Lebenslanges Lernen [DE]

Lebenslanges Lernen ist für die EU „das Leitprinzip für allgemeine und berufliche Bildung“. Indem es die soziale Eingliederung und persönliche Entfaltung fördert, trägt das lebenslange Lernen zur Arbeitsvermittlungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit der Menschen bei. Es ist damit ein Kernelement der Beschäftigungs- und Wachstumsstrategie.

Unter lebenslangem Lernen versteht man verschiedene Formen der Weiterbildung zu persönlichen, gesellschaftlichen, sozialen und beruflichen Zwecken, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Bildungsstätten   
Lebenslange Lernen bedeutet, in Menschen und in Wissen zu investieren; , indem die Aneignung  von Grundfertigkeiten , einschließlich Computerkenntnissen, gefördert wird und innovative und flexible Lernmöglichkeiten angeboten werden.  Um die Ziele der Lissabon-Strategie im Bildungsbereich erreichen zu können, muss die Zahl der Erwachsenen, die solche Bildungsangebote nutzen, bis 2010 um vier Millionen erhöht werden.

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Prozentsatz des 25-64 jährigen Bevölkerungsanteil, welcher innerhalb der letzten vier Wochen vor der Umfrage an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen hat. 

Figures: Eurostat Labour Force Survey  Graph: Kommission

In Europa bilden sich weniger Erwachsene weiter als in den Ländern, mit denen es global um wirtschaftliche Vormacht konkurriert. Außerdem variiert die Zahl derer in der EU, die über einen Hochschulabschluss verfügen, an beruflichen Fortbildungsmaßnahmen oder an Erwachsenenbildungsprogrammen teilnehmen, erheblich von Land zu Land. Das hierbei im Allgemeinen verwendete Maß ist der Prozentsatz der erwerbstätigen Bevölkerung, welche innerhalb der letzten vier Wochen an irgendeiner Fortbildungsmaßnahme teilgenommen hat.  Laut der jüngst  veröffentlichten Zahlen der Kommission trifft dies auf zwei Drittel aller Schweden zu.   Hiermit führt Schweden die EU-Rangliste an, dicht gefolgt von den übrigen skandinavischen Staaten und Großbritannien.  Die meisten neuen Mitgliedstaaten, mit Ausnahme Sloweniens und Estlands, schneiden recht schlecht ab, ebenso wie die Mittelmeerländer.

Die angestrebte Schaffung eines Europäischen Raumes für lebenslanges Lernen soll auf Grundlage bestehender  Programme, Strategien und Pläne in den Bereichen Jugend, Beschäftigung, sozialer Zusammenhang und Forschungspolitik geschehen. Es wird weder beabsichtigt, neue Prozesse in Gang zu setzen, noch Gesetze und Vorschriften zu harmonisieren, denn Bildungskompetenzen  liegen auch weiterhin bei den Mitgliedstaaten. 

In ihrer Mitteilung  von 2001 „Den europäischen Raum des lebenslangen Lernens verwirklichen“ verweist die Kommission auf ein altes chinesisches Sprichwort: „Willst du ein Jahr wirken, so säe Korn.  Willst du zehn Jahre wirken, so pflege den Baum. Willst du hundert Jahre wirken, so erziehe einen Menschen.“ 
Die Mitteilung soll einen Rahmen für die Förderung von lebenslangem Lernen schaffen. Die Definition von „lebenslangem Lernen“ wurde vollständig überarbeitet, damit sie die Bedeutung der vier übergreifenden Ziele – persönliche Entfaltung, der aktive und demokratische Bürger, soziale Eingliederung sowie Beschäftigungsaspekte und berufliche Anpassungsfähigkeit – sowie das gesamte Bildungsspektrum  – formales, nicht-formales und informelles – widerspiegelt.  
Es wurden folgende Schwerpunkte gesetzt:

  • Bewertung des Lernens:  Bewertung formaler Abschlüsse und Qualifikationsnachweise sowie die Bewertung von nicht-formalen und informellem Lernen 
  • Zeit und Geld in Lernen investieren: Erforderlich sind höhere Investitionen, ein gezielter Einsatz der Mittel und Instrumente zur Erhöhung privater Investitionen.  Diese Investitionszunahmen sollten von Regierungen und staatlichen Stellen, Arbeitgebern, Sozialpartnern und Bürgern gemeinsam verantwortlich verwaltet werden.  Die Mitgliedstaaten sollten konkrete nationale Ziele festlegen, um das Investitionsniveau in Humanressourcen insgesamt zu steigern.  Die Kommission wird aufgrund von Daten der Mitgliedstaaten eine Übersicht über bestehende Steuervergünstigungen für individuell bzw. betrieblich finanzierte Lernaktivitäten erstellen.  Ziel ist die Identifizierung und Verbreitung guter Praxis.
  • Lernen am Arbeitsplatz – auch in KMU – unterstützen und fördern:  Die Sozialpartner werden gebeten, sich auf allen Ebenen darauf zu verständigen, dass jeder Beschäftigte einen individuellen Fortbildungsplan erhält, der auf einer Beurteilung seiner individuellen Kompetenzen basiert und sich zugleich an betrieblichen Personalentwicklungsplänen orientiert.
  • Beratung und Orientierung: Es soll sichergestellt werden, dass jeder einen einfachen Zugang zu einer qualitativ guten Beratung über  Bildungsangebote innerhalb Europas hat, ungeachtet welcher Altersgruppe er angehört. 
  • Am Arbeitsplatz sollte der Fokus auf die Schaffung von Lernangeboten gesetzt werden, um die Aneignung oder Auffrischung von Grundqualifikationen, wie z.B. Computerkenntnissen, Fremdsprachen, Technikwissenschaften, Unternehmergeist und soziale Fähigkeiten zu ermöglichen

Mit der Entschließung über lebenslanges Lernen vom Juni 2002 hat der Bildungsrat die Initiative der Kommission und ihre Umsetzung  unterstützt.  Anfang 2004 wurden die jährlichen Zwischenberichte über die Fortschritte bei der Erreichung der Ziele der Lissabonstrategie für Aus- und Weiterbildung vom Europäischen Rat und der Kommission angenommen.  

Das Programm zum lebenslangen Lernen 2007-2013

Der Vorschlag der Kommission vom Juli 2004 zur Entwicklung eines integrierten Aktionsprogramms im Bereich des lebenslangen Lernens wurde vom Parlament im Oktober 2006 angenommen. Das neue Programm wird die vier bisherigen Teilprogramme zur Schulbildung (Comenius), höheren Bildung (Erasmus), Berufsausbildung (Leonardo da Vinci) und Erwachsenenbildung (Grundtvig) ersetzen, die Ende 2006 auslaufen. Der Haushalt des neuen Programms wird für den Zeitraum 2007-2013 6,97 Mrd. Euro umfassen. 

Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen

Die Kommission hat im Dezember 2005 einen Vorschlag angenommen, in der sie acht Schlüsselkompetenzen für das lebenslange Lernen benennt: muttersprachliche Kompetenz, fremdsprachliche Kompetenz, mathematische und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz, Computerkompetenz, Lernkompetenz, interpersonelle, interkulturelle und soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz, unternehmerische Kompetenz und kulturelle Kompetenz.

Durch die Festlegung von Schlüsselkompetenzen sollen die Entscheidungsträger, Bildungs- und Ausbildungsträger, Arbeitgeber und die Lernenden auf dem Weg zu einer aktiven Bürgerschaft, sozialer Kohäsion und Arbeitsvermittlungsfähigkeit mit einem Referenzrahmen ausgestattet werden. Das Parlament hat die Empfehlung im September 2006 angenommen.

Der Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR)

Im September 2006 hat die Kommission einen Vorschlag für eine Empfehlung zur Errichtung eines Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR)  angenommen. Der Qualifikationsrahmen soll die Übertragung und Anerkennung der Qualifikationen von Arbeitnehmern erleichtern (für Hintergrundinformationen siehe)

Der vorgeschlagene EQR soll als „Übersetzungsinstrument“ fungieren, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Bildungs- und Weiterbildungsqualifikationen der verschiedenen nationalen Systeme zu verdeutlichen. Ziel ist es, die allgemeine und Erwachsenenbildung in Europa sowie die Berufsausbildung und die Schulungssysteme transparenter und zugänglicher zu gestalten und somit die Mobilität von Studenten und Arbeitnehmern zu erhöhen.

***

Seit Juni 2002 verfügen die europäischen Sozialpartner (ETUC, UNICE;UEAPME, CEEP) über einen eigenen „Framework of actions for the lifelong learning development of competencies and qualifications “.  Sie haben vier Schwerpunkte gesetzt, welche  mit denen der Kommission im Großen und Ganzen übereinstimmen:

  • Identifizierung und Antizipierung der notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen 
  • Anerkennung und Bewertung der Kompetenzen und Qualifikationen 
  • Information, Unterstützung und Hilfestellung 
  • Mobilisierung der notwendigen Ressourcen 

Die Fortschritte der Vereinbarung der Sozialpartner werden in einem jährlichen Fortschrittsbericht festgehalten, welcher ein weites Spektrum der Maßnahmen für lebenslanges Lernen in den Mitgliedstaaten abdeckt.

Die Vereinigung der europäischen Industrie- und Handelskammern (Eurochambres) ist der Auffassung, dass der Europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) die Transparenz im Hinblick auf die unterschiedlichen Qualifikationssysteme verbessern könnte. Der EQR trage somit zur Fortsetzung des Kopenhagen-Prozesses [verstärkte Zusammenarbeit bei der europäischen Berufsausbildung und Weiterbildung] bei und werde auch das lebenslange Lernen sowie die Mobilität fördern und somit der Erfüllung der Lissabonziele dienen, so Eurochambres.

Am 25. Januar 2006 haben die Sozialpartner ihren Fortschrittsbericht über den „Framework for actions for the lifelong learning development of competencies and qualifications“ veröffentlicht.  In diesem Bericht beurteilten sie ihre Arbeit zur Verbreitung und Aufklärung als „sehr erfolgreich“.

Im Gegensatz hierzu hieß es in dem Kommissionsbericht  über die erreichten Fortschritte bezüglich der Aus- und Weiterbildungsziele der Lissabonstrategie, dass es immer noch eine große Herausforderung sei, Erwachsene zu der Teilnahme an Maßnahmen für lebenslanges Lernen zu motivieren.  Der Bericht kommt zu folgendem Ergebnis:

  • Die Teilnahme Erwachsener an Maßnahmen für lebenslanges Lernen nähert sich dem für 2010 gesetzten Richtwert, allerdings wird der erzielte Fortschritt aufgrund von Datenlücken in einigen Mitgliedstaaten überbewertet.
  • Dennoch bestehen auch weiterhin Ungleichheiten beim Zugang zu Lernangeboten.  Bei Erwachsenen mit einem hohen Bildungsniveau ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen sechs Mal höher als bei geringer Qualifizierten.  Des Weiteren nehmen wesentlich weniger ältere Menschen an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen teil.
  • Eine Steigerung der Teilnahme Erwachsener an Maßnahmen des lebenslangen Lernens ist auch auf regionaler Ebene eine Herausforderung.  Einige Regionen der EU liegen auch dann zurück, wenn ihr eigenes Land im Allgemeinen eine höhere Beteiligungsrate aufzuweisen hat.
  • Die politischen Maßnahmen zur Erhöhung der Teilnahme an Maßnahmen des lebenslangen Lernens sollten daher insbesondere auf geringer ausgebildete und ältere Bevölkerungsschichten sowie die regionale Dimension ausgerichtet werden.  
  • Daher ist es entscheidend, dass die Mitgliedstaaten 2006 ihrer Verpflichtung nachkommen, eine umfassende und kohärente Strategie für lebenslanges Lernen umzusetzen.

Für Unternehmen sollte der Schwerpunkt darauf gelegt werden,  Kapazitäten und Anreize zum lebenslangen Lernen zu schaffen und die Fähigkeit, sich an neue Änderungen oder Herausforderungen anzupassen, zu entwickeln.  Lebenslanges Lernen ist der Schlüssel zu Erwerbsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und einer aktiven Bürgerschaft, die miteinander welche mit anderen interagiert.

Für NGOs stehen Vorteile des Lernens im Vordergrund, welche nicht direkt mit den Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes in Verbindung stehen, welche aber für den sozialen Zusammenhalt und die aktive Bürgerschaft von Bedeutung sind.

Die Europäische Hochschulvereinigung  teilt den Standpunkt, dass zusätzliche Fähigkeiten für gesellschaftliches Engagement ebenso wichtig sind wie für berufliche Qualifikationen.  Die europäischen Hochschulen sehen das lebenslange Lernen als eine ihrer allgemeinen Verpflichtungen an, betonen aber gleichzeitig, dass hierfür Investitionen von Seiten der Regierungen in die Ausbildung von Lehrern und Ausbildern, in die – formale, nicht-formale und informelle  Ausbildung- notwendig sind.

Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die einen Bericht zum Vorschlag der Kommission über Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen im September 2006 angenommen haben, riefen die Mitgliedstaaten dazu auf, verschiedene nationale Strategien im Hinblick auf das lebenslange Lernen umzusetzen. Auch wenn die Idee des lebenslangen Lernens mittlerweile weit verbreitet sei und die möglichen Vorteile für die wissensbasierte Gesellschaft anerkannt seien, würden viel zu wenige Menschen nach dem Schulabschluss neue Fähigkeiten erwerben, so die Europaabgeordneten.

  • 1. Januar 2007: Das neue Programm ersetzt Comenius, Erasmus, Leonardo da Vinci und Grundtvig. Die offizielle Auftaktveranstaltung zum neue Bildungsprogramm findet im Mai 2007 statt. 
  • April 2008Empfehlungen für die Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens für das lebenslange Lernen werden angenommen.

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