Mit dem ersten Treffen der 18 Mitglieder des Verwaltungsrats hat das Europäische Innovations- und Technologieinstitut (ETI) gestern (15. September 2008) offiziell seine Tätigkeiten aufgenommen. Kommissionspräsident Barroso erinnerte daran, dass die umfassende Beteiligung der Wirtschaftspartner eine Voraussetzung für den Erfolg des ETI sei.
Nun sei der Verwaltungsrat am Zug und er habe einige wichtige Entscheidungen zu fällen, meinte Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso am 15. September 2008. Es sei nun Aufgabe des Rates, Geldgeber aus dem privaten Sektor sowie die innovativsten Unternehmen und die besten Forschungseinrichtungen anzuwerben, fügte er hinzu.
Die Fähigkeit des ETI, Innovationen voranzutreiben und zu entwickeln, werde sich Barroso zufolge unter anderem daran messen, wie erfolgreich es Ideen in Form innovativer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle auf den Markt bringe. In diesem Zusammenhang sei eine umfangreiche Beteiligung der Wirtschaftspartner eine Grundvoraussetzung für den Erfolg des Instituts. Ohne die Wirtschaft gehe das ganze Konzept nicht auf, so der Kommissar.
Unternehmen, von denen Investitionen im Wert von mehreren Milliarden Euros für das ETI erwartet werden, haben jedoch bereits klar gesagt, dass sie sich nur dann an der Unternehmung beteiligen wollen, wenn das ETI konkrete Projekte vorweisen könne und wenn diese Projekte interessant für sie seien (EURACTIV vom 29. Mai 2007).
Auf der Tagesordnung des ersten Treffens des unabhängigen ETI-Entscheidungsgremiums stand die Wahl eines Vorsitzenden. Der Rat ernannte einstimmig Martin Schuurmans für diesen Posten. Schuurmans ist Professor für Physik und ehemaliger Vizevorstand der Philips Forschung/Philips Medical systems (PMS).
Der Verwaltungsrat diskutierte außerdem die Auswahl der ersten zwei oder drei Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC), die bis Anfang 2010 eingerichtet werden sollen.
Die KIC sind der eigentliche Kern des Instituts und sollen die Bemühungen der EU in der bisher nur wenig koordinierten Forschung, der Bildung und im Bereich der Innovation integrieren. Außerdem sollen sie die Fachbereiche der Universitäten, Unternehmen und Forschungsinstitute zusammenbringen, um auf dem Gebiet der Bildung und der Innovation in interdisziplinären strategischen Bereichen zusammenzuarbeiten. Zu den Kernthemen der KIC gehören der Klimawandel, erneuerbare Energien und die nächste Generation der Informations-und Kommunikationstechnik (IKT).
Barroso erklärte, die Vorzeige-Initiative für Innovationsförderung der EU werde die Hindernisse beseitigen, die einem uneingeschränkten Informations- und Ideenaustausch im Wege stehen könnten. Sie wolle außerdem eine „fünfte Grundfreiheit“ – den uneingeschränkten Wissensaustausch – schaffen, indem sie die verschiedenen Akteure der Innovationsbranche dazu ermutige, über ihre bestehenden Kooperationsnetzwerke hinauszugehen und vollständig integrierte Partnerschaften zu entwickeln.
Die 2005 von Barroso eingebrachte Idee, ein europäisches Äquivalent zu dem erfolgreichen Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu schaffen, erntete viel Kritik sowohl innerhalb der Kommission als auch von Akteuren aus dem EU-Forschungs- und Bildungsbereich. Einige glaubten, dass sich das Projekt mit anderen bestehenden Innovationsprojekten der EU überschneiden könnte, während andere befürchteten, dass die Finanzierung des neuen ETI auf Kosten der bereits bestehenden und gut funktionierenden Programme gehen könnte.
Der ursprüngliche Vorschlag der Kommission, ein einziges Universitätsgelände zu errichten und von Universitäten und Unternehmen zu verlangen, ganze Fachbereiche in das Institut zu verlegen, wurde daher wesentlich abgemildert. Das Institut wird nun ein rein virtuelles Netzwerk, in das all diejenigen integriert werden, die zusammen an Projekten und Bildungsaktivitäten arbeiten wollen.

