat und der Europäischen Kommission geteilt wird, so die Abgeordnete Farreng.

Auf universitärer Ebene will man eine Demokratisierung und Vereinheitlichung der Abschlüsse in Europa erreichen – also weg von der bloßen gegenseitigen Anerkennung, wie sie heute besteht. Es gehe hin zu einem echten „europäischen Abschluss“.

EU-Vorzeigeprojekt: Mehr als 10 Millionen Europäer haben am Erasmus-Programm teilgenommen

Mehr als zehn Millionen Europäer haben in den letzten drei Jahrzehnten am Erasmus-Studentenaustauschprogramm teilgenommen. Dies geht aus den Daten hervor, die die Europäische Kommission am Dienstag im Jahresbericht 2018 über dieses Vorzeigeprojekt der Europäischen Union veröffentlicht hat.

Das neue Budget wird auch verwendet, um zwei andere Initiativen zu fördern, die seit 2018 bestehen: Die sogenannten Zentren der Beruflichen Exzellenz und das Programm DiscoverEU, das 18-jährigen Europäerinnen und Europäern die Chance bietet, Europa mit subventionierten Tickets per Bahn zu entdecken.

Gerade letzteres ist eine Initiative, die sich – wenig überraschend – von Anfang an großer Beliebtheit erfreut hat.

„Treibende Kraft in der Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Programms ist, dass das Thema Umwelt ein integraler Bestandteil von Erasmus+ werden soll: Von nun an werde das Programm Klimaindikatoren enthalten – wie von Laurence Farreng bereits in einem im Juli veröffentlichten Bericht empfohlen.

Auch dies war einer der Punkte, auf den das Europäische Parlament während der Verhandlungen bestand.

Das Ergebnis wird insbesondere von der Fraktion der Grünen/EFA begrüßt. „Wir sind zufrieden, weil [Erasmus+] aus unserer Sicht sowohl grüner als auch inklusiver geworden ist,“ so Romeo Franz, deutscher Europaabgeordneter und Vize-Vorsitzender des CULT-Ausschusses. Das Ergebnis der Verhandlungen „sei ein sehr positives Zeichen, besonders unter den aktuellen Umständen“.

Mit einer Erhöhung der Zuschüsse für diejenigen, die weniger umweltschädliche Verkehrsmittel wählen, und der Entwicklung der „Hybridmobilität“ werde das Programm eine stärkere Rolle beim ökologischen und digitalen Wandel spielen können, meint auch Laure Coudret-Laut.

So könnte sich der Austausch sogar als „treibende Kraft in der Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erweisen.

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