Bologna-Prozess [DE]

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Der Bologna-Prozess möchte einen Europäischen Raum der weiterführenden Bildung bis 2010 errichten. Zu den Zielen gehört eine Hochschulreform sowie die Ausräumung aller Hemmnisse für die Moblitität von Studierenden und Lehrenden.

Am 25. Mai 1998 unterzeichneten die Bildungsminister von Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien die Sorbonne-Erklärung zur Vereinheitlichung des europäischen Hochschulsystems. Diese Erklärung diente als Grundlage für die Erklärung von Bologna.

Die Erklärung von Bologna, die den so genannten „Bologna-Prozess“ einläutete, wurde in Bologna im Juni 1999 von 29 europäischen Bildungsministern unterzeichnet. Angestrebt wurde dabei eine weit reichende Reform des gesamteuropäischen Bildungssystems. Die Länder verpflichteten sich, ihre Hochschulsysteme zu reformieren, um sie anzugleichen.

Der Bologna-Prozess basiert auf der Anerkennung der Tatsache, dass obwohl es zwischen den verschiedenen europäischen Hochschulbildungssystemen große Unterschiede gibt, sie vor den gleichen internen und externen Herausforderungen stehen, sei es bezüglich der Ausbreitung und Diversifizierung der höheren Bildung, der Arbeitsfähigkeit der Hochschulabgänger, des Mangels an Kenntnissen und Kompetenzen in wichtigen Bereichen oder der Ausweitung privater und transnationaler Hochschuleinrichtungen.

Der Bologna-Prozess schloss 1999 29 und 2007 46 Vertragsländer ein. Zu den derzeitigen Mitgliedern gehören alle EU-Mitgliedstaaten (Belgien schließt Flandern und die frankophone Gemeinschaft ein), Albanien, Andorra, Armenien, Aserbeidschan, Bosnien und Herzegowina, Georgien, der Heilige Stuhl, Island, Kroatien, Liechtenstein, Moldau, Montenegro, Norwegen, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Russland, Serbien, Schweiz, Türkei und Ukraine.

Der Prozess wird durch die zweijährig stattfindende Bildungsministerkonferenz geleitet, die hinsichtlich der Fortschritte, die seit 1999 erreicht wurden, Bilanz zieht, und die Prioritäten für die kommenden Jahre festlegt.

Laut der Erklärung von Bologna müssen bis zum Jahr 2010 folgende Reformansätze verwirklicht werden, um einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen und den Bildungsstandort Europa weltweit attraktiver zu machen:

  • Schaffung eines Systems verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, einschließlich der Einführung von Diplomzusätzen;
  • Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor und Master): Zugang zur zweiten Abschlussstufe wird nur nach erfolgreichem Abschluss des ersten Studienzyklus, welcher mindestens drei Jahre dauern muss, gewährt. Der Bachelor-Abschluss attestiert eine für den europäischen Arbeitsmarkt relevante Qualifikationsebene. Der zweite Studienzyklus ermöglicht die Erwerbung des Master und/oder Doktorgrades;
  • Einführung eines Leistungspunktesystems – in Anlehnung an das European Credit Point Transfer System (ECTS) – als Mittel zur Unterstützung der momentan sehr verstreuten Mobilität von Studenten. Leistungspunkte können auch auf anderen Wegen, als der klassischen höheren Bildung, erworben werden, unter anderem auch durch Lebenslanges Lernen, wenn sie von den entsprechenden Universitäten als solche anerkannt werden;
  • Mobilitätsförderung durch Beseitigung von Hemmnissen, die einer effektiven Bewegungsfreiheit im Wege stehen. Studierende sollen einfacheren Zugang zu Studien- und Fortbildungsmöglichkeiten außerhalb ihres Heimatlandes bekommen. Erfahrung von Lehrkräften, Forschern und Verwaltungsangestellten, die im Laufe von Forschungs-, Lehr- und Aufbauperioden im europäischen Rahmen akkumuliert wurde, soll angerechnet und aufgewertet werden, ohne dass die gesetzlich festgelegten Rechte der jeweiligen Person dabei beeinträchtigt werden;
  • Förderung der Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung mit dem Ziel vergleichbare Kriterien und Methoden zu entwickeln;
  • Förderung der notwendigen europäischen Dimension der Hochschulbildung, vor allem in den Bereichen Lehrplanentwicklung, interuniversitäre Zusammenarbeit, Mobilitätsschemata und integrierte Studien-, Aufbau- und Forschungsprogramme.

Im Jahr 2001 kamen 32 europäische Bildungsminister in Prag zusammen, um die Erklärung von Prag zu unterzeichnen, welche den Bologna-Prozess durch drei wichtige Aspekte ergänzte:

  • Lebenslanges Lernen;
  • Beteiligung von Studierenden;
  • Erhöhung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulraums für Studierende aus anderen Teilen der Welt (unter anderem unter dem Aspekt der grenzüberschreitenden höheren Bildung).

Während des Gipfeltreffens 2003 in Berlin beschlossen die Bildungsminister:

  • bis zum Jahr 2005 effektive Qualitätssicherungssysteme einzuführen, die auf dem zweistufigen System (Bachelor - Master) und einem verbesserten System zur Anrechnung von Abschlüssen und Studienleistungen basieren würden;
  • das Doktorandenstudium in die Bologna-Reformen einzubeziehen, so dass der europäische Hochschulraum enger mit dem europäischen Forschungsraum verknüpft wird;
  • nochmals zu bekräftigen, dass Hochschulbildung ein öffentliches Gut ist und in der Verantwortung der Öffentlichkeit liegt und dass der soziale Aspekt des Bologna-Prozesses von hoher Bedeutung ist;
  • nötige Maßnahmen zu treffen, um nationale Kredite und Stipendien zugänglicher zu machen; die Beteiligung von Universitäten und Studentenvereinigungen am Bologna-Prozess zu stärken.

Während des Gipfels 2005 in Bergen (siehe EURACTIV vom 24. Mai 2005) erklärten die Bildungsminister, dass sie bis zur Konferenz in London im Jahr 2007 in folgenden Bereiche Fortschritte erzielen wollen:

  • Umsetzung der Standards und Richtlinien für die Qualitätssicherung, wie sie im Bericht des Netzes für die Qualitätssicherung (ENQA; European Network of Quality Assurance) vorgeschlagen wurden;
  • Umsetzung der nationalen Qualifikationsrahmen;
  • Die Vergabe und Anerkennung von gemeinsamen Abschlüssen, einschließlich auf Doktorantenebene;
  • Schaffung flexibler Lernpfade auf Hochschulebene, einschließlich Verfahren für die Anerkennung von voraus gegangener Ausbildungen.

In der Bildungsministerkonferenz 2007 in London (siehe EURACTIV vom 21. Mai 2007) haben die Bildungsminister eine Mitteilung angenommen, welche

  • die Basis für die Schaffung eines Europäischen Registers von Agenturen zur Qualitätssicherung [ein öffentliches Register von Agenturen, das die Qualität von Institutionen der Hochschulbildung bewertet], um das Vertrauen in die europäische Hochschulbildung zu stärken und um die gegenseitige Anerkennung von Qualitätssicherung zu ermöglichen, und;
  • eine Strategie für die externe Dimension des Bologna-Prozesses (Europäischer Hochschulraum in einem globalen Kontext), um Informationen über den europäischen Hochschulraum zu verbessern, und dessen Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Während der Bildungsministerkonferenz in London im Mai 2007 hat der Kommissar für Bildung Ján Figel’ die Notwenigkeit weiterer Maßnahmen zur Modernisierung der Hochschulbildung in Europa betont. Die Regierungen sollten den Institutionen mehr Autonomie geben, so Figel’. Die Universitäten sollten den Inhalt ihrer Lehrpläne modernisieren, virtuelle Campus schaffen, ihre Führungsstrukturen reformieren sowie ihre Personalwirtschaft, Investitionen und administrative Vorgänge professioneller gestalten, ihre Finanzierungsmöglichkeiten diversifizieren und sich für neue Lernende, Unternehmen und die gesamte Gesellschaft öffnen, erklärte Figel’.

European University Association (EUA), der Verband europäischer Universitäten, forderte von den Bildungsministern mehr Autonomie und Finanzierung für die Universitäten, um sicherzustellen, dass Europa mit dem Rest der Welt konkurrieren könne. Die Erklärung der EUA mit dem Titel „Europe’s Universities beyond 2010: Diversity with a common purpose“ (Europas Universitäten nach 2010: Vielfalt mit einem gemeinsamen Ziel) betont die Notwendigkeit von mehr Autonomie, da dies den Wissenstransfer zwischen der Wirtschaft und den Universitäten stärken und private Finanzierungen für Universitäten gewinnen würde.

Lesley Wilson, der Generalsekretär der EUA, sagte, wenn man nicht entscheiden könne, wen man einstellen wolle, und wofür man das Geld ausgeben solle, werde man sich nie verändern können.

BusinessEurope erklärte, dass die Steigerung der Vermittlungsfähigkeit von Graduierten entscheidend für einen besseren Funktionsablauf des europäischen Arbeitsmarktes sei. Die Entwicklung hin zu einer prozessorientierten und interdisziplinären Arbeitsorganisation benötige zunehmend Angestellte, die sich anpassen, problemlösende Fähigkeiten entwickeln und in Teams arbeiten könnten. Die Beschäftigungsfähigkeit von Graduierten müsse daher eines der wichtigsten Anliegen der Universitäten und anderer Institutionen der Hochschulbildung werden. Dies müsse sich ebenfalls stärker in der Gestaltung der Studienkurse niederschlagen und eines der Hauptkriterien für die Qualität zukünftiger Abschlüsse werden.

Die National Unions of Students (ESIB) veröffentlichte im Vorfeld der Bildungsministerkonferenz 2007 eine Studie mit dem Titel „Bologna With Student Eyes“ (Bologna durch die Augen der Studenten). Der Bericht analysiert, wie die Verpflichtungen des Bologna-Prozesses in der Praxis auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Er wirft den europäischen Regierungen vor, nur diejenigen Verpflichtungen zu wählen, die ihren nationalen Tagesordnungen entsprächen, und gleichzeitig andere zu vernachlässigen. Zum Beispiel sorgten sich nur wenige um die soziale Situation der Studenten in ihren Ländern, obwohl die soziale Dimension als eine der Prioritäten des Bologna-Prozesses für zwei Jahre festgelegt wurde, erklärte die Vorsitzende der ESIB, Koen Geven. Sie warnte davor, dass dieser „à la carte“-Ansatz den Erfolg des Bologna-Prozesses gefährde.

Laut ESIB solle die soziale Dimension das Kernstück des Bologna-Prozesses sein. Dies schließe Fragen der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit hinsichtlich des Zugangs und der Abschlusses des Studiums ein.

Die European Association of Institutions in Higher Education (EURASHE) hält bei der Schaffung des europäischen Hochschulraums folgende Punkte für besonders wichtig:

  • Die Schaffung von Netzwerken und Mechanismen zwischen Fachhochschulen, Universitäten und anderen Hochschulinstitutionen;
  • Weitere Ausbreitung und Vertiefung der Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern, besonders aus der Studentenschaft, der Wirtschaft und der Industrie.
  • August 2006: Der Verband der Universitäten, der European University Association (EUA), und der Wissenschaftsverlag RAABE veröffentlichten das 
    Bologna Handbook
    . Das Handbuch soll Angestellten des Hochschulwesens bei der Einführung und Umsetzung aller Aspekte des Bologna-Prozesses in ihren Institutionen behilflich sein.
  • Mai 2007: Die fünfte Bildungsministerkonferenz fand in London statt. Die Bildungsminister nahmen eine Mitteilung an, die den bisher erzielten Fortschritt der unterschiedlichen Vorgehensweisen beim Bologna-Prozess bewertet und Prioritäten für 2008 und 2009 festlegt.
  • 28. und 29. April 2009: Die nächste Bildungsministerkonferenz zum Bologna-Prozess wird in Leuven/Louvain-la-Neuve stattfinden.

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