Europa braucht Brücken zwischen nationalen Medien

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Können europäische Medienmarken ihre eigenen Plattformen verstärken?

Können europäische Medienmarken ihre eigenen Plattformen verstärken? [Google News homepage]

Wie können die griechischen und deutschen öffentlichen Meinungen in Einklang gebracht oder die Euro-Zone reformiert werden ohne Brücken zwischen nationalen Medien zu bauen? David Mekkaoui und Christophe Leclercq erklären, warum sie denken, dass dies notwendig und möglich ist.

David Mekkaoui ist Direktor für Medieninnovation und Christophe Leclercq ist der Gründer des mehrsprachigen Mediums EURACTIV.

US-Unternehmen dominieren in den sozialen Medien, Onlinewerbung und Suchmaschinen. Google News ist zu einem wichtigen Portal für Online-Informationen geworden. Apple und Facebook tun sich mit Medientitanen zusammen, um sich ihren Anteil am Medienmarkt zu sichern. Vor kurzem kaufte die japanische Mediengruppe Nikkei die Financial Times; und Pearson verhandelt ebenfalls über einen Verkauf des Economist. Bevor wir es überhaupt merken, könnten weltweite Unternehmen die europäische Medienlandschaft dominieren.

Bis jetzt lesen die Europäer ihre nationalen Medien weiterhin zuerst. Bei der lokalen Berichterstattung sind die nationalen Bezugsquellen unschlagbar, sie sind gut mit den Stakeholdern und zuverlässigen Lesern vernetzt. Bei globalen Themen ergänzen die Europäer sie bereits mit anderen Quellen. Das Problem ist, dass das wirtschaftliche Medienmodell in Europa geschwächt ist, da Online-Werber und Leser von den US-Internetgiganten aufgeschaufelt werden. US-Medien haben die entscheidende Masse dafür, Innovationen nachzugehen, darunter der Datenvisualisierung, handyfreundlichen Webseiten und Echtzeit-Nachrichten.

Wie können europäische Medienmarken ihre eigenen Plattformen stärken?

Die Lösung ist es, Inhalte zu teilen, nicht hauptsächlich mit den dominierenden Plattformen, sondern unter den europäischen Medien. Der frühere Präsident der Online News Association, Jim Brady, drückt es so aus: „Es ist eine Zeit, in der Journalisten für Wärme zusammenrücken müssen„. Einige vielversprechende grenzüberschreitende Austauschnetzwerke wurden geschaffen, zuerst der Europa ‚Club‘, dann jüngst LENA. Netzwerke, die sogar noch integrierter sind, wissen, dass die Wiederveröffentlichung großes Potenzial birgt. EURACTIV bietet seinen Lesern neben exklusivem Inhalt beispielsweise durch ein Dutzend übersetzte und wiederveröffentlichte Artikel pro Tag eine größere inhaltliche Bandbreite. Solche Partnerschaften senken Kosten und die Einsparungen können in Qualitätsjournalismus investiert werden. Die Wiederveröffentlichung steht jedoch vor einem großen Hindernis: Übersetzungsprozesse sind noch nicht effizient genug.

An dem Tag, an dem Übersetzungen schnell, genau und billig sind, werden Leser eine breitere und tiefergehende Nachrichtenberichterstattung genießen. An dem Tag, an dem Übersetzungen schnell, genau und billig sind, werden Herausgeber von einem diverseren Inhaltsmix, von einer größeren Reichweite und einer skalierbareren Berichterstattungsfähigkeiten profitieren. An dem Tag, an dem Übersetzungen schnell, genau und billig sind, werden die Medien zu gemeinsamen Werten und zu einem gemeinsamen Verständnis beitragen und eine wahre EU-Identität aufbauen.

Neue Technologien sollten der Übersetzung helfen (nicht diese ersetzen)

Es ist nicht nur eine Wahl zwischen teuren, spezialisierten Übersetzern und einem unmittelbaren Raten durch Google Translate. Es gibt ein Kontinuum von Lösungen, von radikalem Crowd Editing der Maschinenübersetzung bis zur Nachbearbeitung durch professionelle Übersetzer und Journalisten, die sich ihrer Zielgruppe anpassen.

In einem Interview im vergangenen Monat schlug Jochen Hummel, Vorsitzender von LT-Innovate, vor, eine gemeinsame Sprachinfrastruktur für grundlegende Sprachdienste zu haben. Darauf aufbauend könnten Unternehmen ihre eigenen Lösungen schaffen. Dieser Artikel zeigt das steigende Interesse an einer Übersetzungsinnovation. Wer sollte diese grundlegende Sprachverarbeitungsinfrastruktur entwickeln? Die EU-Kommission scheint einer Beteiligung offen gegenüber zu stehen. Sie tut es bereits mit dem MT@EC translation memory. Robert Madelin, Generaldirektor der GD Connect der Kommission und bald leitender Berater für Innovation erklärte beim letzten LT-Innovate-Gipfel, warum Mehrsprachigkeit für Europa notwendig ist: „Die europäische Cloud muss eine Antwort für die Herausforderung der Sprachen beinhalten“. Die Rolle der Kommission sollte aber auf die Unterstützung von Innovation und die Bereitstellung eines politischen Rahmens für die Zusammenarbeit zwischen Medien- und Übersetzungsunternehmen begrenzt sein.

Innovation bei der Redaktionsarbeit

Das ist keine Technologie oder Silicon Valley-Herausforderung. Das ist eine europäische Vision. Ein doppelter Wandel ist erforderlich. Die Journalisten müssen neue Schreibweisen aufnehmen. Sie werden sich noch mehr grenzüberschreitend zusammentun als das bereits der Fall ist. Ihre Aufgabe wird es zunehmend sein, ihre Zielgruppe zu verstehen, Inhalte auszuwählen, zu redigieren und einzugrenzen. Was ist die Toleranzgrenze für softwaregestützte Übersetzung? Wie soll man zwischen Quantität und Qualitätskontrolle wählen? Ihre Arbeit wird zunehmend strategischer werden. Auch Übersetzer werden sich anpassen müssen. Sie werden mit Nutzern an Crowd-Translations arbeiten oder nachbearbeiten, um bei kontrollierten Kosten mehr Umfang erreichen zu können. Sie scheinen dafür bereit zu sein, wie die letzte #TranslatingEurope-Konferenz zeigte. Ein Prozess des Veränderungsmanagements wird in den kommenden Jahren stattfinden, um diesen Fachkräften Schritt für Schritt dabei zu helfen, mehr Aufgaben im Bereich Community Management zu übernehmen.

Dieser Prozess selbst ist ein Medieninnovations-Projekt, bei dem viele Akteure eine Rolle zu spielen haben.

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