60.000 kostenlose Interrail-Tickets für EU-Jugendliche

2019 hatte es rund 75.000 Bewerbungen aus ganz Europa für Tickets im Rahmen von DiscoverEU gegeben. [pixel2013 / Pixabay]

Die Europäische Union wird 60.000 Jugendlichen im kommenden Jahr die Möglichkeit finanzieren, die EU per Zug zu entdecken: Das Programm DiscoverEU nimmt damit nach seiner coronavirusbedingten Pause im vergangenen Jahr wieder Fahrt auf.

Die entsprechende Ankündigung kam Anfang der Woche im Europäischen Parlament von Marija Gabriel, der EU-Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend.

Das Programm stellt 18-Jährigen kostenlose Interrail-Tickets zur Verfügung – in der Hoffnung, dass grenzüberschreitende Reisen zu größerer kultureller Annäherung und Erfahrung sowie zu mehr Einigkeit innerhalb des Blocks führen. Die Tickets werden den Mitgliedsstaaten auf Basis der Bevölkerungszahl zugeteilt und können von allen Bürgerinnen und Bürgern beantragt werden, die kürzlich 18 Jahre alt geworden sind.

Die Zahl von 60.000 Tickets für das kommende Jahr ist doppelt so hoch wie üblich, da Menschen, die 2020 ihren 18. Geburtstag feierten, zusätzlich zu denen, die 2021 volljährig werden, antragsberechtigt sein werden.

2019 hatte es rund 75.000 Bewerbungen aus ganz Europa für Tickets im Rahmen von DiscoverEU gegeben.

Kostenlose Zugtickets für die Jugend? Kampagne nimmt Fahrt auf

Die wachsende Kampagne #FreeInterrail fordert ein EU-Programm, das allen jungen Europäern ein kostenloses Interrail-Zugticket ermöglicht.

Das Programm wird voraussichtlich im Oktober wieder für Bewerbungen geöffnet, wobei die erfolgreichen Teilnehmenden dann zwischen März 2022 und März 2023 für einen Zeitraum von 30 Tagen mit ihren Tickets reisen können. Da der weitere Verlauf der Pandemie noch nicht absehbar ist, werden allen Reisenden diesmal ausnahmsweise flexible Buchungen und eine Unterbrechungsversicherung angeboten.

Ab 2022 soll DiscoverEU dann im Rahmen von Erasmus+ gefördert, was bedeutet, dass zumindest theoretisch auch Nicht-EU-Staatsangehörige die Vorteile des Zug-Passes in Anspruch nehmen könnten.

Werbung für Europa, unbekannte Gegenden und Kultur

Teilnehmende müssen vor ihrer Abreise an einem Treffen teilnehmen, in dem die Bedeutung des Programms dargelegt werden soll, sowie während der Reise bei einem „Meet-up“ mit anderen Reisenden an kulturellen Aktivitäten mit Einheimischen teilhaben – vorzugsweise an europäischen Orten mit „historischer, kultureller oder nachhaltigkeitsbezogener Bedeutung“.

Die EU will die jungen Reisenden auch dazu ermutigen, ihren Blick über die „Klassiker“ von Venedig bis Berlin hinaus zu richten. Vielmehr sollten weniger bekannte Ziele in abgelegeneren Gegenden Europas bereist werden.

Die Kommission geht außerdem davon aus, dass das Programm auch der europäische Kulturbranche helfen kann, die besonders unter den Auswirkungen der Pandemie leidet.

Kommissarin Gabriel drückte des Weiteren ihre Hoffnung aus, dass DiscoverEU junge Menschen positiver gegenüber Bahnreisen stimmen wird. Das Programm sei „ein Schlüsselelement“ zur Unterstützung der Ziele im aktuellen „Europäischen Jahr der Schiene“.

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Entwicklungen und Kompromisse

Die Geschichte des DiscoverEU-Programms geht ins Jahr 2014 zurück. Die Idee für kostenlose Interrail-Tickets stammte damals von den Deutschen Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, die das Reisen als eine Möglichkeit ansahen, die europäische Solidarität zu stärken. Die beiden starteten daher eine Petition, die schnell über 40.000 Unterschriften aus der gesamten Union sammelte.

Die Idee wurde später im Europäischen Parlament debattiert. Im Jahr 2017 stimmten die Europaabgeordneten schließlich einem Antrag zu, allen EU-Bürgerinnen und -Bürgern an ihrem 18. Geburtstag einen kostenlosen Interrail-Pass zu schenken. Dieser Vorschlag wurde von der Europäischen Kommission jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass die geschätzten Kosten von 1,6 Milliarden Euro zu hoch seien.

Das DiscoverEU-Programm gilt somit als politischer Kompromiss zwischen den beiden Institutionen: Es bietet etwa 30.000 Personen pro Jahr kostenlose Fahrscheine. Sobald die Mittel via Erasmus+ zur Verfügung stehen, könnte diese Zahl allerdings weiter erhöht werden.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]

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