IT-Qualifikationen [DE]

Gemeinsam bemühen sich Unternehmen und die EU, so viele EU-Bürger wie möglich mit dem Umgang mit dem Computer vertraut zu machen.  Die EU-Bürger profitieren nicht nur beruflich sondern auch privat davon und auch für die Wirtschaft ist der potentielle Nutzen enorm.

Fähigkeiten im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) werden für das Berufsleben immer wichtiger. Menschen, die in diesem Bereich nur über geringe Kenntnisse verfügen, müssen auf dem Arbeitsmarkt große Nachteile hinnehmen. Die Formulierung und die Einschätzung von Qualifikationsanforderungen sind meistens recht unklar, was dazu führt, dass Unternehmen Schwierigkeiten haben, Arbeitnehmer mit bestimmten Fähigkeiten einen geeigneten Arbeitsplatz zuzuweisen. Andererseits bleiben Kompetenzen häufig ungenutzt, weil Arbeitnehmer dort eingesetzt werden, wo sie ihre Fähigkeiten nicht voll nutzen können.

Aus einem Bericht von Eurostat von Juni 2006 zu den IT-Fähigkeiten der Europäer ging hervor, dass 37% der Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in den Ländern der EU-25 über keine grundlegenden Computerkenntnisse verfügten. Laut der OECD könnten 20% der gesamten Beschäftigung in der EU aufgrund eines wachsenden Mangels an IT-Fähigkeiten in Europa ersetzt werden.

Der Begriff IKT-Kompetenzen (“e-Skills”) bezieht sich sowohl auf die Fähigkeiten von IT-Experten als auch von IT-Nutzern. Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsausbildung (CEDEFOP), unterscheidet drei Zielgruppen:

  • IKT-Experten, die sich mit IT-Fähigkeiten beruflich beschäftigen und entsprechende Kompetenzen in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Gestaltung und Management, Produktherstellung, Beratung, Marketing und Verkauf, Integration, Installation, Verwaltung, Pflege und Unterstützung von IKT-Systemen benötigen
  • IKT-Nutzer, die Fähigkeiten zur effektiven Anwendung der IKT-Systeme und –Geräte für ihre berufliche Tätigkeit benötigen
  • ‚E-Business’, das Fähigkeiten erforderlich macht, die die Nutzung von IKT ermöglichen, damit im E-Business tätige Organisationen effizienter und effektiver arbeiten können. 

Insgesamt könnte die europäische Wirtschaft effektiver, produktiver und wettbewerbsfähiger werden, wenn sichergestellt wäre, dass bessere Fähigkeiten an der richtigen Stelle eingesetzt würden. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Informations- und Kommunikationstechnologien, wo die Kenntnisse und Fähigkeiten sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. 45% aller europäischen Arbeitnehmer und 73,5% der Büroangestellten nutzen für ihre Arbeit einen Computer. Dennoch konnten nur 16% der Arbeitnehmer von einer von ihrem Arbeitgeber bezahlten IT-Schulung profitieren. Die meisten Arbeitnehmer müssen sich selbst mit dem Umgang mit einem Computer vertraut machen. Diese Zahlen haben sich seit der Veröffentlichung des Grünbuches der Kommission „Leben und Arbeiten in der Informationsgesellschaft: Im Vordergrund der Mensch“ aus dem Jahr 1996 kaum geändert. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigte das Ergebnis einer Anhörung, dass Fähigkeiten im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien gefördert werden müssen, um so zu verhindern, dass die Informationsgesellschaft diejenigen ausschließt, die ohnehin bereits in der Gesellschaft benachteiligt werden.

Im Jahr 1999 wurde Career Space – eine von der Kommission geförderte  und von der Wirtschaft getragene Initiative – mit dem Ziel gestartet, Lücken und Unterschiede im Hinblick auf IKT-Fähigkeiten auszugleichen. Auch das informelle Ministertreffen zu Beschäftigung und Telekommunikation beschäftigte sich zwei Jahre später im schwedischen Lulea mit dieser Frage.

Im Jahr 2001 hat die Kommission eine hochrangige Task Force für Qualifikation und Mobilität eingesetzt, die in ihrem Endbericht empfahl: „Die Mitgliedstaaten müssen dafür sorgen, dass alle Bürger die grundlegenden Fertigkeiten erwerben, unter anderem Lesen, Schreiben und Rechnen, IKT-Kenntnisse (besonders IKT-Kenntnisse im Rahmen von Initiativen wie dem Europäischen Computer-Führerschein) sowie soziale Kompetenzen wie Teamgeist, Problemlösungsstrategien und die Fähigkeit zu lernen. Die Mitgliedstaaten sollten sicherstellen, dass diese Fertigkeiten bis zum Alter von 16 Jahren erworben werden, dieses Ziel sollte bis 2006 erreicht sein.“

Zudem empfahl die Task Force: „Die Mitgliedstaaten sollten öffentlich-private Partnerschaften bei den Unternehmen und im öffentlichen Sektor fördern, um so den Bedarf an IKT und E-Business-Qualifikationen besser beurteilen und die Fertigkeiten definieren und vorrangig behandeln zu können, die dem Bedarf der Industrie
entsprechen, um weiter auch detaillierte Qualifikationsprofile (etwa analog zu den Grundsätzen des Career Space Consortium im IKT-Sektor) und entsprechende Lehrpläne und Einrichtungen schaffen zu können, und schließlich um das e-Learning zu fördern“.

Verschiedene Konferenzen  haben sich seitdem mit Fragen rund um Informations- und Kommunikationstechnologien beschäftigt. Im Jahr 2005 erklärte die Kommission bessere Bildung und Fertigkeiten  zur einer der zehn Prioritäten ihrer Strategie für Wachstum und Beschäftigung.

Digitale Kluft: Eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren bestimmt, ob eine Person über ausreichende Fähigkeiten im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien verfügt. Ländern, in denen das Internet weit verbreitet ist – wie Deutschland, Belgien oder die skandinavischen Ländern – haben gegenüber Ländern wie Polen und Griechenland mit einer geringen Internetverbreitung Vorteile. Außerdem sind Geschlecht, soziale Herkunft und Beruf wichtige Faktoren entscheidend:   So  sind Männer gegenüber Frauen und hoch qualifizierte Menschen und Büroangestellte gegenüber Menschen mit einem geringeren Ausbildungsstand und Arbeitern besser gestellt. Menschen mit Einwanderungshintergrund haben gegenüber Inländern und arme gegenüber reichen Menschen Nachteile. Werden keine Maßnahmen ergriffen, kann der Mangel an IKT-Kenntnissen gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringen und dazu führen, dass benachteiligten Menschen Möglichkeiten verwehrt bleiben.   

Zertifizierung / Bescheinigung erworbener Kenntnisse: Studien belegen, dass Arbeitnehmer mit nachgewiesenen IT-Qualifikationen bei ihrer Einstellung ein besseres Gehalt angeboten bekommen – unabhängig davon, ob es sich um eine Beschäftigung in der IT-Branche handelt oder nicht. Das Thema beschäftigte auch einen Workshop in Brüssel. Der Kopenhagen-Prozess verfolgt das Ziel Information, Anleitung und Beratung auf allen Ebenen der Ausbildung, Schulung und Beschäftigung zu stärken, insbesondere im Hinblick auf den Zugang, die Übertragbarkeit und Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen. Ein Beispiel für eine entsprechende Bescheinigung bildet der Europäische Computer-Führerschein. Die von Microsoft angebotenen IT Academies bieten den Absolventen unterschiedliche Zertifizierungsprüfungen an. 

Bei der Eröffnungsveranstaltung des Führungsvorstands für IT-Qualifikationen sagte der Vize-Präsident der Kommission Günter Verheugen, dass es nun eine breite Einigkeit über die wichtigsten Herausforderungen und Schlüsselkomponenten der langfristigen Absichten zu IT-Qualifikationen gebe. Sie bestünden grundsätzlich aus Folgendem:

  • längerfristige Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Behörden, der Industrie, Akademikern, Gewerkschaften und Verbänden durch anpassbare und nachhaltige Partnerschaften mehrerer Entscheidungsträger;
  • Investition in Personal, um ausreichende Investitionen aus dem öffentlichen und privaten Sektor in die Vermittlung von IT-Kenntnissen sicherzustellen;
  • Attraktivität und Förderung von Wissenschaft, Mathematik sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Rollenmodelle, Arbeitsplatzprofile als auch Karriereaussichten;
  • Beschäftigungsfähigkeit, digitale Integration und die Entwicklung von Computerkenntnissen, die auf die Bedürfnisse von durch Ausschluss bedrohter Gruppen zugeschnitten sind, und;
  • Lebenslanger Erwerb von IT-Kenntnissen und die Förderung besserer, vermehrter benutzerzentrierter Ansätze zu elektronisch unterstütztem Lernen (E-Learning).

Anlässlich der Bildung der European Alliance on Skills for Employability (Europäischen Allianz über Qualifikationen für Arbeitsfähigkeit) sagte Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla, die EU befinde sich in der wichtigsten Phase ihrer Wachstums und Beschäftigungsstrategie und die Öffentlichkeit erwarte Ergebnisse. Wie Špidla weiter ausführte, könnten die Wettbewerbsfähigkeit Europas und die Bürger von der Partnerschaft zwischen den Mitgliedstaaten und der Privatwirtschaft nur profitieren. Der Beschäftigungskommissar begrüßte die Bildung der European Alliance on Skills for Employability. Sie sei ein führendes Beispiel dafür, wie die innovative Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen mit verschiedenen Stakeholdern neue Möglichkeiten für arbeitslose Europäer schaffen könne. Zugang zu Weiterbildung, zur Vermittlung von Wissen und die Zertifizierung von Fähigkeiten könne vor allem älteren Arbeitnehmern, Menschen mit Behinderungen und jungen von Arbeitslosigkeit und der sich ändernden Arbeitswelt bedrohten Europäern helfen und somit zum Wohlstand in Europa beitragen, sagte Špidla.

Der Kommissar für Bildung und Kultur, Ján Figel, sagte: „Eine kognitive, d h. auf Bildung basierende Gesellschaft unter Einbeziehung aller Bürger stellt die bestmögliche Garantie gegen die Ausgrenzung dar, denn Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen sind das wichtigste Kapital der Bürger Europas. IKT-Kompetenzen kommt wiederum im Kontext des lebenslangen Lernens eine herausragende Bedeutung zu. Trotz dieser Tatsache sind nur 10 % der Bevölkerung Europas in den Prozess des lebenslangen Lernens integriert. Der IKT-Bereich verfügt über das Potenzial, Innovation und lebenslanges Lernen für alle zu ermöglichen. Uns fällt die Aufgabe zu, dieses Potenzial in die Praxis umzusetzen.“

Viviane Reding, das für Informationsgesellschaft und Medien verantwortliche Kommissionsmitglied, sagte: „Durch den Mangel an qualifiziertem IKT-Personal wird der Einsatz neuer IKT-Anwendungen in der Wirtschaft gebremst und es werden Milliarden von Euro nicht in Europa, sondern in die dynamischen Wirtschaften der Schwellenländer investiert, in denen jedes Jahr hunderttausende neuer Ingenieure ihre Qualifikationen erwerben. Der Computer-Analphabetismus bleibt mit einem Prozentanteil von immer noch beinahe 40 % weiterhin ein Merkmal der digitalen Kluft in Europa. Wir können es uns nicht länger leisten, die Talente von Millionen EU-Bürgern ungenutzt zu lassen, indem sie aus der Informationsgesellschaft ausgeschlossen werden. Sowohl die Mitgliedstaaten als auch die Industrie haben die Aufgabe, sich zu konkreten IKT-Kompetenz-Strategien zu bekennen.“

Jan Muehlfeit, der Vorsitzende von Microsoft Europe sagte zur Kommissionsmitteilung „e-skills for the 21st century'“ (deutsch: IT-Qualifikationen für das 21. Jahrhundert), dass man diese Mitteilung voll unterstütze und weiterhin seinen Beitrag zur Realisierung der EU-Agenda für IT-Qualifikationen leisten werde. Der Mangel an Kenntnissen bedrohe die Wettbewerbsfähigkeit und das Soziale Gleichgewicht in Europa. Man müsse weniger reden und mehr handeln. Die Europäische Kommission und die Wirtschaft seien dabei und man erwarte von den Mitgliedstaaten der EU, eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des Aktionsplans für IT-Qualifikationen zu spielen. Microsoft sei entschlossen, in ein beschäftigungsfähigeres, gebildeteres und wettbewerbsfähigeres Europa zu investieren.

Hugo Lueders, Direktor Public Policy Europe bei CompTIA (Computing Technology Industry Association) und Leiter des Sekretariats der Alliance on Skills for Employability (Europäischen Allianz über Qualifikationen für Arbeitsfähigkeit), sagte in einem Interview mit EURACTIV, höhere Investitionen in „Qualifikationen für Arbeitsfähigkeit“ seien vor dem Hintergrund der 20 Mio. Arbeitslosen in Europa, der alternden Bevölkerung und wachsendem Wettbewerbsdruck für den Erfolg der europäischen Wachstums- und Beschäftigungsstrategie entscheidend.

Die Präsidentin der Plattform der europäischen sozialen NGOs (Social Platform) Anne-Sophie Parent sagte im Hinblick auf die von großen Unternehmen geschaffenen Arbeitsplätze, dass neben den blanken Zahlen das Augenmerk auch auf der Qualität der Arbeitsplätze liegen müsse. Sie betonte, dass vor allem benachteiligte Gruppen Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen sollten und dafür auch die Möglichkeit erhalten müssten, Fähigkeiten in den Bereichen Internetkommunikation und –Technologien zu erwerben. Dabei gehe es neben dem Erwerb von Kenntnissen auch darum, Zugang zum Internet zu haben. Parent forderte, den Internetzugang  zu einer Dienstleistung von allgemeinem Interesse zu erklären. Die Mitgliedstaaten sollten dafür Sorge tragen, dass alle Bürger einen Zugang erhielten, so Parent.

  • Oktober 2006: Die ‚European e-Skills 2006 Conference’ (Konferenz zu Europäischen IT-Qualifikationen 2006), Nachfolger der Veranstaltungen von 2002 und 2004, im griechischen Thessaloniki. 
  • 7. Juni 2007: Die größten Unternehmen der IT-Industrie, einschließlich Microsoft, Oracle, Cisco und HP sowie eine Reihe von Organisationen im Bereich Qualifikation und Training, wie CompTIA und Global Knowledge, haben den Führungsvorstand für IT-Qualifikationen errichtet, um die Fähigkeiten ihrer Mitglieder, Computerkenntnisse zu verbessern, wirksam einzusetzen. 
  • 7. September 2007: Die Kommission legt die Mitteilung „E-Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert“ für Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung vor. 
  • 2010: Die European Alliance on Skills for Employability (Europäische Allianz über Qualifikationen für Arbeitsfähigkeit) strebt bis die Fortbildung im IT-Bereich von über 20 Millionen Europäern an.

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